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Hier sollen die beiden Giftgaseinsätze passiert sein: Die syrische Stadt Al-Lataminah.
Hier sollen die beiden Giftgaseinsätze passiert sein: Die syrische Stadt Al-Lataminah.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 13. Juni 2018

Bodenproben und Zeugenaussagen: Wieder Giftgas in Syrien eingesetzt

Es ist nicht der erste Chemiewaffen-Einsatz in Syrien. Diesmal passiert er in der Provinz Hama - die OPCW deckt ihn erst mehr als ein Jahr später auf. Es wird wohl das gleiche Giftgas genutzt wie später im April.

Die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hat erneut den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien bestätigt. Die OPCW hält deren Einsatz bei zwei Angriffen im vergangenen Frühjahr für "sehr wahrscheinlich". Südlich der Stadt Al-Lataminah in der Provinz Hama im Nordwesten Syriens sei am 24. März 2017 höchstwahrscheinlich das Nervengas Sarin eingesetzt worden, teilte die OPCW in Den Haag mit. Einen Tag später sei beim Krankenhaus der Stadt auch das giftige Chlorgas als Waffe verwendet worden.

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Experten der OPCW hatten dies auf der Grundlage von Zeugenaussagen, Gewebe- und Bodenproben herausgefunden. Aufgrund der Masse an Material habe die Untersuchung besonders lange gedauert. Die OPCW stellt nicht fest, wer für den Einsatz der verbotenen Chemiewaffen verantwortlich war. Dazu hat sie kein Mandat. Der Bericht sei den Vertragsstaaten und dem UN-Sicherheitsrat übergeben worden. Ob es bei den Angriffen Verletzte und Tote gegeben hatte, teilte die OPCW nicht mit.

Zuletzt war im April vermutlich ebenfalls Chlorgas in Duma in Syrien eingesetzt worden. Daraufhin flogen die USA und westliche Verbündete Luftangriffe auf Ziele der syrischen Armee. Frankreich, die USA und Großbritannien werfen der syrischen Regierung den Einsatz von Giftgas gegen die eigene Bevölkerung vor. Die syrische Regierung und Russland weisen die Vorwürfe zurück. Die Regierung in Damaskus gibt an, seit einem Abkommen von 2013 über keine solchen Kampfstoffe mehr zu verfügen. Der Bericht der OPCW zu diesem Vorfall soll noch in diesem Monat vorgelegt werden.

Syrien war nach einem Giftgasangriff 2013 unter starkem internationalen Druck der OPCW beigetreten und hatte der Vernichtung seiner Chemiewaffen zugestimmt. Bis jetzt ist aber unklar, ob Syrien tatsächlich alle Bestände gemeldet hatte. Chlorgas fällt nicht unter das Verbot, da es auch für zivile Zwecke eingesetzt werden kann.

Quelle: n-tv.de