Politik

Beweise gegen den "Bluthund" Medien überführen Kadyrow der Kiew-Lüge

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Ramsan Kadyrow soll offenbar gar nicht in der Nähe von Kiew gewesen sein.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Ramsan Kadyrow, der Anführer der brutalen Tschetschenen-Armee, will in den vergangenen Tagen ganz in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew gewesen sein. Ein Schreckensszenario für die Menschen im Land. Doch ein einfacher Trick soll die Angabe als Lüge enttarnen.

Der tschetschenische Anführer Ramsan Kadyrow hatte erst vor wenigen Tagen behauptet, dass er sich derzeit in der Ukraine aufhalten würde. Er und seine Privatarmee, die den Ruf hat, besonders brutal vorzugehen, würden demnach den Kampf Russlands gegen die "Kiewer Nazis" unterstützen. Ein Video, das er bei Telegram gepostet hat, soll ihn in Hostomel zeigen, einem Ort nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt nahe einem wichtigen Flugplatz. Auf dem Video, das nicht unabhängig verifiziert werden kann, sind mehrere Männer in militärischer Kleidung, Waffen und Kadyrow zu sehen, wie sie einen unkenntlich gemachten Plan auf einem Tisch studieren. Der 45-Jährige gilt als enger Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, als sein Mann fürs Grobe.

Ukrainische Medien wollen die Angaben von Kadyrow nun widerlegt haben - anhand seiner Telefondaten. Der Journalist Illia Ponomarenko schreibt bei Twitter, wo dem Kriegsreporter der Zeitung "Kiev Independent" über eine Million Menschen folgen, dass der Tschetschene in den vergangenen Tagen mit "seinen Idioten" nicht in der Region Kiew gewesen sei. Er bezieht sich auf eine Recherche der Onlinezeitung "Ukrajinska Prawda". Der Tschetschene hatte zu seinem Video gepostet: "Neulich waren wir etwa 20 Kilometer von Ihnen entfernt, Kiewer Nazis, und jetzt sind wir noch näher, und raten Sie mal, wie nahe wir gekommen sind. Ich werde nun eine Intrige hinzufügen: Vielleicht sind wir bereits in Kiew und warten nur auf die nötigen Befehle?"

Wie viele Soldaten seiner Privatarmee (und ob Kadyrow selbst) in der Ukraine im Front-Einsatz sind, das ist nicht bekannt. Ebenfalls ist unklar, welche Rolle sie an der Seite der Invasoren einnehmen. Berichten zufolge könnten die Tschetschenen ebenso wie die Söldner der "Wagner-Gruppe" eingesetzt werden, um hochrangige Politiker wie Präsident Wolodymyr Selenskyj oder die Klitschko-Brüder Vitali (Bürgermeister von Kiew) und Wladimir zu töten. Denkbar ist Experten zufolge aber auch, dass sie das russische Militär bei Guerilla-Kämpfen in den Städten unterstützen. Dafür gelten die "Bluthunde" aus Tschetschenien als bestens ausgebildet. Mit oder ohne Chef.

Wie das Portal aus ukrainischen Sicherheitskreisen erfahren haben will, verwendet Kadyrow zwei verschiedene Telefonnummern. Diese waren aber laut den Mobilfunkbetreibern seit dem 10. März nicht mit den ukrainischen Kommunikationsnetzen verbunden. Das Video, das Kadyrow angeblich in Hostomel zeigt, wurde in der Nacht zu Montag (vom 13. auf den 14. März) hochgeladen. Die Journalisten von "Ukrajinska Prawda" haben eine List über einen Online-Dienst angewendet, um anhand seiner Telefonnummern die IP-Adresse, das Land und die Stadt herauszufinden, in denen sich das Telefon des Tschetschenen befindet.

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Die Reporter gaben sich in der Telegram-Gruppe von Ramsan Kadyrow als Mitarbeiter der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti aus und schickten ihm einen Link zu einem Artikel, genau an dem Tag, an dem der 45-Jährige eigenen Angaben zufolge in der Nähe von Kiew war. Über den verwendeten Dienst wurde ein Link generiert, mit dem sich der Standort der Nummer orten ließ, sobald der angeschriebene User diesem Link folgt. Die entsprechende Auswertung der Geodaten gab Grosny, die Hauptstadt der autonomen Teilrepubik Tschetschenien, an. All die Berichte lassen sich derweil nicht unabhängig überprüfen.

Am 15. März übrigens postete Kadyrow auf seinem Telegram-Kanal ein neues Video. In dem ist zu sehen, wie er in seiner tschetschenischen Heimat Besuch empfängt.

Quelle: ntv.de, tno

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