Politik

Söder fliegen die Herzen zu Der lachende Dritte

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"Ohne uns wäre es auch langweilig", schickt Markus Söder in Richtung Schwesterpartei CDU.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem abgeblasenen Showdown zwischen CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer und ihren Kritikern beim Parteitag gehen die Delegierten in die trockene Themenarbeit. Auflockerung bietet der Auftritt eines aufreizend entspannten CSU-Chefs Söder. Am Ende ist nicht ganz klar – war es mehr als ein Grußwort?

Warum nicht Markus Söder? Nach der vertagten Machtentscheidung in der CDU haben sich die Delegierten des Parteitages in Leipzig dankbar die gestresste Seele streicheln lassen. Und die "kleine Schwester" aus Bayern hat diese Aufgabe lustvoll übernommen. CSU-Parteichef Söder präsentierte sich angriffslustig und schlagfertig, in Teilen fast wie ein Stand-up-Comedian. Er gibt zudem den Chef einer Partei, die mit sich im Reinen ist. Und weil über dem Delegiertentreffen die Frage schwebte, wer 2021 im Rennen um das Kanzleramt antreten soll, steht nun eine weitere Frage im Raum: Was ist eigentlich mit Söder?

In der Frage gibt er keine Antwort. Ihm sei "egal, wer Kandidat war. Ich will, dass 2021 der Kanzler von der Union gestellt wird" und die CSU zuvor ein "Wörtchen mitreden" durfte. Dabei aber soll es auf jeden Fall nicht so zugehen, wie in den vergangenen Jahren, als sich beide Unionsteile öffentlich fetzten. Unvergessen der CSU-Parteitag, auf dem der damalige Vorsitzende Horst Seehofer minutenlang auf der Bühne Kanzlerin Angela Merkel in den Senkel stellte. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht rückblickend von "dramatischen Momenten in der Unionsfamilie".

"Nicht fusionieren, aber eine Familie"

"Wir haben öfter den Familienstatus herausgefordert", charmiert Söder launig. "Und das ist mein Versprechen an dich, Annegret, dass wir so was wie letztes Jahr nie wieder machen." Die Worte fallen auf dankbaren Boden. "Wir wollen zwar nicht fusionieren, aber wir sind eine Familie", sagt Söder und sammelt genüsslich die Lacher ein. Als "kleine Schwester" könne die CSU "nichts bestimmen, aber ohne uns wäre es auch langweilig". Szenenapplaus.

Und in dem Tonfall geht es weiter: An der SPD könne man die "Dauerdepression richtig spüren", sagt er. Selbst wenn ihnen etwas gelinge, finde sich jemand, der sage, es reiche nicht. "Laden Sie", fragt er die Delegierten, "jemanden zu sich nach Hause ein, der immer jammert?"

Im gleichen Tonfall, aber deutlich umfangreicher, geht es mit den Grünen weiter. Doch der Einstieg ins Thema gerät zunächst ernst. "Die AfD ist der Feind, die Grünen sind unserer Hauptherausforderer:" CDU-General Paul Ziemiak hatte da vor einigen Tagen weniger fein unterschieden. Die Grünen haben kein Angebot an bürgerliche Wähler, sagt Söder und verweist auf Bremen, wo sich die Partei unter Hinzuziehung der Linke zu einem R2G-Bündnis entschieden hat. Damit habe die Partei ihr "wahres Gesicht" gezeigt.

Die Grünen "wollen höhere Steuern, höhere Preise und Verbote – etwa Ölheizungen". Das grüne Modell hieße, kalauert Söder zwischendurch, "dass die Leute frieren müssen und im Wald kein Holz holen dürfen, weil da die Artenschützer sind". Einmal in Fahrt geht es weiter: Die Grünen wollen die Freigabe von Drogen, aber Fleisch verbieten. Sie fordern mehr Windkraft und bestehen in Brandenburg selbst auf den umstrittenen 1000-Meter-Abstand. Sie sind in Bürgerinitiativen, die gegen Funkmasten protestieren und organisieren sich dazu per Handy. Zusammengefasst: "Die Grünen haben mehr Moral als wir - die haben nämlich Doppelmoral." Er glaube nicht, dass "man mit Philosophie allein Arbeitsplätze schaffen kann, herzliche Grüße an Habeck", den Parteichef der Grünen.

Lust oder Last

Kein Grund für Kalauer ist für ihn hingegen die AfD. Der "demokratische Boden vibriert", sagt Söder. "Die AfD ist für mich der Feind". Und "je öfter sie es behaupten, um so weniger wird es wahr: Die AfD ist keine bürgerliche Partei", "sondern die neue NPD". Und mit "solchen Leuten macht man nichts, solche Leute bekämpft man", sagt er. Klare Linie, klare Kante, sei das.

Und er schließt auch mit ernsten Worten: Er höre immer, alles ändere sich so schnell. Doch "das Tempo der Veränderungen machen nicht wir, aber die Geschwindigkeit der Reaktion", sagt er. Ein "Zurück in die alte Welt, wo alles schön war, das wird es in dieser Welt nicht geben." Er appelliert an "Geschlossenheit, Stabilität und Offenheit der Union". Und noch etwas, die Leute "spüren es genau, ob jemand Lust am Regieren hat oder es als Last empfindet", ruft er. "Stellen Sie sich vor, da kommt ein Vertreter an die Tür und sagt zu Ihnen: Also ich würde es nicht kaufen" – was folgt, ist langer Applaus.

Was bedeuten diese 30 Minuten nun für die Union? Es ist zunächst das neuerliche Bekenntnis, "nie wieder" wie die Kesselflicker zu streiten. Es war zugleich der entspannteste Auftritt eines Spitzenpolitikers bei diesem Parteitag, und es waren die schärfsten Attacken auf den neuen Hauptgegner – aber auch aussichtsreichsten Koalitionspartner der Union. Es waren von vielen auch die deutlichsten Worte gegen die AfD. Und bei all dem war es dennoch der Auftritt, der am wenigsten verkrampft und am heitersten war. Vielleicht blicken sie aus München auch mit einem Schmunzeln auf den rumpeligen Neustart der großen Schwester nach der Ära Merkel.

Er müsse aufpassen, dass aus einem Grußwort keine Rede werde, sagt Söder zwischendurch. AKK weiß nun, sie muss aufpassen, denn da sitzt noch einer lebensfroh in Bayern. Er könnte der lachende Dritte sein, wenn die Personaldebatten in der CDU absehbar noch Monate andauern.

Quelle: ntv.de