Politik

Kämpfer greifen Kirkuk an IS startet Gegenoffensive im Irak

In der Großstadt Mossul verliert der Islamische Staat an Boden, doch kampflos gibt sich die Terrormilz im Irak nicht geschlagen. Im Morgengrauen greifen schwer bewaffnete Kämpfer die nordirakischen Städte Kirkuk und Dibis an.

Als Reaktion auf die Großoffensive zur Befreiung von Mossul hat der Islamische Staate die von Kurden kontrollierte Großstadt Kirkuk im Nordirak angegriffen. Die zum Teil mit Sprengstoffwesten ausgestatteten IS-Kämpfer attackierten öffentliche Gebäude in Kirkuk sowie ein Kraftwerk im nordirakischen Dibis. Mindestens 22 Zivilisten und Polizisten starben bei Kämpfen und durch Selbstmordanschläge.

Die koordinierten Angriffe auf Kirkuk begannen mitten in der Nacht. Mindestens fünf Selbstmordattentäter griffen öffentliche Gebäude im Zentrum an, darunter das Polizeihauptquartier. Auch Kontrollpunkte und Sicherheitspatrouillen in der Stadt wurden attackiert.

Straßenkämpfe in mehreren Vierteln

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Sicherheitskräfte der kurdischen Peschmerga in Kirkuk gehen in Deckung.

(Foto: REUTERS)

Schüsse und Explosionen waren nach Angaben von Bewohnern den ganzen Morgen zu hören, örtliche Fernsehsender berichteten live über Straßenkämpfe in mehreren Stadtvierteln. Bei Gefechten starben nach Polizeiangaben mindestens sechs irakische Polizisten und zwölf IS-Kämpfer.

Zur Zeit des Morgengebets habe er mehrere IS-Kämpfer beim Betreten der Al-Mohammadi-Moschee beobachtet, sagte Haidar Abdelhussein der Nachrichtenagentur AFP. Sie hätten die Lautsprecher der Moschee genutzt, um "Allahu Akbar" und "Der Islamische Staat wird siegen" zu rufen.

Der Gouverneur von Kirkuk, Nadschmeddin Karim, sagte AFP, er vermute die Beteiligung von IS-Schläferzellen an dem Angriff. Offenbar verfügten die Angreifer aber nicht über schweres Gerät oder Fahrzeuge. Bis zum Abend sollten "diese Terrorzellen ausgeschaltet werden", sagte ein Polizeisprecher. Die Schüsse aus dem Hinterhalt dauerten aber noch an.

Ausgangssperre in Kirkuk

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Der Angriff auf Kirkuk traf die Peschmerga-Kämpfer unvorbereitet.

(Foto: REUTERS)

Über Kirkuk wurde nach Angaben eines Behördenvertreters eine komplette Ausgangssperre verhängt. In der Stadt leben verschiedene religiöse und ethnische Gruppen, kontrolliert wird sie von den Kurden. Sie liegt 240 Kilometer nördlich von Bagdad in einem an Erdöl reichen Gebiet.

Die IS-Miliz bekannte sich über ihr Sprachrohr Amaq zu den Selbstmordanschlägen in Kirkuk sowie auf das Kraftwerk in Dibis 40 Kilometer nordwestlich von Kirkuk. "Die Kämpfer des IS haben die Stadt Kirkuk aus allen Richtungen angegriffen", erklärte Amaq. Angaben der IS-nahen Agentur, wonach die Dschihadisten fast die halbe Stadt kontrollierten, hielten Augenzeugen und Sicherheitskräfte jedoch für übertrieben.

In Dibis griffen drei Attentäter am Morgen eine Kraftwerksbaustelle an und lieferten sich Kämpfe mit Sicherheitskräften, wie die Behörden mitteilten. Einer der Attentäter wurde erschossen, bevor er seine Sprengstoffweste zünden konnte, wie der Bürgermeister der Stadt, Abdullah Nureddin al-Salehi, sagte. Die anderen beiden Angreifer jagten sich in die Luft. Bei dem Angriff auf die Anlage, die von einem iranischen Unternehmen gebaut wird, wurden zwölf irakische Arbeiter und Ingenieure sowie vier iranische Techniker getötet.

US-Soldat stirbt in Mossul

Der IS befindet sich derzeit im Irak auf dem Rückzug. Die irakische Armee, schiitische Milizen und kurdische Truppen hatten am Montag eine Großoffensive auf Mossul gestartet, die letzte IS-Hochburg im Irak. Nach Angaben irakischer Politiker und Offiziere rücken die Truppen schneller vor als geplant.

Im Norden Mossuls wurde am Donnerstag ein US-Soldat bei einer Explosion getötet. Mehr als hundert US-Soldaten beraten die irakischen Sicherheitskräfte und kurdischen Peschmerga bei ihrer Offensive.

Quelle: ntv.de, mbo/AFP/rts/chr

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