Politik

Bürgermeister angegriffen Polizei vermutet fremdenfeindliches Motiv

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Bei der Pressekonferenz zeigten die Ermittler die Tatwaffe, ein Messer mit fast 20 Zentimeter langer Klinge.

(Foto: dpa)

Der Messerangriff auf den Altenaer Bürgermeister Hollstein erinnert an das Attentat auf seine Kölner Kollegin Henriette Reker vor zwei Jahren. Die Polizei vermutet auch hier ein fremdenfeindliches Motiv. Gegen den mutmaßlichen Täter wird wegen Mordversuchs ermittelt.

Die Polizei vermutet hinter dem Messerangriff auf den für seine liberale Flüchtlingspolitik bekannten Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Altena fremdenfeindliche Motive. "Wir gehen davon aus, dass es sich ... um eine politisch motivierte Straftat handelt", sagte der Leiter des polizeilichen Staatsschutzes in Hagen, Andre Dobersch. Er sehe sich als Opfer eines Klimas von Hass und Hetze, sagte Bürgermeister Andreas Hollstein selbst. "Dieser Mensch ist für mich durch Brunnenvergiftung ... zum Werkzeug geworden", sagte der bei der Attacke am Hals verletzte CDU-Politiker mit Blick auf den Verdächtigen, einen 56-jährigen arbeitslosen Maurer. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft unter dem Verdacht des versuchten Mordes.

Hollstein war nach einer Ratssitzung am Montagabend in eine Dönerbude gegangen. Als er auf seine Bestellung wartete, betrat ein Mann den Imbiss und fragte der Polizei zufolge später Hollstein, ob er der Bürgermeister sei. Als der die Frage bejahte, habe der Mann gesagt, er sitze ohne Wasser da, während der Bürgermeister Flüchtlinge in die Stadt hole. Dann habe er ein Küchenmesser mit einer 22 Zentimeter langen Klinge aus seinem Rucksack gezogen und Hollstein an den Hals gesetzt.

Zusammen mit den zwei Betreibern des Döner-Ladens konnte der Bürgermeister den Angriff abwehren und den Verdächtigen bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Dieser sei mit 1,1 bis 1,2 Promille alkoholisiert gewesen und habe in der Vergangenheit auch psychische Probleme gehabt, sagte Staatsanwalt Gerhard Pauli.

"Ich habe um mein Leben gefürchtet", berichtete Hollstein. Er gehe davon aus, dass der Mann vorsätzlich gehandelt habe: "Ich glaube, dass das Messer in der Tasche für mich gedacht war." Der Mann sei "steuerungsfähig" und sehr kräftig gewesen, er habe aber auch eine Alkoholfahne wahrgenommen. Nach dem Angriff habe er nun sogar E-Mails von Menschen erhalten, die den Angriff auf ihn für richtig hielten. Er werde seine Arbeit aber fortsetzen, sagte der 54-jährige Familienvater: "Ich stehe mit meiner Persönlichkeit und meinem Selbstverständnis gegen Hass ein."

Merkel lobt Dönerladen-Besitzer

Zahlreiche Politiker reagierten mit Entsetzen auf die Tat, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie hatte Altena erst im Mai mit dem Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet. Die Kleinstadt bündele vorbildlich verschiedene Instrumente zur Integration von Flüchtlingen, erklärte sie damals. Der Ort im Sauerland mit rund 17.000 Einwohnern hat Hollstein zufolge rund 450 Flüchtlinge aufgenommen, das Zusammenleben sei "absolut unproblematisch". Er sei wegen seines Engagements aber auch immer wieder in sozialen Medien geschmäht und bedroht worden.

Hollstein steht damit nicht allein. Immer wieder kommt es auch zu Übergriffen auf Kommunalpolitiker. Im Oktober 2015 war die jetzige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Wahlkampf bei einem Messer-Angriff durch einen Rechtsextremisten schwer verletzt worden. "Solche Taten müssen uns endlich alle aufrütteln", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz: "Hetze, Hassparolen und Angstmacherei spalten unser Land." Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet lobten zudem das Eingreifen der beiden Betreiber des Dönerladens. "In unserem Land darf kein Platz sein für Hass und Gewalt", forderte der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas.

Quelle: ntv.de, nsc/rts

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