Politik

"Niemand flieht freiwillig" Nie waren mehr Menschen auf der Flucht

Krieg, Gewalt und Verfolgung: Seit fünf Jahren steigt die Zahl der Menschen, die aus ihren Heimatländern vertrieben werden, an. Fast 70 Prozent der Flüchtlinge stammen dabei laut UNHCR aus nur fünf Ländern. Eine Lösung ist in keinem der Konfliktgebiete in Sicht.

Nie sind in der Welt durch Krisen und Konflikte so viele Menschen auf der Flucht gewesen wie 2017. Insgesamt waren es Ende des Jahres 68,5 Millionen Personen. Das sind 4,6 Prozent mehr als Ende 2016, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR berichtete. Es ist der fünfte Rekordwert in Folge.

Neu oder zum wiederholten Mal vertrieben wurden allein im Laufe des vergangenen Jahres statistisch gesehen pro Tag fast 44.500 Menschen, insgesamt 16,2 Millionen. Die übrigen Menschen befinden sich teils seit Jahren auf der Flucht vor Kriegen, Konflikten, Gewalt und Verfolgung. Drei von fünf Betroffenen hätten im eigenen Land Zuflucht gefunden, so das UNHCR.

Mehr als die Hälfte sind minderjährig

Flüchtlinge sind für das UNHCR all jene Menschen, die aus ihrem Heimatland geflohen sind - unabhängig vom Anlass ihrer Flucht und einem etwaigen Asylstatus. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen betreute im vergangenen Jahr 19,9 Millionen Personen. Um mehr als fünf Millionen palästinensische Flüchtlinge kümmert sich dabei eine eigene UN-Organisation (UNRWA). Die Zahl der Flüchtlinge wächst nicht nur durch neue Konflikte und Vertreibungen, sondern auch durch Geburten - etwa, wenn Schwangere ihr Kind auf der Flucht gebären müssen oder es im Zufluchtsland Familienzuwachs gibt.

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Die größte Bürde tragen ärmere Länder, wie UNHCR-Chef Filippo Grandi betont: "Manche Leute glauben, die Flüchtlingskrise sei eine Krise in den reichen Ländern. Das ist nicht der Fall." 85 Prozent der Flüchtlinge lebten in teils bitterarmen Ländern oder solchen mit niedrigen oder mittleren Einkommen. Er appellierte an die humanitäre Verantwortung reicher Staaten. "Niemand wird freiwillig zum Flüchtling. Aber wir anderen können helfen."

Hoffnung auf eine baldige Entspannung der Lage kann die UN-Organisation nicht machen. In keinem der Konfliktgebiete sei eine Lösung in Sicht, kritisierte Grandi. Dabei lassen sich Auslöser der Fluchtbewegungen global gesehen eigentlich eng eingrenzen: Fast 70 Prozent der Flüchtlinge stammen nach Angaben des UNHCR aus lediglich fünf Ländern.

"Wenn es Lösungen für diese Länder gäbe, könnten die Zahlen deutlich sinken", sagte Grandi. Bei den fünf wichtigsten Fluchtländern handelt es sich demnach um Syrien, Afghanistan, den Südsudan, Myanmar und Somalia. Unter den Flüchtlingen seien mehr als die Hälfte - 52 Prozent - minderjährig, oft handelt es sich um Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden.

Deutschland auf Platz sechs

Die USA waren nach Angaben von Grandi mit einem Beitrag von 1,3 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr der größte Geber des UNHCR. Allerdings hätten sie die Zahl der Plätze für die Umsiedlung von Flüchtlingen von 110.000 auf 45.000 reduziert. Grandi legt große Hoffnungen in eine neue weltweite Vereinbarung über den Umgang mit Flüchtlingen und Vertriebenen, die im Herbst bei den Vereinten Nationen in New York verabschiedet werden soll. Dabei geht es unter anderem um mehr Geld für die Bekämpfung der Fluchtursachen.

Kein Land beherbergte 2017 so viele Flüchtlinge wie die Türkei: 3,5 Millionen Menschen waren es laut UNHCR. Sie stammen überwiegend aus Syrien. In Deutschland hielten sich diesen Angaben zufolge im vergangenen Jahr 970.400 Flüchtlinge auf. Deutschland stand damit hinter der Türkei, Pakistan, Uganda, dem Libanon und dem Iran an sechster Stelle der Zufluchtsländer. Gemessen an der Bevölkerung nahm der Libanon am meisten Flüchtlinge auf, gefolgt von Jordanien und der Türkei.

Fünf Millionen Vertriebene seien im vergangenen Jahr in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Eine permanente neue Heimat fanden nur 100.000 Menschen, 40 Prozent weniger als im Jahr davor. Es seien nicht genügend Plätze angeboten worden, so das UNHCR.

Quelle: n-tv.de, jki/dpa

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