Politik

Minister kämpft für Impfpflicht Lauterbach zitiert Hegel

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In seinem Plädoyer für eine verpflichtende Impfung ab 18 Jahren greift Karl Lauterbach auch zur Philosphie.

(Foto: imago images/Political-Moments)

Bei der Debatte um die Impfpflicht kämpft Gesundheitsminister Lauterbach vehement und wird am Ende sogar philosophisch. Für sein Plädoyer im Bundestag greift er zu einem Hegel-Zitat.

Karl Lauterbach on fire - als einer der letzten Redner in der Bundestagsdebatte plädiert der Bundesgesundheitsminister mit Leidenschaft für eine Impfpflicht. Das Problem wegzuschieben, könne man "den Kindern, den Pflegekräften, den Ärzten, den Menschen, die gefährdet sind, die wir nicht impfen können", nicht zumuten. Es werde dann in voller Stärke zurückkommen, sagt der SPD-Politiker. "Wir müssen handeln!"

Gleichwohl unterstreicht der Minister in der Orientierungsdebatte des Parlaments über eine mögliche Corona-Impfpflicht, sein Haus werde allen Anträgen zuarbeiten und sie unterstützen, "auch Anträge, die mir persönlich nicht gefallen". Derzeit arbeiten mehrere Gruppen, in denen sich Abgeordnete verschiedener Parteien zusammengefunden haben, an der Entwicklung von Anträgen zur Impfpflicht - von einer klaren Ablehnung eines solchen Gesetzes über den Kompromiss, eine Impfung nur für Menschen über 50 verpflichtend zu machen, bis hin zur generellen Impfpflicht für Volljährige.

Die vorangegangene Debatte ist eine besondere gewesen. Befreit von der Disziplin, mit der Fraktionsposition zu stimmen, erläutern Parlamentarier zum Teil sehr persönlich, welchen Antrag sie aus welchem Grund unterstützen wollen. Lauterbach stellt fest, er habe von diesem Austausch von Sichtweisen "sehr profitiert". Sein Dank dafür wirkt aufrichtig. Die meisten Rednerinnen und Redner haben den Fokus auf die Abwägung von Freiheitsrechten gelegt: Das Recht der Impfskeptischen auf körperliche Unversehrtheit wird etwa gegen das Recht aller auf eine Zukunft ohne Einschränkungen der Freiheit zum Infektionsschutz abgewogen.

Lauterbach greift schließlich zu Hegel, um die eigene Sichtweise zu untermauern: "Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit", ist ein dem Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel zugeschriebenes Zitat, mit dem er seine Forderung "Wir müssen handeln" nochmals in andere Worte kleidet. "Wir werden nicht zurückkommen zu dem Leben, was wir geliebt und geschätzt haben, ohne dass wir jetzt den Spaten drehen", so der Minister.

Mit Impfpflicht "sind wir im Herbst gut gerüstet"

Lauterbach skizziert den in Modellen des Robert-Koch-Instituts berechneten Verlauf in den nächsten Wochen, in dem auch Omikron für die Ungeimpften zu einer Bedrohung würde. Mit einer Belegung von 5000 Schwerkranken auf deutschen Intensivstationen müsse man rechnen.

Als einer von wenigen unter den 40 Rednerinnen und Rednern der Debatte geht der Mediziner direkt auf einzelne Vorreden ein. Der Unionsabgeordnete Günter Krings etwa hat dafür plädiert, einen "Vorratsbeschluss" zu fassen, aber mit der Umsetzung abzuwarten, wie sich die Pandemie weiterentwickelt. "Das ist medizinisch nicht machbar", so Lauterbach. Für die Umsetzung der Impfpflicht brauche man "mindestens fünf bis sechs Monate". Wenn sie jetzt beschlossen und dann umgesetzt würde, "dann sind wir im Herbst gerüstet".

International sei ihm kein Wissenschaftler bekannt, der sage, "die Omikron-Variante wäre die letzte Variante, mit der wir zu rechnen haben". Man müsse Varianten erwarten, sagt der Minister, die sowohl die Escape-Mutation der Omikron-Variante enthielten, wie auch die Fitness-Mutation der Delta-Variante. "Diese sogenannten rekombinierten Varianten, vor diesen Varianten haben wir Angst. Und wenn wir diese im Herbst sicher vermeiden wollen, dann ist der einzige Weg eine Impfpflicht, mit der wir uns alle gegenseitig schützen". Damit müsse Deutschland jetzt beginnen.

Quelle: ntv.de, fni

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