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Ukrainetalk bei "Markus Lanz" Weimer: "Der Ukrainekrieg ist verloren"

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Wolfram Weimer erklärt den Ukrainekrieg für verloren und sorgt damit bei "Markus Lanz" für heftige Diskussionen.

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Kann die Ukraine den russischen Angriffskrieg noch gewinnen? Publizist Weimer sagt Nein - und löst damit in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" eine heftige Diskussion aus.

Wolfram Weimer gehört zu den bekanntesten Journalisten und Publizisten in Deutschland. Der Verleger des "European" und ntv.de-Kolumnist hat schon des Öfteren für Diskussionen gesorgt. Seit einigen Tagen polarisiert er mit der Aussage, die Ukraine könne den russischen Angriffskrieg nicht mehr gewinnen, darum sei es nun Zeit, über einen Waffenstillstand zu reden. Am Mittwochabend war er deswegen in der Talkshow "Markus Lanz" im ZDF eingeladen, wo er eine heftige Diskussion auslöste.

Nachdem der russische Präsident Wladimir Putin mit seinem Blitzkrieg in der Ukraine gescheitert sei, konzentriere er seine Kräfte nun im Osten des Landes. "Die Russen rücken sehr langsam vor und es ist sehr blutig. Es ist das größte Hinschlachten einer Nation, das wir in unserem bisherigen Leben erlebt haben", beschreibt Weimer die aktuelle Kriegslage. "Die Ukraine wird diesen Krieg nicht gewinnen", ist sein Fazit. "Deshalb bin ich sehr dafür, möglichst schnell Waffenstillstandsverhandlungen zu führen und nicht weiter darauf zu hoffen, man könnte diesen Krieg irgendwie gewinnen oder als läge in der Streckung des Krieges für uns ein Vorteil", sagt Weimer.

Wenn wir den Krieg weiterführten, würde auch die russische Armee weiter vorrücken. Die Russen dagegen könnten sich nach einem Waffenstillstand nicht so schnell sortieren wie wir. Ein Ende des Krieges werde auch bedeuten, dass nicht mehr 300 bis 500 Menschen täglich geopfert würden. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, die diplomatische Karte zu ziehen. "Das würde ich mir von der Bundesregierung wünschen, die den Kanal nach Moskau immer offen gehalten hat."

"Wir machen gar nichts"

Sicherheitsexpertin Florence Gaub wirkt in diesem Moment recht wütend. Weimer habe immer wieder von "wir" gesprochen. "Wir machen gar nichts", weist Gaub ihn zurecht. Wir kämpften nicht in der Ukraine. "Die Ukrainer brauchen keine Truppen, die haben sie. Das sind nicht wir. Und wir sind auch nicht die, die sie ermutigen, weiterzukämpfen. Es ist ihre eigene Entscheidung." Sie teile auch nicht die Annahme, dass Russland vorrücke. Die Front verschiebe sich vor und zurück. Natürlich sei die russische Armee in der Offensive. Den Ukrainern gehe es darum, dass wieder sie in die Offensive kommen. Dazu fehle ihnen Artillerie und sie dominierten nicht den Luftraum. "Aber jetzt zu sagen, die Ukraine könne den Krieg nicht gewinnen, finde ich zynisch", sagt Gaub.

Zudem kritisiert sie die Ziele, die Russland für einen Friedensvertrag zur Bedingung gemacht habe. Sie bedeuteten die faktische Kapitulation der Ukraine. "Putin ist noch nicht an dem Punkt angelangt, wo er einen Deal will", fasst die Sicherheitsexpertin zusammen.

Auch FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff ist mit den Aussagen Weimers nicht einverstanden. Die Ukraine habe ihr wichtigstes Kriegsziel schon erreicht: ihre staatliche Existenz. Nun sei es die Entscheidung der Ukrainer, wann sie Russland Friedensverhandlungen anböten. Das sei aktuell nicht möglich: "Es gibt eine Verstocktheit auf der anderen Seite."

"Man kann nicht sagen, wer der Stärkere ist"

Wenn er von "wir" spräche, meine er die Alliierten. "Wir liefern ihnen Waffen, wir geben ihnen Geld, wir organisieren einen Staatenbund." "Sollen wir damit aufhören?", will Graf Lambsdorff wissen. Weimer bleibt die Antwort schuldig, fordert aber, Deutschland solle den italienischen Vorschlag unterstützen, gemeinsam mit der Türkei in einen Verhandlungsmodus einzutreten.

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Gaub kann die ethischen Probleme Weimers verstehen, weist aber darauf hin, dass für die Ukrainer Souveränität und Nationalität auf dem Prüfstand stehen. "Wenn die Ukrainer dafür sterben wollen, ist es nicht an uns, zu sagen: Ich bin nicht mehr dein Alliierter."

Russland habe ihrer Ansicht nach den Krieg noch nicht gewonnen, sagt Gaub. "Die Ukrainer haben die bessere Motivation, aber sie haben nicht die gleichen Waffen und das gleiche Material. Aber Putin hat ein Problem mit seinen Truppen." Er müsse ständig neue junge Männer aus der Provinz rekrutieren, die nach fünftägiger Ausbildung an die Front geschickt würden. Die Sterberate in der russischen Armee sei enorm. "Man kann nicht sagen, wer der Stärkere ist. Es ist zu früh, zu sagen, die Ukraine habe den Krieg verloren."

Quelle: ntv.de

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