Politik

"Gräueltaten" statt Völkermord US-Außenamt knickt vor Erdogan ein

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Zu Besuch bei Trump: Der türkische Präsident Erdogan im November im Weißen Haus.

(Foto: imago images/Kyodo News)

Mit seinen Drohungen dringt der türkische Präsident Erdogan in Washington durch. Dass der Kongress die Massaker an den Armeniern als Völkermord ansieht, erzürnte Ankara sehr. Nun distanziert sich das US-Außenministerium davon und wählt den Begriff von Staatschef Trump.

Das US-Außenministerium hat sich von der - von Ankara heftig kritisierten - Armenien-Resolution des Kongresses distanziert. "Die Position der Regierung ist unverändert", teilte die Sprecherin des Außenministeriums, Morgan Ortagus, in Washington mit. "Unsere Ansichten spiegeln sich in der maßgeblichen Stellungnahme des Präsidenten zu diesem Thema vom vergangenen April wider." Das Weiße Haus hatte im April mit Blick auf Armenien von "einer der schlimmsten Massengräueltaten des 20. Jahrhunderts" gesprochen, den Begriff "Völkermord" aber ausdrücklich vermieden.

Der US-Kongress dagegen hatte die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges kürzlich als Völkermord anerkannt - sehr zum Missfallen der Türkei. Nach dem Repräsentantenhaus verabschiedete der Senat in der vergangenen Woche einstimmig eine entsprechende Resolution. Dort heißt es, "dass es die Politik der Vereinigten Staaten ist, des Völkermordes an den Armeniern durch offizielle Anerkennung und Erinnerung zu gedenken". Man verurteile die Tötung von geschätzten 1,5 Millionen Armeniern durch das Osmanische Reich. Die Kongress-Resolutionen sind rechtlich nicht bindend, haben aber Symbolkraft und Gewicht für die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei.

Die Regierung in Ankara reagierte erbost, warnte, die Resolution gefährde die Beziehungen zwischen den Nato-Partnern USA und Türkei, und bestellte den US-Botschafter ein. Während des Ersten Weltkriegs waren Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

Quelle: ntv.de, mau/dpa