Politik

Ein "Kümmerer" pro Flüchtling Darum wird Altena von Merkel geehrt

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Mit Freude dabei: Die ehemalige Lehrerin France Bruens unterrichtet eine Gruppe von Flüchtlingen in der deutschen Sprache.

(Foto: picture alliance / Bernd Thissen)

"Vom Flüchtling zum Mitbürger": Eine kleine Stadt im Sauerland sieht Flüchtlinge als Chance. Aber ein Dach über dem Kopf macht noch keine Integration. Deshalb gibt es in Altena die "Kümmerer". Ein vorbildhafter Einsatz, der jetzt mit einem Preis belohnt wird.

Für jede Flüchtlingsfamilie ein eigener "Kümmerer" und eine Unterbringung in eigenen Wohnungen mit Nachbarschaftskontakt statt anonymer Sammelunterkünfte: Für dieses Konzept zum Umgang mit Flüchtlingen erhält die Stadt Altena im Sauerland in Nordrhein-Westfalen von Bundeskanzlerin Angela Merkel den erstmals vergebenen Nationalen Integrationspreis.

Das Leitbild der 17.300-Einwohner-Stadt lautet "Vom Flüchtling zum Altenaer Mitbürger". Dazu gehört eine enge Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, die dazu verschiedene Instrumente einsetzen - etwa auch Sprachvermittlung mit Hilfe ehrenamtlicher Sprachlehrer, eine Kleiderkammer, ein monatliches Café International oder ein Begegnungszentrum. Eine Jury folgte mit der Kür dem Vorschlag des Deutschen Städte- und Gemeindebunds.

Die Burgstadt im Sauerland hatte auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Oktober 2015 bereits für Schlagzeilen gesorgt. Damals nahm sie 102 Flüchtlinge mehr auf als die ihr ohnehin bereits zugewiesenen 270 Menschen.

Altena machte dies auch mit einem eigennützigen Ziel: Keine westdeutsche Stadt war in den vergangenen Jahren so schnell geschrumpft - nach Altena sollten Flüchtlinge kommen, die auch dauerhaft bleiben dürfen. Nach einem mehr als 20 Jahre andauernden Bevölkerungsrückgang stieg die Bevölkerungszahl 2015 als Folge der Flüchtlingsaufnahme erstmals wieder leicht an.

Altena gehörte allerdings auch zu den Städten, in denen es einen Brandanschlag gegen eine von Flüchtlingen bewohnte Wohnung gab. Die von einem Nachbarn im Oktober 2015 verübte Tat blieb aber folgenlos. Der Bürgermeister erhielt Medienberichten zufolge außerdem mitunter so massive Beschimpfungen, dass er vereinzelt die Polizei einschaltete.

Quelle: n-tv.de, dsi/AFP

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