Politik

Greta Thunberg muss reagieren Klima-Aktivisten rufen zu Israel-Boykott auf

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"Um glasklar zu sein: Ich bin nicht 'gegen' Israel oder Palästina", schrieb Greta Thunberg, nachdem Kritik gegen sie laut wurde.

(Foto: imago images/PA Images)

Auf dem internationalen Instagram-Kanal von Fridays for Future wird ein Boykottaufruf gegen Israel verbreitet. Danach verschwindet der Post und deutsche Aktivisten distanzieren sich. Doch auch Initiatorin Greta Thunberg steht wegen eines Tweets zum Nahost-Konflikt in der Kritik und muss sich erklären.

In Israel spitzt sich die Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis zu. Teile der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" haben sich nun auch positioniert und Partei für die palästinensische Seite ergriffen. Auf dem internationalen Instagram-Account wurde ein Boykottaufruf gegen Israel verbreitet. Dieser Post samt den dazugehörigen Storys sind mittlerweile jedoch von der Seite verschwunden.

Die mit den Posts beworbene israelfeindliche BDS-Bewegung (Abkürzung steht für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) wirft Israel vor, palästinensisches Land zu besetzen und zu kolonisieren. Israel, aber auch andere Kritiker, sehen die Bewegung als antisemitisch an. Dem schloss sich der Deutsche Bundestag 2019 an und verurteilte die BDS-Kampagne fraktionsübergreifend.

Der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat das Teilen von BDS-Inhalten seitens Fridays for Future scharf kritisiert. Auf seinem Twitterkanal veröffentlichte er folgendes Statement: "Jede Form der Hetze gegen Israel schockiert mich. Gerade für uns Deutsche muss klar sein: Wir stehen an Israels Seite - ganz unabhängig von der eigenen Parteizugehörigkeit."

Auch deutsche Aktivisten der Klimaschutzbewegung haben sich via Twitter von dem durch den internationalen Instagram-Kanal verbreiteten Boykottaufruf distanziert. Fridays for Future in Deutschland habe "da leider kaum Einfluss darauf" was geteilt wird, es wurde sich aber dafür eingesetzt, dass das gelöscht werde, zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland eine Aktivistin.

Thunberg: "Ich bin nicht 'gegen' Israel oder Palästina"

Kritische Stimmen wurden aber zudem gegen die Fridays-for-Future-Initiatorin Greta Thunberg laut, denn sie teilte einen Tweet der Journalistin und BDS-Unterstützerin Naomi Klein. Diese warf darin Israel Kriegsverbrechen vor. An Thunbergs Tweet wurde auf der Plattform besonders bemängelt, dass sich Thunberg ausschließlich zu Gewalt israelischer Sicherheitskräfte gegen Palästinenser äußerte, jedoch nicht den massiven Beschuss Israels durch die radikalislamische Hamas verurteilte. Thunberg hat sich mittlerweile der Kritik gestellt und machte ebenfalls auf Twitter klar, sich im Nahost-Konflikt nicht gegen Israel zu stellen. "Um glasklar zu sein: Ich bin nicht 'gegen' Israel oder Palästina", schrieb die 18-Jährige. "Unnötig zu sagen, dass ich gegen jede Form von Gewalt oder Unterdrückung von irgendjemandem oder irgendeinem Teil bin. Und noch einmal: Es ist niederschmetternd, die Entwicklungen in Israel und Palästina zu verfolgen."

Militante Palästinenser haben innerhalb eines Tages rund 480 Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert. Davon wurden rund 200 abgefangen und 150 schlugen beim Start fehl, wie das israelische Militär mitteilte. Die Armee geht aufgrund der Intensivierung der Raketenangriffe durch die im Gazastreifen herrschende, islamistische Hamas sowie die militante Gruppe Islamischer Dschihad von einer Zuspitzung des Gaza-Konflikts aus.

Nach Angaben des Militärsprechers Jonathan Conricus wurden bislang mindestens 20 Mitglieder der beiden Organisationen getötet, darunter hochrangige Vertreter. Zudem seien mehr als 150 Vorrichtungen zum Abschuss von Raketen attackiert worden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza starben im Zuge der Gewalt bislang 28 Menschen, darunter zehn Kinder. Nach Berichten örtlicher Medien und von Augenzeugen wurden drei Kinder durch israelische Luftangriffe getötet, die übrigen sechs durch die fehlgeleiteten Raketen der Extremisten. Die Bundesregierung verurteilte die Raketenangriffe auf Israel. So sagte Bundesaußenminister Heiko Maas: "Dass es jetzt noch eine derartige Eskalation der Gewalt gibt, ist weder zu tolerieren noch zu akzeptieren, und das haben wir auch gegenüber der Palästinensischen Autonomiebehörde sehr deutlich gemacht". Die Raketenangriffe müssten sofort beendet werden. "Israel hat in dieser Situation das Recht auf Selbstverteidigung", fügte Maas hinzu.

Die Lage im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan angespannt. Die Polizei hat erstmals in diesem Jahr einen zentralen Versammlungsort für die Palästinenser gesperrt. Dieser Ort wird von Muslimen zum Fastenbrechen genutzt. Noch kritischer wurde die Lage durch Zwangsräumungen im Viertel Scheich Dscharrah. Dort müssen palästinensische Familien auf Geheiß von israelischen Behörden ihre Häuser verlassen, um den Weg für israelische Siedler freizumachen.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa

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