Politik

Polizeieinsatz zu Jom Kippur Gefährdungslage an der Synagoge in Hagen

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Der Bereich um die Synagoge wurde weiträumig abgesperrt, schwer bewaffnete Polizisten sind im Einsatz.

(Foto: picture alliance/dpa/Kai-Uwe Hagemann)

Vor zwei Jahren versuchte ein rechtsextremistischer Attentäter, in der Synagoge von Halle ein Massaker anzurichten. Er scheiterte an der Tür. Nun feiern die Juden weltweit wieder ihren Versöhnungstag. In Hagen meldet die Polizei eine "Gefährdungslage". Eine schwer bewaffnete Hundertschaft sichert das Haus.

Während der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur beginnt, hat die Polizei in Hagen in Nordrhein-Westfalen eine Synagoge umstellt. Wie die Polizei Dortmund am Abend mitteilte, lagen "Hinweise über eine mögliche Gefährdungslage im Zusammenhang mit einer jüdischen Einrichtung" vor. "Polizeiliche Schutzmaßnahmen wurden entsprechend angepasst. Wir stehen in einem engen Kontakt mit der jüdischen Gemeinde." In der Synagoge befänden sich jedoch keine Menschen, es gebe somit keine akute Gefährdung für Personen, sagte ein Polizeisprecher. Die Einsatzlage sei "statisch".

Am späten Abend legte sich die Anspannung bei den Einsatzkräften etwas. Die Polizisten hätten ihre Helme abgenommen, die Finger seien nicht mehr am Abzug der Waffen, berichtete ein Reporter. Mehrere Hunde durchsuchten das Gebäude. Die Synagoge blieb in rund 250 Metern Umkreis abgesperrt, Anwohner mussten ihre Wohnungen allerdings nicht verlassen. Wer während des Polizeieinsatzes nach Hause kam, musste an den Absperrungen den Ausweis zeigen und wurde dann von Einsatzkräften bis zur Wohnung begleitet.

Wegen der möglichen Gefährdungslage war ein Gottesdienst zu Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, kurzfristig abgesagt worden. Das gemeinsame Gebet in der Synagoge sei für 19 Uhr geplant gewesen. Allerdings sei die mögliche Gefahrenlage bereits am späten Nachmittag bekannt gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die meisten Mitglieder der Gemeinde hätten noch telefonisch über die Absage informiert werden können und seien gar nicht zur Synagoge gekommen. Einige seien an den Absperrungen von der Polizei informiert und wieder nach Hause geschickt worden. Dies sei sehr ruhig und ohne Panik abgelaufen, sagte der Sprecher.

Bürgermeister bricht Termin ab

Die "Westfalenpost" hatte zuvor berichtet, dass schwer bewaffnete Polizisten die Synagoge umstellt hatten. Eine Hundertschaft war demnach im Einsatz, der Bereich um die Synagoge war weiträumig abgesperrt. Der Hagener Oberbürgermeister habe einen Auswärtstermin abgebrochen und sich ein Bild der Lage vor Ort gemacht, berichtete die Zeitung. "So wenig wir auch über die genaue Situation wissen - in unseren Gedanken sind wir bei der Jüdischen Gemeinde Hagen", erklärte der parteilose Politiker laut dem Bericht. Die Synagoge und die Jüdische Gemeinde waren zuletzt im Mai in den Fokus gerückt. Damals war es zu Irritation gekommen, als die Stadt eine israelische Flagge vor dem Rathaus abgehängt hatte.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul ließ sich über den Polizeieinsatz an einer jüdischen Einrichtung in Hagen unmittelbar unterrichten. "Der Minister ist umfassend informiert über die mögliche Gefährdungslage", sagte ein Sprecher am Abend.

Vor zwei Jahren zu Jom Kippur hatte ein rechtsterroristischer Attentäter versucht, in die Synagoge in Halle an der Saale einzudringen und die dort betenden Juden zu töten. Als das misslang, weil er die schwere Tür nicht überwinden konnte, erschoss er eine Passantin. Im Anschluss tötete er in einem nahen Döner-Imbiss einen jungen Mann und verletzte auf seiner Flucht weitere Menschen. Im Dezember 2020 wurde der rechtsextreme Attentäter zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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