Politik

Proteste gegen Macron Es brennen wieder Frankreich-Flaggen

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Demonstranten in Lahore verbrennen eine Frankreich-Flagge.

(Foto: AP)

Nach dem zweiten islamistisch motivierten Anschlag in Frankreich binnen weniger Tage finden in vielen Staaten Demonstrationen statt - auch in Deutschland. Allerdings nicht aus Solidarität mit Frankreich, sondern gegen Präsident Macron.

Tausende Menschen haben in mehreren muslimischen Staaten weltweit gegen den französischen Präsidenten Emmanuel Macron protestiert. Auslöser sind dessen Äußerungen über Karikaturen des Propheten Mohammed. In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad gingen rund 2000 Menschen auf die Straße und marschierten auf die französische Botschaft zu. Barrikaden hielten die Menschen davon ab, ihr Ziel zu erreichen. Einige Teilnehmer warfen Steine auf Polizisten, diese setzten Tränengas gegen die Demonstranten ein. Die Menschenmenge rief "Vertreibt den französischen Hund" und "enthauptet den Gotteslästerer". In der pakistanischen Metropole Lahore wurden laut Beobachtern erneut Frankreich-Flaggen verbrannt.

Auch in Deutschland protestierten am Freitag rund 150 Menschen vor der französischen Botschaft gegen die "Schmähung des Propheten". Gestern Abend sind im Berliner Stadtteil Neukölln mehrere Dutzend Menschen gegen Macron auf die Straße gegangen und "Allahu Akbar" gerufen. Die Demonstration wurde allerdings nach rund 30 Minuten von der Polizei aufgelöst.

In der pakistanischen Metropole Karachi zogen 10.000 Menschen nach dem Freitagsgebet anlässlich des Geburtstages des Propheten Mohammed durch die Stadt. Auch dieser Protest war geprägt von Wut über den französischen Präsidenten. Ministerpräsident Imran Khan hatte zuvor die Regierungen der muslimischen Länder zu einem geschlossenen Kampf gegen "Islamfeindlichkeit" aufgerufen und eine "Schändung des Heiligen Korans" in europäischen Ländern beklagt. Kleinere Proteste fanden auch im benachbarten Afghanistan statt.

Bei Protesten im Libanon ist es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gekommen. Hunderte Demonstranten zogen nach den Freitagsgebeten in der Hauptstadt Beirut auf die Straße, wie Augenzeugen berichteten. Sicherheitskräfte sperrten den Weg zur französischen Botschaft ab. Einige der Demonstranten hätten Flaschen und Steine auf die Polizei geworfen. Diese setzte Tränengas sein.

In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch haben nach Angaben der Polizei 12.000 Menschen an Protesten teilgenommen; unabhängige Beobachter sowie die Organisatoren sprachen von 40.000 Teilnehmern. Einige verbrannten Bilder des Staatschefs, um ihre Empörung über Macrons Verteidigung von Mohammed-Karikaturen auszudrücken.

Auch in Äthiopien haben Hunderte gegen Macron protestiert. Die Menschen demonstrierten in der Hauptstadt Addis Abeba mit Postern wie "Wir verabscheuen diejenigen, die versuchen, unsere Religion zu verspotten", wie Beobachter berichteten. In dem mehrheitlich christlichen Äthiopien ist rund ein Drittel der Bevölkerung muslimisch.

Frankreich fürchtet weitere Anschläge

In Afghanistan sind mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen. Allein in der Hauptstadt Kabul seien es 2000 Demonstranten gewesen, berichteten Beobachter. Die Protestierenden forderten demnach den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Paris und riefen zu einem Boykott französischer Waren auf.

Auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) in Jerusalems Altstadt, einer der heiligsten Stätten des Islam, versammelten sich nach den Freitagsgebeten viele gläubige Muslime. Ikrima Sabri, Leiter des Höchsten Islamischen Rats der Palästinenser, hatte für Freitag zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen. Auch im Gazastreifen hatte die dort herrschende Hamas Freitag Protestkundgebungen mit Hunderten Teilnehmern organisiert. Die Hamas-Führung rief Palästinenser, Araber und Muslime weltweit zum Boykott Frankreichs auf. Vor Demonstranten im Flüchtingslager Dschebalia rief Hamas-Führer Fathi Hammad: "Die arabische und islamische Welt muss sich einig gegen diese kriminelle Attacke auf unseren Propheten stellen."

Auslöser der Spannungen waren Macrons Aussagen zur Verteidigung der Meinungsfreiheit nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf einen Lehrer bei Paris, der Mohammed-Karikaturen in seinem Unterricht gezeigt hatte. Der Präsident betonte, dass Frankreich "Karikaturen und Zeichnungen nicht aufgeben" werde. Seit Macron die Karikaturen nach der Ermordung des Pädagogen Samuel Paty verteidigt hat, kommt es in vielen muslimischen Ländern zu Protesten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan rief zum Boykott französischer Waren auf und riet dem Präsidenten, seinen "Geisteszustand untersuchen" zu lassen.

Einen Tag nach der Enthauptung einer Frau und der Tötung zweier weiterer Menschen in einer Kirche in Nizza fürchtet Frankreichs Regierung neue Anschläge dieser Art. Frankreich befinde sich in einem "Krieg gegen die islamistische Ideologie", sagte Innenminister Gerald Darmanin dem Radiosender RTL. Deshalb werde es weitere Vorfälle wie "diese schrecklichen Angriffe" geben.

Quelle: ntv.de, bdk/AFP/dpa/rts