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"Neuer gefährlicher Trend" Polizisten fordern Statistik für Messerangriffe

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Im Unterschied zu Schusswaffen werden Messer als Tatwerkzeuge in den meisten Bundesländern nicht statistisch erfasst.

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Berlin, Kandel, Lünen, Dortmund – und nun Burgwedel: Immer wieder greifen Jugendliche im Streit zum Messer und verletzen ihre Opfer mitunter tödlich. Die Gewerkschaft der Polizei fordert nun eine entsprechende Statistik, um darauf besser reagieren zu können.

Angesichts mehrerer Messerattacken von Jugendlichen fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine statistische Erfassung dieser Angriffe. Es sei zu beobachten, dass zunehmend Jugendliche und Heranwachsende Messer bei sich trügen, sagte der niedersächsische GdP-Landeschef Dietmar Schilff. "Wir sehen darin einen neuen gefährlichen Trend, da sich in Sekundenbruchteilen lebensgefährliche Situationen entwickeln können."

Eine 24-Jährige war am Samstag in Burgwedel bei Hannover niedergestochen worden. Sie befindet sich noch in Lebensgefahr, nach einer Not-OP liegt sie im künstlichen Koma. Der mutmaßliche Täter - ein 17 Jahre alter Syrer - schwieg zum Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung. Bereits am Freitag war in Bochum ein 15-Jähriger niedergestochen worden. Ein 16-jähriger Syrer kam daraufhin in eine Jugendstrafanstalt.

Anders als Schusswaffen werden Messer als Tatwerkzeuge in den meisten Bundesländern in den Statistiken der Polizei nicht separat erfasst. "Wir müssen wissen, wo vermehrt solche Taten begangen werden und von wem, um reagieren zu können", sagte Schilff daher. So könnte zum Beispiel das Training für das Verhalten bei Einsätzen besser angepasst werden. Auch die Justiz sei gefragt, mit harten Urteilen eine abschreckende Wirkung zu erzielen.

Zuletzt mehrere tödliche Attacken

Die Hintergründe der Attacke in Burgwedel sind noch unklar. Nach den bisherigen Erkenntnissen habe das Opfer einen Streit schlichten wollen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Thomas Klinge. Die Frau und ihr 25 Jahre alter Lebensgefährte waren mit zwei 13 und 14 Jahre alten Jugendlichen verbal aneinander geraten. Auf dem Heimweg traf das Paar die Jungen wieder, allerdings hatte der 14-Jährige dann seinen 17 Jahre alten Bruder dabei.

Der Streit flammte wieder auf, in einer Rangelei soll der 17-Jährige die Frau lebensgefährlich verletzt haben. Der junge Mann flüchtete, wurde kurze Zeit später gefasst und sitzt nun in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft wohnte er nicht in einer Flüchtlingsunterkunft, sondern zusammen mit seiner Familie. Es handele sich um keinen Intensivtäter, sagte Klinge.

Im Fall des Messerangriffs in Bochum teilte die Staatsanwaltschaft am auf Anfrage mit, dass der verdächtige 16-Jährige ein Mitschüler des 15 Jahre alten Opfers war. Die Teenager waren in einer Gruppe von 20 bis 25 Jugendlichen in einem Park aneinander geraten. Worum es bei dem Streit ging, war noch unklar. Der 15-Jährige war nicht in Lebensgefahr.

In den vergangenen Monaten hatten tödliche Messerangriffe - unter anderem in Berlin, Kandel, Lünen und Dortmund - Entsetzen ausgelöst. Die mutmaßlichen Täter waren in einigen Fällen Flüchtlinge, in anderen Fällen Deutsche.

Quelle: n-tv.de, fhe/dpa

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