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32 Millionen Euro abgezweigt Mafia soll an Flüchtlingslager mitverdienen

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Das Foto von 2013 zeigt Soldaten, die im Flüchtlingslager in Isola Capo Rizzuto patrouillieren.

AP

Viele Flüchtlinge, die nach Europa kommen, landen zuerst in Italien. Der Polizei gelingt nun ein Schlag gegen einen Mafia-Clan, der Millionen Euro für ein Flüchtlingslager abgezweigt haben soll. Es gibt Dutzende Festnahmen - darunter ein Priester.

Die Mafia verdient bei der Flüchtlingsunterbringung in Italien offenbar kräftig mit. Bei einem Schlag gegen die 'Ndrangheta wurden 68 mutmaßliche Mitglieder des einflussreichen Clans Arena festgenommen, teilte die Anti-Mafia-Behörde in Catanzaro mit. Sie sollen unter anderem aus der Verwaltung eines Flüchtlingslagers in der südlichen Provinz Crotone Gewinne in Millionenhöhe gezogen haben.

Das Zentrum gilt als das größte in Italien. Verwaltet wird es von der katholischen Organisation Misericordia. Die EU unterstützt Italien in der Migrationskrise mit Millionen Euro bei der Flüchtlingsunterbringung. Ermittlungen zufolge ist der Mafia-Clan seit mehr als zehn Jahren in die Geschäfte des Aufnahmezentrums in Isola Capo Rizzuto verwickelt. Er soll in den vergangenen zehn Jahren rund 32 Millionen Euro von öffentlichen Geldern abgezweigt haben. Die Mitglieder sollen unrechtmäßig an Aufträge für verschiedene Dienstleistungen wie zum Beispiel für die Verpflegung gekommen sein.

Neben dem Chef der Organisation La Misericordia di Isola Capo Rizzuto wurde auch der lokale Priester festgenommen. Er soll pro Jahr 150.000 Euro für die "spirituelle Hilfe" für die Migranten bekommen haben. Das Zentrum "C.A.R.A Sant'Anna" sei zu einer "Gelddruckerei für den Mafia-Clan" geworden, erklärte die Vorsitzende der Anti-Mafia-Kommission im italienischen Parlament, Rosy Bindi. Die Polizei sprach von einem "Geldautomaten für die Mafia". Der Dachverband der Misericordie erklärte, auf eine schnelle Aufklärung zu hoffen.

Die kalabrische 'Ndrangheta gilt als eine der mächtigsten Mafia-Organisationen der Welt. Der Vorwurf, dass die Mafia bei der Flüchtlingsunterbringung mitverdient, ist schon mehrmals aufgekommen. Der Chef der italienischen Antikorruptionsbehörde, Raffaele Cantone, sagte, der Fall in Crotone sei wohl nur "die Spitze des Eisbergs".

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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