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Risiken bleiben unbearbeitet Zahl der Behandlungsfehler sinkt nur langsam

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Wichtige Grundlage für die MDK-Gutachten sind die Patientenunterlagen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Patienten verwechselt oder OP-Gegenstände "vergessen" - dies gehört wohl zu den offensichtlichsten Behandlungsfehlern. Und häufig müssen die Betroffenen derlei mit bleibenden Schäden bezahlen. Krankenkassen beklagen die stabile Zahl dieser Fehler.

In Deutschlands Krankenhäusern und Arztpraxen hat es im vergangenen Jahr etwas weniger nachgewiesene Behandlungsfehler gegeben als im Vorjahr. Insgesamt haben die Medizinischen Dienste der Krankenkassen 3337 Fälle bestätigt, in denen Patienten durch fehlerhafte Behandlungen zu Schaden gekommen sind, wie aus der MDK-Begutachtungsstatistik hervorgeht. Die Zahlen liegen wenig unter denen von 2016, als 3564 Behandlungsfehler nachgewiesen wurden. Experten beklagen eine aus ihrer Sicht fehlende Strategie für eine bessere Patientensicherheit.

Insgesamt wurden 2017 mehr als 13.000 Sachverständigengutachten zu möglichen Behandlungsfehlern erstellt. Zwei Drittel der Vorwürfe entfielen auf Krankenhausbehandlungen und gut ein Drittel auf die Arbeit in einer Arztpraxis. In jedem vierten Fall (24,7 Prozent) bestätigte sich den Angaben zufolge der Verdacht. In jedem fünften Fall (19,9 Prozent) stellte sich heraus, dass die Schädigung des Patienten unmittelbar durch den Fehler verursacht wurde.

Dennoch bleibe vollkommen unklar, wie viele Behandlungsfehler tatsächlich passieren und wie viele Patienten insgesamt Schäden davontragen, sagte Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des MDS, bei der Vorstellung der Zahlen. "Die Dunkelziffer ist hoch." Das sei jedoch nichts Neues, sondern bekannt.

Unterschieden nach den medizinischen Fachgebiete betraf gut ein Drittel (4250 Fälle) der Anfragen Orthopädie und Unfallchirurgie. 13 Prozent (1746 Fälle) entfielen auf Innere Medizin und Allgemeinmedizin, 9 Prozent (1203 Fälle) auf Allgemeinchirurgie und jeweils 8 Prozent (1150 Fälle) auf Zahnmedizin und (1041 Fälle) Frauenheilkunde. Fünf Prozent (663 Fälle) der Anfragen betraf die allgemeine Pflege. Doch sagten diese Zahlen nicht über das Risiko in den einzelnen Fachgebieten aus, meinte Astrid Zobel, Leitende Ärztin des MDK Bayern.

Eindeutiger Spitzenreiter

Bei den nachgewiesenen Behandlungsfehlern zeigt sich derweil ein anderes Bild. Demnach bestätigten MDK-Fachärzte Fehlervorwürfe am häufigsten in der Pflege (49,8 Prozent), gefolgt von der Zahnmedizin (35,2 Prozent) und der Frauenheilkunde (27 Prozent).

Besonders ernüchternd sei, dass immer wieder die gleichen Fehler passierten, sagte Gronemeyer. "Auch Fehler, die eigentlich nie passieren dürften, sogenannte 'Never Events' gibt es immer wieder. Das sind Fehler, die besonders folgenschwer sind und eigentlich sehr gut zu vermeiden wären." Immer wieder komme es beispielsweise vor, dass im Körper des Patienten Operationsgegenstände zurückgelassen würden. Ferner gebe es Verwechslungen von Patienten, Körperteilen oder auch Medikamenten. Und es komme auch immer wieder zu vermeidbaren schweren Druckgeschwüren.

Dass diese Fehler trotzdem geschehen, liege vor allem am Fehlen einer konsequenten Strategie, um die Patientensicherheit zu verbessern, wie es international in vergleichbaren Gesundheitssystemen längst Praxis sei, sagte Gronemeyer. Er forderte daher eine anonyme Meldepflicht für "fehlerbedingte Schadensereignisse". Dies werde in den Niederlanden, den USA und Großbritannien bereits erfolgreich umgesetzt. Auf diese Weise könne man erreichen, "dass das Melden von fehlerbedingten Schäden als normales professionelles Handeln akzeptiert wird".

Behandlungsfehler können unter anderem vorliegen, wenn die ärztliche Versorgung nicht den aktuellen medizinischen Standards entspricht, wenn eine gebotene Behandlung unterlassen, eine unnötige durchgeführt oder eine Diagnose trotz eindeutiger Hinweise nicht gestellt wird. Die Ärzteschaft legt einmal im Jahr eine eigene Statistik über Behandlungsfehler vor.

Quelle: n-tv.de, sba

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