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Minus 30 Prozent Nach Astrazeneca-Stopp: Impfzahlen brechen ein

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In Köln weist ein Schild den Weg zum Impfzentrum.

(Foto: picture alliance/dpa)

Am Montag stoppt das Bundesgesundheitsministerium auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts die Verimpfung des Corona-Vakzins von Astrazeneca. RKI-Zahlen zum Folgetag demonstrieren den Bremseffekt für die Impfkampagne. Ob das Mittel wieder zur Anwendung kommt, ist offen.

Die Zahl der täglichen Corona-Impfungen ist am Tag nach dem zeitweiligen Astrazeneca-Stopp um ein Drittel gefallen. Das geht aus dem Impfdashboard des Robert-Koch-Instituts hervor. Demnach lag die Zahl aller Erst- und Zweitimpfungen am Dienstag bei 172.899. In der Vorwoche waren es noch 246.692. Die Differenz von 72.899 Impfungen bedeutet ein Drittel des Vorwochenwerts.

Einen Effekt scheint der am Nachmittag erlassene Stopp auch auf die Montagszahlen gehabt zu haben: Im Vergleich zur Vorwoche fiel die Zahl der Impfungen um 4101 auf 228.882. Es könnte sich um eine Schwankung handeln, allerdings gingen die Impfzahlen im Vorwochenvergleich bislang fast immer nach oben.

Bund und Länder wollen ihren verschobenen Impfgipfel schnellstmöglich nachholen, sobald sich die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) erneut zum Impfstoff von Astrazeneca geäußert hat. Das Gespräch solle "zeitnah nach der EMA-Abstimmung" erfolgen, "möglicherweise am Freitag", sagte eine Regierungssprecherin.

EMA entscheidet am Donnerstag

Der EMA-Ausschuss für Impfstoff-Sicherheit hatte am Dienstag über das Astrazeneca-Präparat beraten und will bis zu einer Sondersitzung am Donnerstag zu einer Schlussfolgerung kommen. Die Bund-Länder-Schaltkonferenz war eigentlich für diesen Mittwoch geplant gewesen und wurde verschoben, um die weiteren EMA-Empfehlungen zu Astrazeneca abzuwarten. Die Impfungen mit dem Präparat sind derzeit in Deutschland und einigen anderen Ländern ausgesetzt, um einen möglichen Zusammenhang mit Thrombosen der Hirnvenen zu prüfen.

Bei dem Austausch zwischen Bund und Ländern soll es generell um eine Beschleunigung der Impfkampagne gehen. Ein Thema ist dabei die stärkere Einbindung der Hausärzte. Dass die Impfstoffe nur verzögert ausgeliefert werden, liegt nach Angaben des Impfstoffkoordinators der Bundesregierung, Christoph Krupp, auch am direkten Eingreifen der US-Regierung in die Produktion von Astrazeneca und Johnson & Johnson. Washington lege fest "in welcher Reihenfolge bestimmte Aufträge abzuwickeln sind. Und das heißt natürlich, dass erst einmal amerikanische Firmen beliefert werden müssen oder Lieferungen ausgeliefert werden müssen, die eine hohe Priorität für die amerikanische Regierung haben", sagte Krupp in der ntv-Sendung "Frühstart".

Impf-Schlusslicht reagiert

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Die Zahl der verabreichten Covid-19-Impfdosen ist trotz der Verlangsamung der Impfkampagne weiter gestiegen - auf mehr als 9,8 Millionen. Laut dem Monitoring liegt die Quote der Erstimpfungen nun bei mehr als 8,2 Prozent, die der Zweitimpfungen bei mehr als 3,6 Prozent. Das entspricht mehr als 3,0 Millionen voll geimpften Personen. Ein vollständiger Impfschutz besteht bei den aktuell verimpften Präparaten erst nach zwei Impfungen.

Je nach Bundesland variiert der Impffortschritt deutlich: Laut RKI liegt Thüringen im Ranking nach Zweitimpfungen mit 4,28 Prozent weiter vorn, neues Schlusslicht ist Brandenburg mit einer Quote von 3,25 Prozent. Die Landesregierung entzog am Montag der Gesundheitsministerin Ursula Nonnenmacher von den Grünen die Zuständigkeit für die Impfkampagne, wie der RBB berichtet. Stattdessen übernimmt ein dem CDU-Innenminister Michael Stübgen zugeordneter Staab die Koordinierung.

Quelle: ntv.de, shu/dpa/AFP

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