Politik

Anhörung in Michigan Giuliani präsentiert lallende Zeugin

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Es sei kein gutes Zeichen, wenn ausgerechnet Rudy Giuliani zu einem sage, "du machst dich zum Trottel", kommentierte der Komiker Jimmy Fallon diese Szene.

(Foto: Screenshot Twitter)

Immer mehr Republikaner wenden sich von Donald Trump ab, doch der abgewählte US-Präsident gibt nicht auf. Wie verzweifelt sein Kampf geworden ist, wird in Michigan deutlich, wo sein Anwalt eine offenbar betrunkene Zeugin mitbringt.

Eine Anhörung vor dem Parlament des US-Bundesstaates Michigan hat ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit gefunden. Es ging dabei um den weiterhin unbelegten Vorwurf von US-Präsident Donald Trump, bei der Wahl am 3. November sei betrogen worden und er sei der wahre Gewinner. Um diese Behauptung zu stützen, präsentierte Trumps Anwalt Rudy Giuliani am Mittwoch vor einem Ausschuss des Parlaments von Michigan eine Zeugin, die erkennbar nicht nüchtern war.

Die Zeugin, die Giuliani mitgebracht hatte, heißt Melissa Carone, sie hatte für die Firma Dominion gearbeitet, deren Wahlsoftware Michigan und andere Bundesstaaten nutzen. Unter anderem sagte sie, dass in Wayne County Stimmzettel mehrfach gezählt wurden, dass nicht registrierte Wähler, Tote und "Illegale" gewählt hätten und dass die Wahlbeteiligung bei 120 Prozent gelegen habe.

Auf den Hinweis des republikanischen Abgeordneten Steve Johnson, er entnehme den Unterlagen keine Abweichung von 30.000 Stimmen, sagte Carone: "Was habt ihr Typen gemacht? Habt ihr das genommen und was Verrücktes damit angestellt?" Nachdem Johnson seinen Hinweis wiederholt hatte, sagte sie: "Ich würde sagen, die Unterlagen sind um 100.000 [Stimmen] falsch." In ihrem Wortwechsel mit Johnson sagte sie auch: "Ich weiß, was ich gesehen habe, und ich habe was unterschrieben, wo ich sage, dass ich ins Gefängnis gehe, wenn ich lüge. Haben Sie das auch gemacht?" Auch dabei klang sie nicht nüchtern, sondern schien zu lallen.

An einer Stelle in der Anhörung beugt Giuliani sich zu seiner Zeugin, offenbar um sie zu beschwichtigen. Es sei kein gutes Zeichen, wenn ausgerechnet Rudy Giuliani zu einem sage, "du machst dich zum Trottel", kommentierte der Comedian Jimmy Fallon am Donnerstag in seiner Tonight Show. Danach spielte er einen Ausschnitt aus der Anhörung vor, in dem Giuliani spricht - und dann zweimal ein Geräusch ertönt, das sehr nach Darmwinden klingt. Ein Reporter der "Huffington Post" teilte den entsprechenden Clip bei Twitter, wo die gleichen Geräusche zu hören sind.

Nach Angaben der "Detroit News" hatte ein Richter aus Wayne County Carones Aussage bereits als "nicht glaubwürdig" beurteilt. Die Zeitung wies auch darauf hin, dass die Wahlbeteiligung in Wayne County bei 51 Prozent lag.

Bidens Wahlsieg in Michigan wurde am 23. November zertifiziert. Demnach hat Trump 47,84 Prozent der Stimmen bekommen, Biden 50,62 Prozent. Insgesamt erhielt Trump gut 154.000 Stimmen weniger als Biden. In Wayne County, wo die Großstadt Detroit liegt, entfielen auf Trump 30,3 Prozent. Selbst Trumps Justizminister Bill Barr sagte, es gebe bislang keine Hinweise für einen groß angelegten Betrug bei der Wahl.

"Im Reich des Wahnsinns"

In der mehr als vierstündigen Anhörung versuchte Giuliani, die Abgeordneten dazu zu bewegen, gegen das Wahlergebnis vorzugehen. Trumps persönlicher Rechtsanwalt durfte Zeugen sogar selbst befragen, was, wie die "Detroit News" schreibt, ein "extrem ungewöhnlicher Vorgang" bei Anhörungen ist. Normalerweise befragen die Abgeordneten die Zeugen.

Giuliani bestritt, dass es ihm darum ging, das Parlament von Michigan dazu zu bringen, die 16 Wahlleute des Staates neu zu besetzen. Aber es war klar, dass dies genau das war, was er wollte. "Lassen Sie nicht zu, dass uns das einfach weggenommen wird", sagte er über die Wahl. Sein Appell blieb folgenlos: Der republikanische Abgeordnete Aaron Miller sagte, Giuliani habe sich mit seinen Äußerungen "in das Reich des Wahnsinns" begeben.

Zu Beginn der Anhörung hatte der demokratische Abgeordnete Darrin Camilleri gefordert, dass Giuliani unter Eid genommen wird, was der Ausschussvorsitzende, ein Republikaner, ablehnte. Nach Angaben der "Detroit Free Press" betonte Giuliani anschließend dennoch mehrfach, dass er nicht unter Eid stehe. Camilleri wies zudem auf einen Bericht der "New York Times" hin, wonach Giuliani mit Trump über die Möglichkeit einer vorsorglichen Begnadigung geredet habe. Der Anwalt wurde daraufhin sehr wütend und forderte, dass der Abgeordnete dafür "gemaßregelt" werden müsse. (Auch an dieser Stelle der Anhörung ist das oben beschriebene Geräusch zu hören.) Der Ausschussvorsitzende Matt Hall beließ es jedoch dabei, Camilleri mehrfach mit seinem Holzhammer zu unterbrechen.

In den sozialen Medien war vor allem der Auftritt von Giulianis Zeugin ein voller Erfolg. Allein dieses Video wurde nach Angaben der "Washington Post" bis Donnerstag neun Millionen Mal angesehen.

Quelle: ntv.de, hvo