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Video vom Lkw-Anschlag in Berlin Von Notz "maximal irritiert" über Polizei

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Bei dem Anschlag im Herzen des Berliner Westens wurden elf Menschen ermordet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Beim Lkw-Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 sterben elf Menschen - seit gut einem Jahr ermittelt ein Untersuchungsausschuss, ob die Polizei Fehler gemacht hat. Jetzt gibt es Streit um ein Video vom Tatort, das dem Gremium erst jetzt zugestellt wurde.

Ein bislang zurückgehaltenes Video sorgt im Untersuchungsausschuss zum Weihnachtsmarkt-Anschlag am Berliner Breitscheidplatz für Unmut. "Wir haben die Videos und anderes Beweismaterial bereits vor langer Zeit eingefordert. Dass das erst jetzt kommt, irritiert maximal", zitiert der RBB den Grünen-Vertreter Konstantin von Notz in der Sache. Das Video war der Öffentlichkeit bislang unbekannt, lag der Polizei aber bereits vor.

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Es entstand unmittelbar nachdem der Attentäter Anis Amri einen Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt direkt an der bekannten Gedächtnis-Kirche nahe dem Kurfürstendamm gelenkt hatte. Auf der gut 30-sekündigen Sequenz sind verwackelte Bilder des Tatorts zu sehen. Man sieht den Sattelschlepper, der kurz zuvor 70 bis 80 Meter über den Markt gerollt und schließlich halb auf der Budapester Straße zum Stehen gekommen war.

Interessant: Neben dem Fahrzeug sind mehrere Personen zu sehen. Einer von ihnen könnte Amri selbst sein, heißt es in einem RBB-Bericht. Um wen es sich bei den anderen Personen handelt, ist offenbar unbekannt - waren es möglicherweise Komplizen Amris? Bislang ging man davon aus, dass der Tunesier den Anschlag alleine ausführte.

Zweifel, ob Amri wirklich Einzeltäter war

Der Untersuchungsausschuss hatte dieses Material angefordert, um sich selbst eine Übersicht über die Beweismittel zu verschaffen. Das Gremium will herausfinden, ob die Polizei womöglich Fehler gemacht hat. "Es gibt seit langer Zeit gravierende Zweifel daran, ob Anis Amri ein Einzeltäter war, und dieses Video muss natürlich unter diesem Gesichtspunkt ausgewertet werden", zitiert der RBB von Notz.

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Mit diesen Bildern fahndete die Polizei nach Amri.

(Foto: picture alliance / Bundeskrimina)

Laut dem Sender halten Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt das Video nicht für sonderlich brisant. "Aus der Aufzeichnung haben sich keine wesentlichen verfahrensrelevanten Erkenntnisse oder Ermittlungsansätze ergeben", teilten sie dem RBB schriftlich mit. Die Qualität der Bilder sei zu schlecht. Von Notz will das nicht gelten lassen. "Wir haben den Eindruck, dass man vonseiten der Ermittlungsbehörden versucht, so wenig Steine wie möglich umzudrehen, weil man Sorge hat, was man darunter finden kann."

Bei dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 waren 11 Menschen getötet und 55 verletzt worden. Als Täter wurde der Tunesier Anis Amri identifiziert. Nach einer europaweiten Fahndung wurde er schließlich in Norditalien gestellt. Ein Polizist erschoss den 24-Jährigen dort. Wie in der Folge bekannt wurde, hatte dieser den Lkw einer polnischen Spedition gestohlen und den Fahrer ermordet. Anschließend kam heraus, dass Amri bereits polizeibekannt war. Die Beamten schätzten ihn aber nicht als Terroristen ein.

Konstantin von Notz, Abgeordneter der Grünen im Bundestag, während einer Rede. Foto: Kay Nietfeld/Archivbild

Konstantin von Notz, Abgeordneter der Grünen im Bundestag, während einer Rede. Foto: Kay Nietfeld/Archivbild

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Der Untersuchungsausschuss nahm seine Arbeit am 1. März 2018 auf. Er kam zu der Auffassung, dass Amri den Anschlag nicht spontan und allein ausübte. Insbesondere die Person Bilel ben Ammar geriet in den Fokus - der Landsmann Amris steht unter Verdacht, in die Anschlagspläne eingeweiht oder sogar ein Mittäter gewesen zu sein. Er wurde aber rund sechs Wochen nach dem Anschlag in sein Heimatland abgeschoben.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels wurde die Nationalität Amris falsch angegeben. Er war Tunesier.

Quelle: n-tv.de, vpe

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