Politik

Ein Karrierist ist fast am Ziel Söder arbeitet an seinem Meisterstück

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Seehofer (l.) will Söder verhindern - der aber will unbedingt an die Macht.

(Foto: picture alliance / Sven Hoppe/dp)

Mit 16 trat er in die CSU ein, seitdem geht es nach oben. Nun winkt die Staatskanzlei. Markus Söder ist ehrgeizig, er hat hart dafür gearbeitet. Aber er weiß auch, dass er sich nun keinen Fehler erlauben darf.

Am Ende könnte es noch schiefgehen. Ein falscher Schritt, ein falsch verstandenes Zitat, eine falsche Meldung könnten den Karrieretraum zunichtemachen. Markus Söder weiß das. Und er tut alles, um genau das zu verhindern.

Lammfromm gibt sich der bayerische Finanzminister dieser Tage. Die CSU gespalten? Nein, es gebe nur "viele, die sich Sorgen machen". Horst Seehofer stürzen? Nein, es sei eine "intensive Standortdebatte". "In zehn Tagen circa soll dann weißer Rauch aufsteigen und ein geschlossenes und einiges Ergebnis zum Parteitag präsentiert werden", sagte Söder am Mittwoch dem ZDF. Papstwahl bei der CSU. Das passt zum eigenen Anspruch.

Seit der Bundestagswahl gilt Seehofer, in Personalunion bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef, als angeschlagen. Markus Söder ist sein schärfster Herausforderer. Zumal sich Seehofer nicht, wie einst geplant, 2018 zurückzieht. Er macht weiter - um Söder zu verhindern. Das reizt den Konkurrenten umso mehr.

Aber es ist nicht nur eine Auseinandersetzung zweier Politiker. Es geht um mehr. Hier der CSU-Chef mit seiner Basis in Bayern, da der Herausforderer aus Franken. Hier der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Bundesminister, der sich in Berlin bestens auskennt. Da der Landtagsabgeordnete und bayerische Staatsminister. Hier der 1949 geborene Seehofer, da der 1967 geborene Söder.

Das Strauß-Poster über dem Bett

Dass es auch um einen Generationswechsel geht, wurde spätestens klar, als sich die bayerische Junge Union kürzlich klar hinter Söder stellte und Seehofers Rücktritt forderte. Söder gilt als bestens vernetzt in der CSU. Viele Angriffe auf den CSU-Chef kommen nicht von ihm selbst, sondern aus seinem Umfeld.

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Söder ist für seine auffälligen Karnevals-Kostüme bekannt - hier 2014 als Disney-Figur "Shrek".

(Foto: picture alliance / David Ebener/)

Während Seehofer lange auf Bundesebene aktiv war, baute Söder Schritt für Schritt seine Karriere in Bayern auf. Schon als Jugendlicher bewunderte er einen früheren Ministerpräsidenten: Franz Josef Strauß. Ein großes Poster hing über seinem Bett. Als "Kraftuhrwerk" und "Titan der Worte" hat er den zeitlebens polarisierenden Politiker bezeichnet.

Mit 16 Jahren trat Söder in die CSU ein, acht Jahre lang war er Chef der Jungen Union in dem Bundesland. Seit 1994 sitzt der promovierte Jurist im Landtag, seit 1995 im CSU-Präsidium, kurz darauf wurde er Kreisvorsitzender, später Bezirksvorsitzender. Von 2003 bis 2007 war Söder Generalsekretär seiner Partei, seitdem ist er Minister. Zu seinen Förderern gehört Edmund Stoiber ("eine politische Vaterfigur"), der nun Teil der Kommission ist, die die Personalfrage lösen soll. Und Söder will seine Karriere, auf die er seit Jahren ehrgeizig hinarbeitet, krönen: Er will Regierungschef werden.

Die Chancen stehen gut. In der Landtagsfraktion genießt Söder größeren Rückhalt als der derzeitige Ministerpräsident. Viel Respekt erwarb er sich als hart arbeitender Finanzminister, der den bayerischen Schuldenberg verkleinerte. Auch an der Basis gilt er als beliebt. Nicht umsonst sagte er dem ZDF, dass die personelle Neuaufstellung nicht nur Parteigremien begeistern, sondern auch die Wähler inspirieren müsse.

"Pathologischer Ehrgeiz"

Unumstritten ist Söder aber nicht. Das liegt an seinem Ehrgeiz, den Seehofer einmal als pathologisch bezeichnete - er warf ihm "zu viele Schmutzeleien" vor. Auch Söders Hang zum Populismus steht oft in der Kritik. Er gilt als Scharfmacher, der gern kontroverse Themen aufgreift. Bei manchen Wählern an der bayerischen Basis kommt seine mitunter ruppige und provokative Art an, bei anderen und im Rest der Republik kann das verstörend wirken. Dabei weiß Söder genau, wie er ankommt. Er weiß, wie Medien funktionieren, war Volontär und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk, leitete lange die CSU-Medienkommission.

Aber der Franke weiß auch, dass er mit einer konsequent harten Linie die AfD in Bayern, die bei der Bundestagswahl stark abschnitt, in die Schranken weisen könnte. Gefragt sei in der CSU nun "die geschlossenste", aber auch "die stärkste Lösung", betont Söder - ein Seitenhieb auf das schlechte Abschneiden der Partei, für das Seehofer verantwortlich gemacht wird. Klar ist, dass er an der Spitze politisch nur überleben könnte, wenn er die CSU zu alter Stärke zurückführt.

Also reißt er sich zusammen und gibt sich zurückhaltend. Derzeit sollen Seehofer und Söder in "intensivem Kontakt" stehen, hinter den Kulissen, wo sie sich doch sonst nicht viel zu sagen haben. Aber Söder weiß, worum es geht: Ein falsches Wort, ein direkter Angriff, und sein Traum von der Staatskanzlei könnte ausgeträumt sein. Königsmörder sind nicht hoch angesehen in der CSU. Der machtbewusste Söder hat zu viel erreicht, um das jetzt zu riskieren. Seine derzeitige Geduld könnte sein Meisterstück werden.

Quelle: n-tv.de

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