Panorama

Von Vorfrühling zu Polarluft Zum Wochenende kommt der Schnee zurück

Ein Fußgänger mit Regenschirm ist auf einer mit Schnee bedeckten Straße unterwegs. Foto: Armin Weigel/dpa/Archivbild

Bis zu zwei Drittel des Landes könnten am Wochenende zumindest zeitweise weiß gefärbt werden.

(Foto: Armin Weigel/dpa/Archivbild)

Das Wetter kann sich diese Woche nicht entscheiden: Erst brechen in Deutschland Frühlingsgefühle aus, zum Wochenende nun sinkt die Schneefallgrenze wieder bis in den hohen Norden. Nächste Woche könnten Teile des Landes dann auch noch Schneeschmelze und Überschwemmungen erleben, erklärt ntv-Meteorologe Björn-Alexander im Interview.

ntv.de: Nach den mitunter stürmischen Zeiten zuletzt: Wie sieht unser Wetterfahrplan fürs Wochenende und die nächste Woche aus?

Björn Alexander: Unser Wetter sitzt momentan zwischen den Stühlen. Denn nach den milderen Temperaturen mit Tauwetter folgt am Wochenende Polarluft, und die lässt die Schneefallgrenze wieder bis ins Flachland sinken. Auch die nächste Woche beginnt noch häufiger mit Schnee und Eis, bevor es abermals mild wird. Das könnte sich sogar wie Vorfrühling anfühlen.

Warum nur "könnte"?

Weil das Ganze aller Voraussicht nach unter Tiefdruckeinfluss abläuft und somit die Wolken überwiegen. Mit im Gepäck ist zudem einiges an Regen. Und damit ist der Januar 2021 übrigens auch auf dem besten Weg, einer der sonnenärmsten Januare seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu werden. Das ist gerade jetzt im Corona-Winter natürlich ganz besonders bitter.

Welches sind denn die Orte mit der wenigsten Sonne?

Vorneweg in Sachen Wolkendominanz rangieren beispielsweise die Wetterstationen in Zehdenick (Brandenburg), Bad Lippspringe (NRW), Berlin-Dahlem und Potsdam. Hier gab es bis einschließlich Mittwoch, den 20. Januar noch keine zwei Stunden Sonne. Und das ist bis jetzt auf jeden Fall schon mal ein Rekord.

Wie viel Regen wird denn der Januar 2021 noch bringen?

ntv-Meteorologe Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

(Foto: ntv)

Das bewerten die Wettercomputer noch etwas unterschiedlich. Nimmt man aber zum Beispiel das Europäische Wettermodell, dann erwarten uns bis zum Monatsende recht verbreitet 30 bis 70 Liter pro Quadratmeter. In den Staulagen der westlichen Mittelgebirge und am Schwarzwald auch mehr. Weniger nass dürfte sich nur der Nordosten präsentieren mit rund 10 bis 30 Litern pro Quadratmeter.

Reichlich Regen und nächste Woche Tauwetter: Droht damit auch Hochwasser?

Die Schneeschmelze jetzt zusammen mit den milden Temperaturen und dem Regen hat vor allem die Mosel bereits deutlich ansteigen lassen, in den übrigen großen Flüssen ist aber erstmal noch genug Platz. Zudem sinken ab Freitag Temperaturen und Schneefallgrenze, sodass in den höher gelegenen Einzugsgebieten der Flüsse das Schmelzen Pause macht. Über eine größere Hochwasserlage müssen wir uns erst im Laufe der nächsten Woche Gedanken machen, wenn die Modelle mit einer neuerliche Milderung samt großen Regenmengen Recht behalten. Grundsätzlich können aber natürlich kleinere Flüsse und Bäche rascher mal ausufern, und auch Wiesen stehen bei diesen gefallenen Schneemengen im Süden natürlich gerne unter Wasser.

Wenn es jetzt bald milder wird, sind dann auch schon Pollen unterwegs?

Bei trockenem Wetter könnte es den Allergikern gegen Erle und Hasel jetzt leider wieder vermehrt in den Nasen und Augen jucken. Denn diese sogenannten Frühblüher sind gerne ab Mitte Januar in Sachen Pollenflug aktiv und steigern sich im Laufe des Februars immer mehr. Die Hasel etwas eher, die Erle etwa später bis ins Frühjahr hinein.

Vom Frühjahr zum Winter am kommenden Wochenende: Wie sind die Vorhersagen?

Ziemlich spannend. Denn jetzt kommt erst einmal ein Schwall hochreichender Polarluft zu uns. In rund fünf Kilometern Höhe mit Temperaturen von um die minus 38 Grad. Und mit dieser Kaltluft geht es mit dem Schnee wieder bis ganz runter. Weil zudem noch ein kleines, aber durchaus wetterintensives Tief über uns hinwegziehen kann, weht der Wind insbesondere im Bergland lebhaft, was dort wiederum zu Schneeverwehungen führen kann.

Was heißt das im Detail für den Samstag?

Bereits in der Nacht zum Samstag melden sich Schnee und Glätte im Süden zurück und bereiten damit einen sehr wechselhaften Start ins Wochenende vor. Im Westen dann tagsüber noch mehr mit Regen. Im Süden und Osten sind vermehrt Schnee oder Schneeregen mit dabei, und sobald es ein paar Meter höher hinausgeht, werden die Straßen rutschig. Am besten kommen noch die Nordlichter ins Wochenende. Hier bleibt es mehrheitlich trocken mit etwas Sonne.

Bei welchen Temperaturen?

Am Samstag werden es maximal noch 0 bis 8 Grad. Die Nacht zum Sonntag verläuft anschließend immer öfter frostig und glatt. Zumal sich bis in tiefere Lagen Schneeschauer dazu gesellen können. Der Sonntag bringt uns dementsprechend auch nur noch Höchstwerte zwischen minus 2 und plus 4 Grad.

Und wie sieht es beim Wetter aus?

Unbeständig. Im Süden durchweg mit Schnee, während sich im Norden auch noch Schneeregen oder Regen untermischen können. Die ganz großen Mengen werden zwar nicht unbedingt vom Himmel kommen. Aber für ein paar Zentimeter kann es durchaus reichen. Je nach Wettermodell wären hierbei beispielsweise auch Berlin/Brandenburg oder das Ruhrgebiet mit im Rennen.

Mit Auswirkungen auf den Verkehr am Montag?

Es ist durchaus möglich, dass es in der gesamten Mitte und im Süden am Montagmorgen weiß ist. Es könnte also rund 2/3 unseres Landes betreffen. Und selbst in Teilen Norddeutschlands ist eine dünne Schneeauflage drin. Ob es das große Verkehrschaos bedeutet, ist hingegen kaum abschätzbar, da inzwischen ja ein großer Teil der Bevölkerung im Mobile-Office und im Homeschooling ist.

Wie geht es danach weiter?

Am Montag tagsüber im Norden zeitweise sonnig, im Süden Schneeschauer und Glätte bei minus 2 bis plus 4 Grad. Bis einschließlich Mittwoch bleibt uns dann das eher winterliche Wetter mit Schnee oder Schneeregen und frostigen Nächten erhalten. Ab Donnerstag wollen die Wettercomputer erneut Tiefs mit deutlich milderen Temperaturen zu uns kommen lassen.

Quelle: ntv.de