Politik

Vodafone für weniger Datenschutz Handydaten sollen gegen Corona helfen

Einstellungen ändern

Sollte man Handydaten stärker im Kampf gegen Corona nutzen? Vodafone-Chef Ametsreiter sagt "ja".

(Foto: Philipp Laage/dpa)

Die Corona-Fallzahlen gehen zwar zurück, doch Politiker wie Experten fürchten neue Ausbrüche. Können Handydaten helfen, die Pandemie einzudämmen? Der Chef von Vodafone macht nun weitreichende Vorschläge.

Der Chef von Vodafone Deutschland, Hannes Ametsreiter, hat die stärkere Nutzung von Handydaten zur Pandemiebekämpfung angeregt. "Mobilitätsdaten können helfen, die Krise schneller und besser zu bewältigen - man sollte also überlegen, ob man sie nicht besser nutzen könnte", sagte der Konzernchef dem "Spiegel". Aktuell sei dies wegen des "hiesigen Datenschutzes" nicht gestattet. Er frage sich angesichts der aktuellen Fallzahlen aber, "ob wir jetzt nicht mal über unseren Schatten springen sollten".

Hannes Ametsreiter, Vorstandsvorsitzender der Vodafone GmbH. Foto: John Macdougall/AFP Pool/dpa/Archivbild

Hannes Ametsreiter, Vorstandsvorsitzender von Vodafone.

(Foto: John Macdougall/AFP Pool/dpa/Archivbild)

Ametsreiter sagte, "die großen Entscheidungen in einer Pandemie sollten auf Basis einer möglichst guten und reichhaltigen Datenbasis gefällt werden". Dazu könnten Mobilfunkdaten beitragen. Der Manager verwies auf das Beispiel Österreich, wo Mobilfunkanbieter der Regierung Bewegungsdaten anonymisiert zur Verfügung stellen. Darüber sollte auch in Deutschland nachgedacht werden. "Man könnte darüber Rückschlüsse auf die Mobilität bestimmter Personengruppen oder in bestimmten Gegenden erheben", sagte Ametsreiter.

Damit ließe sich beispielsweise verfolgen, wie sich Einreisende aus Risikoländern bewegt hätten. Der Datenschutz solle dabei nicht ausgehebelt werden. Solange die Daten anonymisiert weitergegeben und keine Identitäten offengelegt würden, sehe er "viele Vorteile und wenige Probleme", sagte Ametsreiter. Er sprach sich im "Spiegel" aber auch für eine Debatte über einen weitergehenden Ansatz aus: "Personalisierte Daten wären ein weitreichender Schritt, selbst darüber sollte man aber nachdenken und reden können." Solche Einschränkungen der aktuellen Rechtslage sollten "diskutabel sein - wenn uns das andere Freiheiten früher zurückbringt".

Bisherige Datennutzung streng geregelt

Es werden zwar bereits Mobilfunkdaten zur Beobachtung der Pandemie verwendet, jedoch nur streng reglementiert. Neben dem RKI und der Humboldt-Universität analysiert auch das Statistische Bundesamt die Mobilitätsveränderungen in der Corona-Pandemie. Beide greifen auf dieselben Grundinformationen zu. Es handelt sich dabei um Mobilfunkdaten zu Bewegungsströmen, die spezielle Firmen ohnehin für gewerbliche Zwecke sammeln - etwa für Logistikunternehmen oder Verkehrsplaner.

Stets handelt es sich nur um sogenannte aggregierte Informationen, die keine Rückschlüsse auf einzelne Nutzer oder Bewegungsmuster unterhalb der Gemeinde- oder Landkreisebene zulassen. Letztlich wird nur erfasst, wie viele Mobiltelefone ein bestimmtes Bewegungsmuster zwischen Funkzellen vollziehen. Daraus ergeben sich dann allgemeine Bewegungsströme. Anfang Dezember ergab so eine Analyse, dass die Mobilität der Mobilfunknutzer im November um 8,5 Prozent zurückgegangen war.

Zuletzt war auch die Corona-Warn-App in die Kritik geraten, weil sie nicht effizient genug sei. Kanzlerin Angela Merkel verteidigte erst am Donnerstag das hohe Datenschutzniveau des Programms. Dieses sei sehr wichtig für die Akzeptanz der App, sagte sie. "Eine Corona-Warn-App für sehr viel weniger Nutzer mit einem geringeren Datenschutz wäre auch nicht gut."

Quelle: ntv.de, vpe/AFP/rts/dpa