Politik

Trump-Gegner bei Linken verhasst US-Milliardär David Koch ist tot

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David Koch war der reichste New Yorker, Großspender für Kunst und Kultur und als politischer Strippenzieher eine Hassfigur für Amerikas Linke.

(Foto: REUTERS)

Vielen Demokraten gelten sie als Inbegriff der großkapitalistischen Strippenzieher: David und Charles Koch, Industrielle aus Kansas mit gewaltigem Einfluss in Washington und dem Rest der USA. Nun ist einer von ihnen, David, gestorben.

Einer der umstrittensten Geldgeber der US-Politik ist tot: Wie der US-Sender CBS berichtet, ist der Multi-Milliardär David Koch im Alter von 79 Jahren gestorben. Koch und sein älterer Bruder Charles übten großen Einfluss auf die Republikanische Partei aus, deren Kandidaten sie mit Millionenspenden unterstützten. David Kochs Gesundheitszustand habe sich zuletzt verschlechtert, heißt es bei CBS. Im vergangenen Jahr habe er sich bereits aus der Firma zurückgezogen. Sein Bruder Charles ließ demnach mitteilen, David werde vermisst, aber "nicht vergessen" werden.

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Charles Koch bestätigte den Tod seines Bruders.

(Foto: AP)

Während der fünf Jahre ältere Charles in Wichita (Kansas) den Industriebetrieb Koch Industries leitete und zum zweitgrößten US-Konzern in Privatbesitz ausbaute, lebte David Koch in New York City und stieg dort zum reichsten Einwohner der Stadt auf. Laut "New York Times" führte David ein Playboy-Dasein, feierte Partys mit Models und genoss das Leben in vollen Zügen - nachdem er 1991 einen Flugzeugabsturz überlebt hatte, änderte er sich demnach jedoch, heiratete und führte einen ruhigeres Leben.

Die beiden Brüder belegten mit einem geschätzten Vermögen von je mehr als 40 Milliarden Dollar die Plätze sieben und acht der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt. Das Geld nutzte David in seiner Wahlheimatstadt für zahlreiche Spenden an Einrichtungen in Kunst und Kultur - so unterstützte er etwa das Metropolitan Museum of Art oder das American Museum of Natural History.

Besonders bekannt - und bei den Demokraten verschrien - waren die Brüder aber für ihr Engagement in der Politik. Nach erfolglosen Versuchen selbst zu kandidieren, stiegen sie in den 90er Jahren zu Großspendern der Republikaner auf. Linksstehenden Politikern wie etwa Bernie Sanders galten sie als die Verkörperung der großkapitalistischen Strippenzieher, die sich, wie es in der "New York Times" heißt, mit ihrem Geld überall Einfluss verschaffen, den Ausgang von Wahlen mitbestimmen und unter einem patriotischen und freiheitlichen Deckmantel bloß Steuersenkungen und Regulierungen für Industriekonzerne wie die ihren durchboxen wollten.

Mindestens 100 Millionen Dollar für Tea Party

Dabei halfen die Koch-Brüder beim Aufstieg der weit rechts stehende Tea-Party-Bewegung, die mittlerweile starken Einfluss in der republikanischen Partei ausübt. Laut "New York Times" sollen die Kochs seit den 70er Jahren allein mindestens 100 Millionen Dollar an die Bewegung gespendet haben. Sie leugneten demnach allerdings, jemals direkt einen der Kandidaten finanziert zu haben. Geld floss aber in die Gründung der Organisation "Americans for Prosperity" (Amerikaner für Wohlstand), eine rechte Lobbygruppe, die die Tea Party unterstützte.

Ebenso sei Geld in andere Organisationen geflossen, die für eine Streichung von Sozialprogrammen, die Schwächung von Gewerkschaften, die Lockerung von Umweltschutz-Bestimmungen und Steuersenkungen kämpften. Im ganzen Land finanzierten die Koch-Brüder Kandidaten gegen Gruppen und Initiativen, die ihren Vorstellungen widersprachen - unter anderem setzten sie sich gegen den Bau öffentlicher Verkehrssysteme ein.

Mit dem derzeitigen US-Präsidenten, obwohl Republikaner, verstanden sie sich dagegen nicht besonders gut. Während des vergangenen Präsidentschaftswahlkampfes kündigten die Koch-Brüder an, Trump nicht zu unterstützen. David Koch überwarf sich sogar öffentlich mit ihm und kritisierte seine Handels- und Einwanderungspolitik. Trump bezeichnete den Einfluss der Kochs als "überschätzt" und nannte Koch "einen totalen Witz in echten Republikaner-Kreisen". Der heutige Präsident hatte selbst Wahlkampf mit dem Versprechen gemacht, als Milliardär nicht auf die Hilfe von Milliardären angewiesen und somit nicht käuflich zu sein - das konnte man als Anspielung auf Großsspender wie die Koch-Brüder verstehen.

Wie das Engagement in der Politik nach dem Tod David Kochs weitergeht, ist ungewiss. Wahrscheinlich ist aber, dass es fortgesetzt wird. Denn wie Koch-Biograph Daniel Schulman dem Sender NPR sagte, müsse man sich David vorrangig als Philantropen und Mäzen von Kunst und Kultur vorstellen, während es vor allem sein Bruder Charles sei, der die politischen Ideen verbreiten wolle.

Quelle: n-tv.de

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