Politik

Mord an Selenskyj und Klitschko? Putin lässt Kadyrows Bluthunde von der Kette

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Ein skrupelloser Vertrauter Putins: Ramsan Kadyrow.

(Foto: REUTERS)

Sie gilt als besonders brutal und skrupellos, nun kämpft sie offenbar für Russland in der Ukraine: Präsident Putin soll bei seiner Invasion auf die Unterstützung der Armee des Tschetschenen Kadyrow vertrauen. Die Rolle der "Kadyrowzy" ist indes unklar.

Manchmal sind Bilder im Krieg wichtiger als Panzer, Bomben und Raketen. Manchmal schrecken die Bilder von drohenden Szenarien mehr auf als die Kämpfe. Ein solches Bild des Schreckens tauchte in den vergangenen Tagen immer häufiger auf, bemüht von der russischen Seite. In den jetzt schon verheerenden Krieg mit immer mehr zivilen Opfern ist auch die Armee des tschetschenischen Radikalisten Ramsan Kadyrow eingezogen. Über kaum eine Truppe werden so brutale und skrupellose Geschichten erzählt wie über die "Kadyrowzy".

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Die "Kadyrowzy" sind offenbar auf dem Weg in die Ukraine.

(Foto: REUTERS)

Die paramilitärische Einheit inszeniert sich allzu gerne in der Rolle des gnadenlosen Bluthunds. Ein Video wird in diesen Tagen besonders oft verbreitet, es zeigt die Kämpfer in ihren Tarnanzügen beim Gebet in einem Wald. Es soll ein Wald in der Ukraine sein. Ob das stimmt? Kaum zu verifizieren. Aber darum geht es auch nicht. Wladimir Putin, der die Unterstützung der "Kadyrowzy" offenbar angefordert hat, dürfte sich von ihrem Einsatz auch ein Signal versprechen: Die Geschichte ihrer Brutalität, von Folter und Mordlust sind vor allem auch ein Einschüchterungsversuch.

Welche Rolle der Truppe in diesem Krieg zugewiesen wurde, ist derzeit nicht klar. Für einen Krieg, wie er aktuell geführt wird, seien die "Kadyrowzy" nicht vorbereitet, sagt Ruslan Lewiew, ein Sicherheitsexperte und Gründer der Investigativplattform Conflict Intelligence Team, in einem Interview mit dem Portal currenttime.tv. Sie an die Front zu schicken, hält er für "absurd". Lewiew geht davon aus, dass die "Kadyrowzy" eher in den Krieg gerufen wurden, um in eroberten Städten die Kontrolle zu übernehmen und Widerstandsgruppen niederzuschlagen (für solche Aufträge sollen auch Einheiten der Wagner-Gruppe bereitstehen) - wie sie es in ihrer Heimat getan haben und immer noch tun. Dort knüppelt die paramilitärische Einheit jeden Aufstand nieder, auch antirussische Proteste. Putin lässt seinem unberechenbaren Bluthund freie Hand.

Todeslisten als "Kartenspiel"

Ob das auch nun für den Einsatz in der Ukraine gilt? Es kursieren Gerüchte über angebliche Todeslisten, die den Kämpfern ausgehändigt worden seien. Demnach besitzt jeder Krieger Karten mit Namen und Bildern von jenen Ukrainern, die es bei der "Entnazifizierungs"-Mission des Landes auszuschalten gilt, die Putin allen Ernstes als Kriegsziel ausgegeben hat. Auf diesen Listen sollen Präsident Wolodymyr Selenskyj und die beiden Klitschko-Brüder Vitali und Wladimir stehen. Dazu verbreitete Oleksij Danilov, der Chef des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, bei Telegram, dass ein Attentat der "Kadyrowzy" auf Selenskyj zuletzt von ukrainischen Spezialkräften verhindert worden sei. Die Angreifer wurden demnach "ausgeschaltet". Ein Tipp soll vom russischen Geheimdienst gekommen sein, der sich angeblich nicht an dieser Art von Kriegsführung beteiligen will.

Überprüfen lässt sich das nicht. Aber es passt nicht in Kadyrows Erzählung, dass bislang lediglich zwei seiner Soldaten ums Leben gekommen seien, wie er am Dienstag verkündete. Meldungen der ukrainischen Seite, dass bei anderen Gefechten der Kommandeur des 141. motorisierten Regiments der tschetschenischen Rosguard, General Magomed Tuschajew, getötet wurde, dementierte Kadyrow vehement. Tuschajew kommandiert(e) eine von mehreren Spezialeinheiten, die etwa 400 Mann stark gewesen sein soll.

Sonderlich berührt vom Tod seiner Soldaten ist der 45-Jährige offenbar nicht. "Ja, im Krieg wird gestorben, und das war ihre Berufswahl", sagte er. Schon seit Jahren ist Kadyrow Putins Mann fürs Grobe, fürs Gnadenlose, verbal und an der Waffe. Einer, der Putin loyal ergeben scheint. Das war allerdings nicht immer so. Einst kämpfte der Islamist an der Seite seines Vaters Achmat im Tschetschenien-Krieg gegen Russland, ehe Putin sie mit viel Geld auf seine Seite zog. Gemeinsam mit seinem zuvor gefährlichsten Gegner gewann Russland den Krieg.

Gewaltandrohung von Kadyrow

Seither dürfen die Kadyrows über die Teilrepublik im Kaukasus herrschen. Putin lässt Ramsan - Vater Achmat wurde 2004 bei einem Bombenanschlag in der Hauptstadt Grosny getötet - gewähren. Sanktionen für sein brutales Regime muss er nicht fürchten. Quasi als Gegenleistung für die Handlungsfreiheit bekommt Putin von Kadyrow die volle Unterstützung bei seinen Militäroperationen. Schon in Georgien 2008 sollen seine Krieger involviert gewesen sein, im Donbass und in Syrien ebenfalls.

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Mit beiden Einsätzen brüstet sich Kadyrow gerne. Das soll in Zukunft auch für die Ukraine gelten. Bei Telegram soll er laut "Bild"-Zeitung verkündet haben: "Ich fordere die Führung des Landes, den Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte, Wladimir Putin, auf, allen Spezialeinheiten den entsprechenden Befehl zu erteilen, damit sie mit den Nazis und natürlich mit den Terroristen fertig werden, die unsere Frauen, die Alten, getötet haben, und Kinder in der Republik Tschetschenien."

Wie ernst es dem Diktator, der ein Verfechter des Rechtssystems Scharia ist, ist, hatte er ebenfalls vergangene Woche deutlich gemacht. Am Freitag ließ er in Grosny 12.000 Krieger aufmarschieren, die sofort in die Ukraine geschickt werden könnten. Insgesamt wären sogar 70.000 Mann bereit, um Russland zu unterstützen. Manchmal schrecken die Bilder von drohenden Szenarien mehr auf als die Kämpfe, die tatsächlich stattfinden.

Quelle: ntv.de, tno

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