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Palästinenser festgenommen Zwei Tote bei Messerattacke in Regionalzug Kiel - Hamburg

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In einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg greift ein Mann Fahrgäste mit einem Messer an. Das Innenministerium in Kiel spricht von zwei Toten. Weitere Menschen werden verletzt. Die Hintergründe sind noch unklar, es gibt erste Hinweise auf geistige Verwirrtheit des Angreifers, der ein staatenloser Palästinenser sein soll.

Bei einer Messerattacke in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg sind zwei Menschen getötet und mindestens fünf verletzt worden. Das sagte die Innenministerin von Schleswig-Holstein, Sabine Sütterlin-Waack. Es habe eine Festnahme gegeben, sagte die CDU-Politikerin. Die Tat ereignete sich nach Angaben der Bundespolizei kurz vor 15 Uhr vor der Ankunft des Zuges im Bahnhof Brokstedt im Kreis Steinburg. Ein Mann sei mit einem Messer auf Reisende losgegangen. "Die Hintergründe sind noch unklar, ebenso wie die Identitäten der Geschädigten", teilte eine Polizeisprecherin mit.

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Tatort zwischen Kiel und Hamburg.

(Foto: ntv.de Infografik)

Der Täter - der zwischen 20 und 30 Jahre alt sein soll - habe die Menschen in dem noch fahrenden Zug angegriffen. Den Angaben der Sprecherin nach wurden fünf Menschen verletzt, unter ihnen auch der Angreifer. Es werde in alle Richtungen ermittelt, auch zu einem möglichen extremistischen Hintergrund oder einer möglichen psychischen Erkrankung. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass der Festgenommene geistig verwirrt sein könnte. Innenministerin Sütterlin-Waack bestätigte Medienberichte, wonach der Täter ein staatenloser Palästinenser ist.

Nach Informationen der Zeitung "Welt" handelt sich um einen 33-jährigen Mann palästinensischer Herkunft mit bislang ungeklärter Nationalität. Ibrahim A. soll 2014 nach Deutschland gekommen sein, zunächst in Nordrhein-Westfalen und dann in Schleswig-Holstein gewohnt und 2016 subsidiären Schutz erhalten haben. Der Mann soll mehrfach wegen Sexual- und Gewaltdelikten polizeilich in Erscheinung getreten sein und sich noch bis vor einer Woche in Untersuchungshaft befunden haben, berichtete das Blatt, ohne offizielle Quellen zu nennen.

Panik im Zug

Gegen 15 Uhr hatte die Polizei mehrere Anrufe von Fahrgästen erhalten. Auf Benachrichtigung wurde der Zug gestoppt, worauf sich das Geschehen auf den Bahnsteig verlagert habe, so die Sprecherin. Dort sei der Täter festgesetzt worden, von wem könne sie noch nicht sagen. Der Mann, der mittelschwer verletzt sei, wurde demnach in ein Krankenhaus gebracht. Brokstedt ist eine kleine Gemeinde an der Bahnlinie zwischen Elmshorn und Neumünster.

RTL berichtete mit Verweis auf die Pressesprecherin der Polizeidirektion Itzehoe, es gebe zwei Tote, drei Schwerverletzte und vier Leichtverletzte. Der Tatverdächtige sei nach seiner Festnahme ins Krankenhaus eingeliefert worden. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung schwebt derzeit noch eine Person in Lebensgefahr. Im Zug sei während der Attacke Panik ausgebrochen. Die "Kieler Nachrichten" berichteten, der Angriff habe im Zug begonnen, die Fahrgäste seien dann in Panik auf den Bahnsteig geflohen. Zeugen hätten den Angreifer am Bahnhof festgehalten, bis die Polizei eingetroffen sei. "Bild" schrieb, im Zug hätten Reisende ihn mit Koffern beworfen.

Eine Frau aus Bad Bramstedt wartete wenige Meter entfernt vom Bahnhof auf ihre Tochter. Die 18 Jahre alte Studentin war mit dem Zug auf dem Rückweg von der Uni in Kiel. "Sie hat gesehen, wie ein Mensch vier Reihen vor ihr auf jemanden eingestochen hat", sagte die Mutter. Sie könne derzeit noch nicht mit ihrer Tochter sprechen, nur schreiben, sagte die sichtlich bewegte Frau. Die Tochter warte noch darauf, bei der Polizei eine Aussage zu machen. Die junge Frau sei zwar unverletzt. "Ich glaube aber, es geht ihr schlecht", sagte die Mutter.

Bahnverkehr eingestellt

Die Kieler Innenministerin bekam die Nachricht über den Messerangriff im Landtag und beriet sich zuerst mit Ministerpräsident Daniel Günther. Sie kam am frühen Abend in Brokstedt an. Sie sei "in Gedanken bei den Familien und Angehörigen der Opfer", erklärte Sütterlin-Waack. Den Verletzten wünsche sie eine schnelle Genesung. Sie bedankte sich bei den Polizisten, die den Täter festnahmen, und bei allen Rettungskräften. Bundespolizei und Landespolizei würden bei der Aufklärung eng zusammenarbeiten. Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser drückte ihr Mitgefühl aus. "All unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser furchtbaren Tat und ihren Familien", schrieb die SPD-Politikerin auf Twitter.

Der parteilose Kieler Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen sagte, ein vergleichbar schweres Gewaltverbrechen in einem Zug habe es in Schleswig-Holstein noch nicht gegeben. Madsen und der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Nah.SH, Arne Beck, erklärten, sie seien in Gedanken bei den Betroffenen und bei deren Angehörigen. Den Verletzten wünschten sie schnelle Genesung. "Jetzt hoffen wir auf eine zügige Aufklärung durch die Polizei", sagte Beck laut Mitteilung.

Der Bahnverkehr auf der Strecke war eingestellt. Die Deutsche Bahn teilte mit, dass es Zugausfälle im Fernverkehr gebe zwischen Hamburg, Kiel und Neumünster. Etwa 70 der 120 Fahrgäste, die in dem Zug gewesen sind, wurden nach Polizeiangaben in einem nahe dem Bahnhof gelegenen Gasthof befragt. Die Spurensicherung war mit mehreren Kräften im Einsatz.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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