Politik

Als Flüchtlinge eingereist Ermittler identifizieren Nusra-Kämpfer

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Die Männer sollen in der syrischen Provinz Rakka zeitweise auch für den IS gekämpft haben.

(Foto: dpa)

Durch Zufall kommen deutsche Ermittler einem Netzwerk von Dschihadisten aus Syrien auf die Spur. 60 Mitglieder könnten als Flüchtlinge eingereist sein. Gegen einige beginnt diesen Monat ein Prozess - der dank Zeugenaussagen zu Verurteilungen führen dürfte.

Rund 60 Kämpfer einer syrischen Islamistenmiliz halten sich dem "Spiegel" zufolge in Deutschland auf. Wie das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden berichtet, kamen die Angehörigen der Gruppe Liwa Owais al-Korani als Flüchtlinge nach Deutschland. Die Brigade, die sich nach einem Zeitgenossen des islamischen Propheten Mohammed benannt hat, wechselte im Laufe des Bürgerkriegs mehrfach die Seiten. Anfangs kämpfte sie auf Seiten der Freien Syrischen Armee im Norden des Landes, wechselte dann aber zur Al-Nusra-Front, die damals der syrische Ableger von Al-Kaida war.

Einige Monate lang soll Liwa Owais al-Korani auch de facto auf Seiten der Terrormiliz Islamischer Staat in der Provinz Rakka gekämpft haben, jedoch weiterhin als eigenständige Gruppe. Im Frühjahr 2014 kam es zum Bruch und der IS ließ Mitglieder der Brigade hinrichten oder einsperren. Einige Mitglieder stehen heute dennoch dem IS nahe, wie der im "Spiegel" erwähnte ehemalige Kämpfer Adbul Dschawad al-K., der sich ab Ende September vor dem Oberlandesgericht Stuttgart wegen 36-fachen Mordes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten muss.

Dem Bericht zufolge sollen die nach Deutschland geflohenen Mitglieder von Liwa Owais al-Korani an "diversen Massakern an gefangenen Zivilisten und syrischen Soldaten" beteiligt gewesen sein. In Deutschland liefen derzeit Ermittlungsverfahren gegen 25 ehemalige Kämpfer der Einheit. Abdul Dschawad al-K. soll demnach im März 2013 nahe der syrischen Stadt Tabka mit Gleichgesinnten 36 Polizisten, Verwaltungsangestellte und Milizionäre des Assad-Regimes ermordet haben.

Täter trafen in Deutschland auf Opfer

Die Behörden gehen demnach zudem davon aus, dass sich mehr als 30 weitere Kämpfer der Gruppe in Deutschland aufhalten. Allerdings seien viele noch nicht zweifelsfrei identifiziert oder aufgespürt worden. Nach "Spiegel"-Informationen hat das Bundesamt für Verfassungsschutz zu dem Komplex eine Projektgruppe gegründet.

Auf die Spur der Islamistengruppe kamen die Ermittler laut "Spiegel" durch Zufall, weil ein Mitglied sich bei seiner Asylanhörung zu seiner Mitgliedschaft bei der Brigade bekannte. Unabhängig davon hatten aber auch nach Deutschland geflohene Angehörige von Opfern die Täter identifiziert. Beim Prozess in Stuttgart gegen Al-K. und einige Mittäter sollen sie als Zeugen aussagen. Al-K. etwa traf bereits 2014 in Bremen auf andere Syrer, die ihn erkannten.

Er muss sich jedoch nicht nur für die Gräueltaten in Syrien verantworten, sondern auch für Anschlagspläne in Deutschland: Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft plante Al-K. laut "Spiegel" einen Terroranschlag auf die Düsseldorfer Altstadt - im Namen des IS.

Quelle: ntv.de, nsc/dpa

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