Politik

Zehn Prozent Einkommenszuwachs Mindestlohn kostete sehr wenige Jobs

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Eine Vielzahl von Minijobs sind in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse umgewandelt worden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die von einigen Politikern und Wirtschaftsvertretern befürchteten Arbeitsplatzverluste durch einen flächendeckenden Mindestlohn sind einer Studie zufolge weitestgehend ausgeblieben. Viele Minijobs seien sogar in sozialversicherungspflichtige Jobs umgewandelt worden.

In den fünf Jahren seit seiner Einführung hat der flächendeckende Mindestlohn den betroffenen Beschäftigten im Schnitt zehn Prozent mehr Lohn gebracht. Die befürchteten Arbeitsplatzverluste seien dabei sehr gering ausgefallen, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Die Arbeitsmarktforscher schätzten den Lohneffekt für Geringverdiener in ihrer Bilanz als "deutlich positiv" ein.

Wenn wegen des Mindestlohns Arbeitsplätze verloren gegangen sind, dann vor allem im Bereich der Minijobs, heißt es in der Studie. Etwa die Hälfte der Minijobs, die seit Einführung 2015 wegfielen, seien in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse umgewandelt worden. Dagegen habe sich nur ein sehr kleiner Teil der Betroffenen arbeitslos gemeldet, stellten die Forscher fest. Zu dieser positiven Entwicklung habe allerdings auch die gute Konjunktur beigetragen: Im Zuge einer Rezession oder bei deutlichen Mindestlohnerhöhungen könnten negative Beschäftigungseffekte nicht ausgeschlossen werden, betonten die Forscher.

Auf die Produktivität der Beschäftigten habe der Mindestlohn keine Auswirkungen gezeigt. "Die höheren Lohnkosten werden demnach nicht durch höhere Produktivität kompensiert", schreiben die Arbeitsmarktforscher. Sie resümierten: "Ein mindestlohnbedingter Anstieg in der Arbeitsmotivation betroffener Beschäftigter ist nicht zu beobachten, obwohl der Lohn und die Entlohnungszufriedenheit deutlich gestiegen sind."

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Wissenschaftlich umstritten sei nach wie vor, in welchem Ausmaß der gesetzliche Mindestlohn umgangen werde. "Das Ausmaß der Nichteinhaltung bleibt letztlich eine weitgehend offene Frage, die sich auf Grundlage der aktuellen Datenbasis nicht abschließend beantworten lässt", heißt es in der Studie. Der Mindestlohn wird alle zwei Jahre angepasst. Derzeit liegt er bei 9,19 Euro, 2020 soll er auf 9,35 Euro steigen. SPD und Grüne wollen ihn deutlich auf zwölf Euro erhöhen, die Linke auf 13 Euro.

Quelle: ntv.de, sgu/AFP