Politik

Bewerbung mit Imagefilm Auch Sunak kandidiert für Johnson-Nachfolge

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Nach Tom Tugendhat und Suella Braverman bewirbt sich auch Ex-Finanzminister Rishi Sunak offiziell um die Nachfolge von Boris Johnson.

(Foto: picture alliance / empics)

Nach dem Rücktritt des britischen Premierministers Boris Johnson als Parteivorsitzender der konservativen Tories ist das Rennen um seine Nachfolge noch völlig offen. Als Erste gaben der bekannte Tory-Abgeordnete Tom Tugendhat, Generalstaatsanwältin Suella Braverman und der am Dienstag zurückgetretene Finanzminister Rishi Sunak ihre Bewerbungen bekannt. Es dürfte aber noch eine Reihe weiterer Kandidatinnen und Kandidaten geben. Ein Überblick:

Tom Tugendhat

Der 49-jährige ehemalige Armeeoffizier ist der Vorsitzende des einflussreichen Auswärtigen Ausschusses im Unterhaus. "Ich habe schon gedient - in den Streitkräften und jetzt im Parlament", schrieb Tugendhat im "Daily Telegraph". Nun wolle er seinem Land als Premierminister dienen und dazu eine "breite Koalition" für einen "Neustart" schmieden. Tugendhat hatte schon vor Johnsons Rücktritt durchblicken lassen, dass er sich um die Nachfolge des Partei- und Regierungschefs bewerben würde. Profiliert hat er sich unter anderem mit einer harten Haltung gegenüber China und mit Kritik am Truppenabzug aus Afghanistan. Parteiintern steht ihm das Lager der Johnson-Anhänger kritisch gegenüber.

Suella Braverman

Braverman brachte sich bereits am Mittwoch, also noch vor Johnsons Rücktritt, in Interviews für seine Nachfolge in Stellung. Die 42-jährige Brexit-Befürworterin ist in der Partei wegen ihrer Gegnerschaft zur EU beliebt, gilt aber als relativ aussichtslose Kandidatin. Braverman ist in der Tory-Fraktion eine der 28 sogenannten Spartaner, die den von Ex-Premierministerin Theresa May ausgehandelten Brexit-Deal bei allen drei Abstimmungen im Unterhaus durchfallen ließen.

Rishi Sunak

Als Finanzminister trat Sunak am Dienstag aus Protest gegen Johnsons Amtsführung zurück und trug damit zu Johnsons Fall bei. Dass Sunak selbst Interesse an dem Amt hat, bestätigte er am Freitag. Die Ankündigung seiner Bewerbung für den Parteivorsitz verband der 42-Jährige, der in den Online-Netzwerken sehr präsent ist, mit einem Imagefilm zu seiner Person. Der erste hinduistische Finanzminister Großbritanniens hat mit seiner Wirtschaftspolitik in der Corona-Krise gepunktet und wird schon länger als ein Kandidat für Johnsons Nachfolge gehandelt. Doch Fragen zu seinem beträchtlichen Privatvermögen und Steuertricks seiner Familie schadeten zuletzt seinem Ruf. Seine Beliebtheitswerte litten auch darunter, dass er trotz der stark steigenden Lebenshaltungskosten weitere Hilfen für die Bevölkerung zunächst ablehnte.

Sajid Javid

Der frühere Investmentbanker und Sohn eines pakistanischstämmigen Busfahrers gehört dem wirtschaftsliberalen Flügel der Konservativen an. 2020 war er bereits im Streit mit Johnson als Finanzminister zurückgetreten, wurde gut ein Jahr später jedoch als Gesundheitsminister erneut ins Kabinett berufen. Der 52-Jährige hatte Johnson lange verteidigt, trat am Dienstag aber zusammen mit Finanzminister Sunak erneut zurück. Ebenfalls wie Sunak steht Javid allerdings im Zusammenhang mit seinem Vermögen und wegen Steuertricks in der Kritik.

Ben Wallace

Der Verteidigungsminister hat im Zuge der Ukraine-Krise an Beliebtheit gewonnen. Der 52-jährige ehemalige Offizier gilt als geradlinig und kompetent. In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage unter Tory-Mitgliedern wäre er bei einer Neuwahl des Parteivorsitzenden favorisiert. "Einige von uns haben die Verpflichtung, die Sicherheit des Landes aufrecht zu erhalten, wer auch immer der Premierminister ist", sagte Wallace am Donnerstag und bestätigte, dass er selbst trotz der massenhaften Rücktritte im Regierungslager im Amt bleiben werde.

Penny Mordaunt

2019 wurde sie die erste britische Verteidigungsministerin, derzeit ist die 49-Jährige Staatsministerin für Außenhandel. 2016 kämpfte sie für den Brexit. Die Reservistin der Royal Navy gilt als gute Rednerin. Einige sehen in ihr eine Kompromisskandidatin für den Vorsitz der zerstrittenen Tories. Laut einer YouGov-Umfrage hat sie nach Wallace die zweitgrößten Chancen auf den Parteivorsitz.

Jeremy Hunt

Der frühere Außen- und Gesundheitsminister unterlag 2019 im Rennen um den Parteivorsitz. Damals stellte er sich im Vergleich zu Johnson und dessen Clown-Image als die "ernsthafte" Alternative dar. Der frühere Geschäftsmann, der fließend Japanisch spricht, gilt als besonders belastbar, jedoch wenig charismatisch. Im vergangenen Monat leitete Hunt mit klarer Kritik am Parteichef recht unverhohlen einen erneuten Versuch ein, ihm den Chefposten streitig zu machen. Unter Johnsons Führung würden die Wähler "uns nicht mehr vertrauen", eine Niederlage bei der nächsten Parlamentswahl sei programmiert, warnte der 55-Jährige.

Liz Truss

Die Außenministerin wird in der konservativen Partei für ihre Offenheit und ihr Durchsetzungsvermögen geschätzt. Allerdings hat dies auch Fragen aufgeworfen, etwa als sie im Februar Briten zum Kampf in der Ukraine aufforderte. Kritiker werfen der 46-Jährigen vor, sich durch ihre Freimütigkeit angreifbar zu machen.

Nadihm Zahawi

Sunaks Nachfolger als Finanzminister hatte sich zuvor einen Namen als Verantwortlicher für Großbritanniens Corona-Impfkampagne gemacht. Davor war er Bildungsminister. Der 55-Jährige kam als Kind als Flüchtling aus dem Irak nach Großbritannien. Bevor er in die Politik ging, gründete er das bekannte Meinungsforschungsinstitut YouGov. Auch Zahawis Ruf wird von Fragen nach seinem Privatvermögen überschattet.

Quelle: ntv.de, Joe Jackson und Jitendra Joshi, AFP

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