Politik

Cyberattacken auf Wahlkommission Russland startet in die Präsidentschaftswahl

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Zwei Wähler geben am Sonntagmorgen in einem Wahllokal auf der Halbinsel Kamtschatka ihre Stimmen ab.

(Foto: dpa)

Umgeben von Skandalen geht Wladimir Putin in seine vorläufig letzte Präsidentschaftswahl. Das Ergebnis scheint schon festzustehen - und auch über die Wahlbeteiligung dürfte Putin sich freuen.

In Russland ist die Präsidentenwahl angelaufen, bei der Staatschef Wladimir Putin weitere sechs Jahre im Kreml ansteuert. Er tritt gegen sieben weitere Kandidaten an, die allerdings als chancenlos gelten. Die ersten Wahllokale öffneten im Fernen Osten Russlands auf der Halbinsel Kamtschatka am Sonntagmorgen um 8 Uhr Ortszeit (Samstagabend 21 Uhr MEZ). Das Computernetzwerk der russischen Wahlkommission musste nach Angaben der Wahlleitung bereits Cyberattacken aus 15 Ländern abwehren, die versuchten, die Server mit Massenanfragen zum Absturz zu bringen.

Weil sich das größte Land der Welt über insgesamt elf Zeitzonen erstreckt, werden erste Ergebnisse erst am Sonntag um 19 Uhr MEZ erwartet. Dann schließen nämlich die am westlichsten gelegenen Wahllokale in der Ostsee-Enklave Kaliningrad. Wahlberechtigt sind etwa 109 Millionen Menschen. Experten gehen davon aus, dass Putin die Wahl klar gewinnen wird. Als Indiz für die Stimmung im Land wird deshalb die Höhe der Wahlbeteiligung gewertet.

Auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka teilte die regionale Wahlkommission mit, in den ersten sieben Stunden hätten bereits 54,1 Prozent der Wähler teilgenommen. Bei der letzten Präsidentenwahl 2012 seien es bis dahin 46,1 Prozent gewesen. Aus dem sibirischen Gebiet Irkutsk wurde ein um sechs Prozentpunkte höheres Wählerinteresse gemeldet. An der Wahl 2012 hatten nach offiziellen Angaben 65,3 Prozent der Wähler teilgenommen. Putin siegte mit 64,4 Prozent.

Polizei geht gegen Demonstranten vor

Die heutige Wahl findet am vierten Jahrestag der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 statt, die Putins Popularität damals gestärkt hatte. Die neue Legislaturperiode läuft 2024 aus, danach dürfte Putin nach derzeit gültiger Verfassung nicht mehr für das Präsidentenamt kandidieren. Der Präsident führt Russland seit dem Rücktritt Boris Jelzins vor 18 Jahren.

Die Polizei ging am Samstag massiv gegen Anhänger des Oppositionellen Alexej Nawalny vor, der zu einem Boykott aufgerufen hat. Mehrere Aktivisten seien festgenommen worden, schrieb Nawalny auf Twitter. Nawalny selbst darf aufgrund einer Vorstrafe nicht bei der Wahl antreten.

Überschattet wird die Abstimmung auch durch den Konflikt mit dem Westen nach dem Giftanschlag auf einen Ex-Agenten in Großbritannien. London beschuldigt Russland, hinter dem Attentat zu stecken. Moskau dementiert jede Schuld. Als Reaktion wies Großbritannien 23 Diplomaten aus, am Samstag erklärte Moskau wiederum 23 britische Vertreter zu unerwünschten Personen. Putin selbst hatte vor der Wahl das Bild von Russland als eine belagerte Festung gezeichnet, die sich gegen Angriffe des Westens wehren müsse. In der Krise sollten sich die Bürger um ihren Präsidenten scharen.

Quelle: ntv.de, lou/dpa/AFP

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