Politik

"Auslöschung der Kindheit" Papst: Missbrauch ist psychologischer Mord

240193487.jpg

Die katholische Kirche steht auch immer wieder selbst in der Kritik wegen der Vertuschung von Missbrauchsfällen.

(Foto: picture alliance/dpa/Pool ANSA/AP)

Bei einer Audienz für Mitglieder eines Anti-Missbrauchsvereins findet der Papst klare Wort dafür, was Kindesmissbrauch bei den Betroffenen anrichten kann. Oft sei die erste Reaktion Vertuschung - auch in der Kirche.

Papst Franziskus hat sexuellen Kindesmissbrauch als eine Art seelischen Mord bezeichnet. Die Taten würden etwa in Schulen, beim Sport, in Freizeiteinrichtungen und Religionsgemeinschaften sowie bei Einzelpersonen verübt und müssten konsequent aufgedeckt werden, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Samstag im Vatikan. "Kindesmisshandlung ist eine Art psychologischer Mord und in vielen Fällen eine Auslöschung der Kindheit", mahnte Franziskus.

Der Papst äußerte sich bei einer Audienz für Mitglieder des italienischen Anti-Missbrauchsvereins mit dem Namen Meter. Der Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung sei eine Pflicht aller Staaten. Diese müssten sowohl Menschenhändler als auch Täter von Missbrauchsverbrechen verfolgen und bestrafen, sagte Franziskus. Der 84-Jährige kritisierte auch die Werbung für Kinderpornografie, die über das Internet und verschiedene Soziale Medien stattfinde.

Missbrauch auch in Kirche ein Thema

Die katholische Kirche selbst steht auch immer wieder in der Kritik, weil sie Fälle von Kindesmissbrauch in den eigenen Reihen vertuscht hatte. Außerdem wird ihr vorgeworfen, dass Würdenträger Vorwürfe nicht schnell genug aufarbeiten würden.

Dem Nachrichtenportal Vatican News zufolge sprach der Papst das Thema Vertuschung auch im Zusammenhang mit der katholischen Kirche an: "Auch heute sehen wir, wie oft in Familien die erste Reaktion darin besteht, alles zu vertuschen. Und in anderen Institutionen, auch in der Kirche, ist das auch noch gängig. Wir müssen uns mit dieser alten Gewohnheit des Vertuschens auseinandersetzen und überwinden."

Privataudienz für Heiko Maas vom selbigen Thema geprägt

Das Thema Kindesmissbrauch stand für den Papst schon bei einer weiteren Audienz diese Woche auf der Liste der Themen. Heiko Maas sprach das Thema bei der ersten Privataudienz an, die ein Bundesaußenministers beim Papst seit fast 20 Jahren bekam. Der SPD-Politiker hatte bereits vor dem Gespräch angekündigt, dass er mit Franziskus über den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester sprechen wolle. Dies sei eine Frage, die viele Menschen bewege und ihr Verhältnis zu ihrer Religionsgemeinschaft bestimme, sagte er.

Nach dem Gespräch bestätigte Maas, dass man über die Verantwortlichkeiten in der katholischen Kirche auch in Deutschland geredet habe. Wie der Papst sich zu dem Thema geäußert hat, wollte der SPD-Politiker nach der Audienz jedoch nicht sagen: "Ich bin nicht befugt, das, was der Papst zu diesem Thema gesagt hat, hier zu verkünden. Es ist aber sicherlich ein Thema, das hier im Vatikan nicht unbekannt ist", sagte er.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa/Vatican News

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.