Panorama

Viele Infizierte, wenige Tote Zweifel an türkischen Corona-Zahlen

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Ab Mittwoch gilt für viele Städte in der Türkei eine viertägige Ausgangssperre.

(Foto: imago images/Depo Photos)

Weltweit weist die Türkei inzwischen die siebtmeisten bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus auf. Das spiegelt sich allerdings nicht bei der Totenzahl wider. Ein Bericht der "New York Times" nährt nun den Verdacht, dass die Behörden nicht alles korrekt erfassen.

Die Türkei hat China und den Iran bei der Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen überholt. Gesundheitsminister Fahrettin Koca teilte auf Twitter mit, dass die offizielle Zahl der Coronavirus-Fälle binnen 24 Stunden um 4674 auf 90.980 gestiegen sei. Damit weist die Türkei inzwischen die siebtmeisten Fälle weltweit auf. Nur die besonders schwer betroffenen europäischen Länder wie Italien, Spanien und Deutschland sowie die USA zählen insgesamt noch mehr bestätigte Infektionen.

Bei der Sterberate schneidet die Türkei allerdings deutlich besser ab als die genannten Länder: Die Zahl der Menschen, die nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben sind, stieg nach türkischen Regierungsangaben zuletzt um 123 auf 2140. Damit sind offiziell 2,4 Prozent aller Infizierten an der Lungenkrankheit Covid-19 verstorben. In Italien liegt die Letalität aktuell bei 13,3 Prozent, in den USA bei 4,8 Prozent. Der türkische Wert ist auch niedriger als der deutsche von 3,2 Prozent, der im Vergleich als weltweit besonders niedrig gilt.

Allerdings gibt es wie im Fall von China Zweifel an der Richtigkeit der türkischen Angaben. Die "New York Times" berichtet, dass allein die Istanbuler Gesundheitsbehörden in ihren Statistiken vom 9. März bis zum 12. April 2100 mehr Verstorbene erfasst haben, als es in den vergangenen Jahren in diesem Zeitraum im Durchschnitt waren. Nicht alle Todesopfer müssten zwangsläufig nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben sein, heißt es. Dass der plötzliche Anstieg der Totenzahl zeitlich mit dem Ausbruch des Coronavirus zusammenfalle, sei allerdings auffällig.

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Viertägige Ausgangssperre verhängt

Offiziell hat die türkische Regierung den ersten offiziellen Corona-Toten am 17. März gemeldet. In den Istanbuler Statistiken soll im Vergleich mit den Vorjahres-Daten allerdings schon zu diesem Zeitpunkt ein spürbarer Anstieg der Totenzahl zu erkennen sein. Das deutet darauf hin, dass das Virus zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Wochen in der Türkei gewütet haben könnte.

Um die Ausbreitung einzudämmen, hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag eine viertägige Ausgangssperre für 31 Städte und Provinzen angekündigt. Sie beginne am Mittwoch um Mitternacht (Ortszeit) und ende am Sonntag um dieselbe Zeit, sagte Erdogan nach einer online abgehaltenen Kabinettssitzung. Am Donnerstag ist Nationalfeiertag in der Türkei, an dem das Land unter anderem der Eröffnung des türkischen Parlaments am 23. April 1920 gedenkt. Zudem beginnt am Freitag der islamische Fastenmonat Ramadan in der Türkei.

Wegen der Pandemie gelten bereits Ausgangsbeschränkungen für Senioren über 65 Jahren und Menschen unter 20 Jahren. Auch Schulen sind geschlossen. Seit zwei Wochen gelten an den Wochenenden außerdem 48-stündige Ausgangssperren in den betroffenen Städten, darunter in Ankara, Istanbul und Izmir. Nur wichtige Einrichtungen wie Apotheken, Bäckereien und Krankenhäuser bleiben in der Regel offen.

Quelle: ntv.de, chr/AFP