Politik

Einzigartiger Appell Merkel: "Halten Sie sich an die Regeln!"

In einer TV-Ansprache appelliert Bundeskanzlerin Merkel an die Solidarität aller Bundesbürger. Nur wenn jeder Einzelne die Regeln befolge und umsetze, könne Deutschland die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg bewältigen.

Die Bundeskanzlerin hat die Bürger in einem bislang einzigartigen Appell zur Solidarität und Disziplin angesichts der Bedrohung durch das Coronavirus aufgerufen. "Das ist eine historische Aufgabe, und sie ist nur gemeinsam zu bewältigen", sagte Angela Merkel nach einem vorab verbreiteten Redetext in ihrer Fernsehansprache zur Corona-Krise. "Es kommt ohne Ausnahme auf jeden Einzelnen und damit auf uns alle an", so die Kanzlerin. "Die Situation ist ernst, und sie ist offen. Das heißt: Es wird nicht nur, aber auch davon abhängen, wie diszipliniert jeder und jede die Regeln befolgt und umsetzt."

"Alles wird auf die Probe gestellt"

"Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst. Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung in unserem Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt", sagte Merkel. "Unsere Vorstellung von Normalität, von öffentlichem Leben, von sozialem Miteinander - all das wird auf die Probe gestellt wie nie zuvor." Das Coronavirus verändere das Leben in Deutschland dramatisch. Sie wisse, wie hart die Schließungen etwa von Veranstaltungsräumen, Schulen, Kitas und Spielplätzen seien. "Es sind Einschränkungen, wie es sie in der Bundesrepublik noch nie gab."

Das "Dringendste" sei ihr an diesem Abend die Botschaft, dass alle staatlichen Maßnahmen ins Leere gehen würden, "wenn wir nicht das wirksamste Mittel gegen die zu schnelle Ausbreitung des Virus einsetzen würden: Und das sind wir selbst", sagte die Kanzlerin. "Alle zählen, es braucht unser aller Anstrengung." Deutschland habe ein exzellentes Gesundheitssystem, "vielleicht eines der besten der Welt". Dies sei Grund zur Zuversicht. "Aber auch unsere Krankenhäuser wären völlig überfordert, wenn in kürzester Zeit zu viele Patienten eingeliefert würden, die einen schweren Verlauf der Coronainfektion erleiden", mahnte Merkel.

Vorerst keine zusätzlichen Maßnahmen

Zusätzliche noch drastischere Maßnahmen wie eine allgemeine Ausgangssperre verkündete die Kanzlerin nicht. Sie sagte aber auch: "Halten Sie sich an die Regeln, die nun für die nächste Zeit gelten. Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch: was womöglich noch nötig ist." Man werde in der dynamischen Situation lernfähig bleiben "um jederzeit umdenken und mit anderen Instrumenten reagieren zu können."

Merkel bedankte sich bei Ärzten und Ärztinnen und bei allen, die im Pflegedienst oder in einer sonstigen Funktion in Krankenhäusern oder im Gesundheitswesen arbeiten. Sie stünden "in diesem Kampf in vorderster Linie". "Was sie leisten, ist gewaltig."

*Datenschutz

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Deutschland war am Mittwoch auf über 12.000 angestiegen. Insgesamt starben 27 Menschen bislang der Bundesrepublik am Coronavirus. Um die Ausbreitung zu verlangsamen, wurde das öffentliche Leben in den vergangenen Tagen stark eingeschränkt.

Quelle: ntv.de, kwe/dpa/AFP