Politik

Spekulation um Todesursache Gründer der syrischen Weißhelme ist tot

Erst vor wenigen Tagen beschuldigt Russland den Gründer der Zivilverteidigung Syrische Weißhelme, ein Spion zu sein. Nun ist der britische Ex-Offizier James Le Mesurier tot. Medienberichten zufolge soll er in seinem Wohnhaus in Istanbul vom Balkon gefallen sein.

In Istanbul ist ein wichtiger Unterstützer der syrischen Weißhelme tot aufgefunden worden. Das bestätigte deren Leiter Raid al-Salih, ohne Details zur Todesursache zu nennen. "James Le Mesurier ist am Montag in Istanbul gestorben und der Fall ist jetzt in den Händen der türkischen Polizei", sagte Salih. Das Istanbuler Gouverneursamt teilte mit, man habe die Ermittlungen aufgenommen.

Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Die Weißhelme drückten Le Mesuriers Familie auf Twitter ihr tiefes Beileid aus. "Wir müssen auch seine humanitären Bemühungen loben, an die die Syrer sich immer erinnern werden", schrieb die Organisation. Der Brite sei ein "großartiger Anführer, Visionär sowie ein geschätzter Kollege und Freund" gewesen, teilte die von Le Mesurier geleitete Nichtregierungsorganisation Mayday Rescue mit, die unter anderem Spenden für die Weißhelme koordiniert.

Die Weißhelme wurden durch ihren Einsatz im syrischen Bürgerkrieg bekannt, vor allem im Osten der lange Zeit heftig umkämpften Stadt Aleppo. Sie waren nach Bombenangriffen oft unter den ersten Helfern vor Ort. In den vergangenen acht Jahren retteten sie nach US-Angaben mehr als 115.000 Menschen. Le Mesurier hatte die Organisation 2013 gegründet.

Die Umstände des Todes des früheren britischen Offiziers sind unklar. Laut einem türkischen Pressebericht wurde er am Morgen vor seinem Wohnhaus in Istanbul mit gebrochenen Beinen und Brüchen am Schädel aufgefunden. Die Polizei vermutet, dass der 48-Jährige aus großer Höhe stürzte. Nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu hätten Ärzte nur noch seinen Tod feststellen können. Seine Frau habe bei der Polizei ausgesagt, er habe in letzter Zeit "extremen Stress" gehabt und deshalb Schlafmittel und andere Medikamente eingenommen.

Vielfach geehrt

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James Le Mesurier gründete 2013 die Weißhelme, wofür er im Westen vielfach geehrt wurde.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Weißhelme sind offiziell als Syrischer Zivilschutz (SCD) bekannt. Die syrische Regierung und ihre russischen Verbündeten werfen ihnen vor, Luftangriffe zu "inszenieren" und somit die Rebellen zu unterstützen. Erst am vergangenen Freitag wurde Le Mesurier auf Twitter vom russischen Außenministerium beschuldigt, ein Spion des britischen Geheimdienstes MI6 zu sein. Er sei überall auf der Welt gesichtet worden, auch in den Balkanstaaten und im Mittleren Osten. "Seine Verbindungen zu terroristischen Gruppen wurden während seiner Mission im Kosovo gemeldet", hieß es in dem Tweet.

Im Westen sind die Weißhelme dagegen für ihren gefährlichen Einsatz zur Rettung von Verletzten und Verschütteten vielfach geehrt worden. 2016 wurde Le Mesurier in den Order of the British Empire aufgenommen. Eine Dokumentation über die Organisation erhielt im Jahr 2017 einen Oscar für den besten dokumentarischen Kurzfilm.

Die Weißhelme finanzieren sich über Spenden und staatliche Hilfen. Die Bundesregierung unterstützt die Weißhelme schon seit längerem. Erst am 22. Oktober gab US-Präsident Donald Trump Hilfen von 4,5 Millionen Dollar für die Organisation frei.

Quelle: ntv.de, lri/AFP/dpa