Politik

Einreisestopp für Saisonarbeiter Die Spargelfelder bleiben leer

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Den Spargelbauern, aber auch anderen Landwirten fehlen Saisonarbeiter.

(Foto: dpa)

"Für eine rumänische oder eine polnische Kraft brauche ich fünf Deutsche", sagt Landwirt Syring aus Brandenburg. Er fürchtet, nicht genug Saisonarbeiter aus Osteuropa zu bekommen. Zumal Deutschland diesen nun die Einreise verbietet. Alternative Ideen haben so ihre Tücken.

Die Corona-Krise hat nun auch die weiten Fluren Brandenburgs erreicht. Denn dort dürfte der vertraute Anblick von osteuropäischen Saisonarbeitern, die Spargel stechen, erstmal weitgehend der Vergangenheit angehören. Die Bundesregierung verfügte ab Mittwochnachmittag einen vorläufigen Einreisetopp für Erntehelfer, um die Ausbreitung der Pandemie zu stoppen. Die Landwirte vor Ort bringt das in große Not.

Zum Beispiel in Beelitz, der Spargelstadt südwestlich von Berlin. "Wir haben momentan zehn Leute hier, aber wir brauchen normalerweise 60 Personen für die Saison", sagt Landwirt Thomas Syring. Sein Betrieb bewirtschaftet rund 900 Hektar, aber nur ein paar vereinzelte Arbeiter laufen über die Spargelfelder, die sie mit weißen Planen abdecken.

In ein paar Tagen soll eigentlich die Ernte beginnen. Aber Syring ist skeptisch. "Momentan ist die Situation für uns Landwirte sehr angespannt", sagt er. "Wir haben große Angst, dass wir unsere Kräfte aus Rumänien, Polen und Bulgarien nicht bekommen, weil die Grenzen zu sind."

Auch andere Länder machen Grenzen dicht

Die Befürchtungen dürften nun wahr werden. Wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, gilt in Deutschland ab Mittwoch 17.00 Uhr eine Einreisesperre für Erntehelfer und Saisonarbeitskräfte. Die Beschränkungen gelten demnach bis auf Weiteres.

Die meisten der knapp 300.000 Saisonarbeitskräfte auf deutschen Feldern kommen aus Rumänien und Polen. Vor allem die Helfer aus Südosteuropa kamen jedoch schon seit Tagen nicht mehr über die Grenzen Österreichs und Ungarns. In der gesamten Spargelregion bei Beelitz ist nach Angaben der Produzenten deshalb nur die Hälfte der für gewöhnlich eingestellten 2500 Saisonarbeiter gekommen.

Mit seinem harten Vorgehen steht Deutschland allerdings nicht alleine da. Auch andere Regierungen ziehen mit. In der Schweiz müssen Saisonarbeiter mittlerweile über eine Aufenthaltsgenehmigung verfügen, um arbeiten zu dürfen. Bauernverbände fürchten daher um die 33.000 Ausländer, die jedes Jahr auf den Feldern des Landes arbeiten.

Kritik an Klöckners Plan

In Österreich bemüht sich die Regierung darum, Ersatz für die ausbleibenden Erntehelfer zu finden. Ähnlich wie in Deutschland wurde dazu ein Online-Portal lanciert, bei dem sich unter anderem Leiharbeiter melden können, die wegen der Corona-Krise ihre Jobs verloren haben.

Auch in Brandenburg macht die Not erfinderisch. "Wir versuchen, unsere Erntehelfer per Flugzeug einfliegen zu lassen", sagt der Vorsitzende des Beelitzer Spargelvereins, Jürgen Jakobs. "Wir hatten aber schlechte Erfahrungen, dass ein Teil der Leute nicht ins Land gelassen wurde, weil nicht genau abgestimmt war, dass die Leute - obwohl sie EU-Bürger sind mit Arbeitsgenehmigung - einreisen dürfen."

Auf Skepsis stoßen bei den Landwirten die Pläne von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Arbeitskräfte aus der Gastronomie, Arbeitslose oder Flüchtlinge auf den Feldern einzusetzen. Die Idee sei nicht sinnvoll, findet Spargelbauer Syring. Die Tätigkeit müsse lange erlernt werden, die Arbeiter bräuchten Erfahrung. Hinzu komme noch etwas anderes: "Das ist eine schwere Arbeit, es ist kalt, es ist draußen. Für eine rumänische oder eine polnische Kraft brauche ich fünf Deutsche."

Quelle: ntv.de, Tobias Schwarz und Florian Cazeres, AFP