Politik

OECD kritisiert deutsches System Hohe Migrationsquote gefährdet Schulerfolg

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Die Zuwanderung in die immer gleichen Stadtteile birgt langfristig Nachteile.

(Foto: picture alliance / Frank May)

Die OECD stellt Deutschland regelmäßig ein schlechtes Zeugnis zur Bildungsgerechtigkeit aus. So besuchen Kinder mit Migrationshintergrund immer öfter die gleichen Schulen. Doch je höher ihr Anteil in der Klasse, desto größer der fachliche Rückstand. Gefordert sei eine andere Integrationspolitik.

Kinder und Jugendliche mit Migrationsgeschichte besuchen in Deutschland zunehmend die gleichen Schulen. Das geht aus Daten hervor, die die OECD vorstellte. Der Effekt habe sich demnach im Untersuchungszeitraum von 2006 bis 2018 noch verstärkt. Die OECD ist ein Zusammenschluss von 38 entwickelten Industrieländern.

Schüler an Einrichtungen mit vielen Klassenkameraden mit Migrationshintergrund sind demnach im Vergleich zu Schülern anderer Einrichtungen schulisch teils deutlich im Rückstand - und zwar auch, wenn Faktoren wie Geschlecht, Bildung der Mutter oder die zu Hause gesprochene Sprache herausgerechnet würden. Das liege auch an der frühen Aufgliederung des Schulsystems nach der Grundschule und daran, dass die meisten Schüler hierzulande nur halbtags zur Schule gingen, sagte Thomas Liebig, der sich bei der OECD als Ökonom mit Migrationsfragen befasst.

Neuzuwanderer zieht es laut OECD in Deutschland wie in anderen Staaten vor allem in die Städte und dann in bestimmte Stadtteile, wo es schon vermehrt Landsleute ihres Herkunftslandes gebe. Dort könnten sie sich auch ohne deutsche Sprachkenntnisse leichter zurechtfinden und bekämen vielleicht Hilfe bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen oder Arbeit. "Zuwanderung in diese Stadtteile mit hoher Konzentration bringt den Neuzuwandern kurzfristig Vorteile, aber langfristig eben Nachteile", warnte Liebig, der auf Sprachkenntnisse oder Aufstiegsmöglichkeiten am Arbeitsmarkt verwies - neben dem Effekt für Schülerinnen und Schüler.

Liebigs Schlussfolgerung: "Wir müssten eigentlich die Integrationspolitik viel mehr auf diese Stadtteile ausrichten und nicht so stark nach dem Gießkannenprinzip verfahren." Es brauche gezielte Unterstützung für Schulen in solchen Gebieten und mehr Sprachförderung, zudem Anreize für Zuwanderer zum Umzug in andere Viertel. Das könne etwa mit sozialem Wohnungsbau gelingen und mit Maßnahmen gegen Diskriminierung bei der Wohnungssuche.

Quelle: ntv.de, chl/dpa

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