Politik

"Sag' Du selber was dazu" Söder setzt Vize Aiwanger unter Impfdruck

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Einer geimpft, einer ungeimpft: Bayerns Ministerpräsident Söder und sein Stellvertreter Aiwanger bei einer Pressekonferenz im Mai.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Eine Impfpflicht in Deutschland gibt es nicht und soll es nicht geben. Das heißt aber nicht, dass Impfverweigerer ganz ohne Druck durchs Leben kommen. Sogar Söders Stellvertreter im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten soll sich öffentlich erklären, warum er ungeimpft ist.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat seinen Stellvertreter Hubert Aiwanger von den Freien Wählern öffentlich zu einer Rechtfertigung gedrängt, warum er noch nicht gegen das Coronavirus geimpft ist. "Vielleicht sagst Du selber was dazu, warum Du einfach Dich nicht impfen lassen willst", sagte der CSU-Chef im Anschluss an eine Kabinettssitzung zu dem an seiner Seite stehenden Aiwanger. Sich jetzt impfen zu lassen, sei kein Vordrängeln mehr, erklärte Söder weiter.

In Bayern gibt es derzeit Anzeichen für eine nachlassende Impfbereitschaft. Söder kündigte in dem Zusammenhang nach einem Impfgipfel an, die Impfbereitschaft seiner Minister und Staatssekretäre im Kabinett zu besprechen.

Aiwanger ließ sich vom Druck des CSU-Chefs nicht beeindrucken, beantwortete aber auch die Frage nicht, warum er auf eine Impfung verzichtet. "Die Entscheidung, ob sich jemand impfen lässt oder nicht, ist eine persönliche Entscheidung - die nehme ich auch für mich in Anspruch", sagte der Freie-Wähler-Chef. Er wolle sich die Entwicklung "in den nächsten Wochen und Monaten" anschauen. Er sage nicht grundsätzlich Nein zum Impfen, wolle dies aber jetzt nicht. "Wir sollten keinen öffentlichen Druck aufbauen", forderte Aiwanger.

Viele Terminabsagen: Impfmüdigkeit oder Ferienzeit

Derweil kommen aus mehreren Bundesländern beunruhigende Signale, dass die Impfbereitschaft der Bevölkerung abnimmt. Laut einer Umfrage von ntv bei den Gesundheitsministerien der Länder erscheinen immer öfter Bürger nicht zu ihrem Impftermin. Die sogenannte Rate der "No-shows" ist in den Bundesländern allerdings unterschiedlich hoch. Elf Ministerien haben die Anfrage am Sonntag beantwortet.

Während Thüringen und Berlin von jeweils einem und zwei Prozent berichten, beträgt der Anteil in Schleswig-Holstein gut drei Prozent, in Niedersachsen gut vier Prozent und in Rheinland-Pfalz sechs Prozent. In Brandenburger Impfzentren liegt der Wert bei fünf bis zehn Prozent. Bremen meldet zehn Prozent, Sachsen knapp zwölf. In Hessen sind es sogar schon 20 Prozent. In den Impfzentren des Raums Westfalen-Lippe schwankt die Quote zwischen 10 und 30 Prozent, so berichtet es das Gesundheitsministerium in Düsseldorf. Experten sehen für die Terminabsagen mehrere Gründe: Die Urlaubszeit, einen anderweitigen Termin des Impflings etwa beim Hausarzt oder tatsächlich nachlassende Impfbereitschaft.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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