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Flüchtlingstragödie in Libyen Helfer entdecken 74 ertrunkene Migranten

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Die Europäische Union versucht, die sogenannte zentrale Mittelmeerroute für Migranten zu schließen.

(Foto: AP)

Dutzende Leichensäcke liegen aufgereiht an der libyschen Küste. Helfer bergen zahlreiche Tote, die vom Meer angespült werden. Das Boot der Opfer, die auf ein besseres Leben in Europa gehofft hatten, war offenbar verunglückt.

Vor der libyschen Küste sind bei einer neuen Flüchtlingstragödie Dutzende Migranten ertrunken. 74 Leichen seien an der Küste des Bürgerkriegslandes angespült worden, sagte der regionale Sprecher der Internationalen Föderation der Rotkreuz - und Rothalbmondgesellschaften, Stephen Ryan.

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Das Boot der Verunglückten habe am Samstag in der Stadt Sabrata etwa 70 Kilometer von Tripolis entfernt abgelegt, teilte der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration, Flavio Di Giacomo, auf Twitter mit. Insgesamt seien 110 Menschen an Bord gewesen. Das Schicksal der noch nicht gefundenen Flüchtlinge blieb zunächst unklar.

Fotos zeigten Helfer beim Bergen der Körper an einem Strand. Die Leichen sind in Säcken auf dem Sand aufgereiht. In der Nähe wurde der IFRC zufolge ein zerrissenes Schlauchboot gefunden. Immer wieder sterben Migranten beim Versuch, Europa vom chaotischen Libyen aus in teils schrottreifen Booten zu erreichen.

2016 wagten mehr als 180.000 Menschen die riskante Überfahrt. Über 5.000 ertranken laut IOM im Mittelmeer - die höchste je verzeichnete Opferzahl. "Die letzten Berichte veranschaulichen noch einmal das anhaltende Risiko, dem Migranten auf dieser Route ausgeliefert sind", sagt IFRC-Sprecher Ryan.

Die Europäische Union versucht, die sogenannte zentrale Mittelmeerroute für Migranten zu schließen und setzt dabei vor allem auf die Kooperation mit Libyen. In dem zerrütteten Bürgerkriegsland gibt es aber keinen geeigneten Ansprechpartner, um die Lage der Flüchtlinge wirksam zu verbessern und die Schlepperkriminalität einzudämmen.

Die Bundesregierung denkt auch über Auffanglager in afrikanischen Nachbarstaaten nach, in die gerettete Menschen gebracht werden könnten. Erst am Montag habe die italienische Küstenwache wieder 510 Menschen im Mittelmeer aus Seenot gerettet, twitterte IOM-Sprecher Di Giacomo. "Soweit wir wissen, sind alle Migranten in Sicherheit".

Quelle: n-tv.de, npa/dpa

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