Politik

Göring-Eckardt im Interview "Mit der AfD ist der Bundestag frauenfeindlicher geworden"

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Katrin Göring-Eckardt ist seit 2021 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags. Sie hatte dieses Amt bereits von 2005 bis 2013 inne.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gerade junge Frauen erleben als Abgeordnete im Bundestag, dass sie das Ziel von Attacken werden. Das liegt vor allem an einer Fraktion. Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt sagt, Machotum und Breitbeinigkeit habe es im Parlament auch vor der AfD gegeben. "Jetzt kommen Demokratiefeindlichkeit und Verächtlichmachung des gesamten Hauses dazu."

ntv.de: Wie nehmen Sie die Stimmung im Bundestag wahr?

Katrin Göring-Eckardt: Unter den demokratischen Parteien meist respektvoll, aber Rechtsaußen geht es vor allem ums Provozieren und Auffallen. Seit die AfD im Deutschen Bundestag sitzt, ist es aggressiver und auch frauenfeindlicher geworden. AfD-Abgeordnete lassen oft keine Gelegenheit aus, um zu provozieren. Egal, ob es um ihre Wortwahl oder die Sache geht. Früher wurde um die Sache gestritten, und das durchaus auch mal derb, aber es war ein Streit unter Demokratinnen und Demokraten und nicht mit Leuten, die unsere Demokratie eigentlich ablehnen.

Junge Frauen im Parlament berichten, dass sie oft das Ziel solcher Attacken sind - nehmen Sie das als Bundestagsvizepräsidentin auch so wahr?

Gerade Parlamentarierinnen sind hässlichen Attacken ausgesetzt, das trifft gerade auch unsere jungen Kolleginnen. Das geht schon mit dem Geräuschpegel los. Wenn eine junge Frau ans Pult tritt, gibt es gern mal Gebrülle von Rechtsaußen oder Tischklopfen. Deren Ziel ist klar: Die Kolleginnen sollen verunsichert werden. Das darf ihnen nicht gelingen. Bei besonders bösen Attacken stehen alle demokratischen Fraktionen zusammen. Das ist gut.

Es war schon immer so, dass Frauen dafür gekämpft haben, dass sie im Bundestag gleichberechtigt behandelt werden. Was ist der Unterschied zu der aktuellen Stimmung?

Natürlich gab es Machotum und Breitbeinigkeit auch vor der AfD im Plenum. Jetzt kommen Demokratiefeindlichkeit und Verächtlichmachung des gesamten Hauses dazu. Ich nehme wahr, dass der kluge Debattenstreit, der ja eine Demokratie ausmacht, verunmöglicht werden soll. Da sollen manche Stimmen, gerade junge Stimmen, die was zu sagen haben, mit plumpem Schrillsein übertönt werden. So dass am Ende mehr über die Hetze während einer Debatte berichtet wird, als über den Inhalt der Debatte.

Wie kann man es den jungen Frauen leichter machen und dafür sorgen, dass sie ernster genommen werden?

Ich glaube nicht, dass es darum geht, es jungen Frauen "leichter" zu machen; sie sind tough genug, um sich den Platz zu nehmen und dagegen zu halten. Es ist großartig zu sehen, wie sie da stehen und die Rechten auflaufen lassen. Wichtig ist, dass wir Spielregeln im Plenum haben, die auch von allen eingehalten werden; und wenn nicht, dass dann konsequent gehandelt wird. Für das Plenum im Bundestag heißt das: Wer im Präsidium die Sitzung leitet - also auch ich - sorgt dafür, dass jede und jeder reden kann, ohne dass sie andauernd gestört werden. Wer die Grenze überschreitet, erhält einen Ordnungsruf. Das ist das Mindeste.

Mit Katrin Göring-Eckardt sprach Nina Lammers

Quelle: ntv.de

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