Politik

Verbindung zum Wirecard-Skandal? Wiener Diplomat leakte Nowitschok-Akten

219191931.jpg

Außenministerium in Wien: Österreichs Regierung hat ein Nowitschok-Problem.

(Foto: picture alliance)

Ein Mitarbeiter des österreichischen Außenministeriums gibt Geheimpapiere zu einem Nowitschok-Anschlag an einen Verfassungsschutzmann weiter. Der betätigt sich als Spion für Russland. Auf die Schliche der beiden kommen die Behörden, weil Wirecard-Manager Marsalek damit prahlt.

Ein jüngst suspendierter ranghoher österreichischer Diplomat soll vertrauliche Dokumente zum Nervengift Nowitschok und der Affäre um den vergifteten russischen Doppelagenten Sergej Skripal weitergegeben haben. Wie die österreichischen Zeitungen "Die Presse" und "Standard" unter Berufung auf Gerichtsunterlagen berichteten, ließ der damalige Generalsekretär des Außenministeriums, Johannes Peterlik, die Dokumente im Oktober 2018 einem ehemaligen österreichischen Geheimdienstbeamten zukommen, der für Russland spioniert haben soll.

Das österreichische Außenministerium teilte auf Anfrage mit, dass Peterlik Mitte Oktober von seiner jüngsten Position als Botschafter in Indonesien in Folge eines Ermittlungsverfahrens abberufen worden sei. Details zu den Vorwürfen wurden offiziell nicht genannt.

Den Medienberichten zufolge hatten die österreichischen Behörden die fraglichen Nowitschok-Dokumente von der "Organisation für das Verbot chemischer Waffen" (OPCW) erhalten. Peterlik habe diese dann angefordert und vermutlich weitergegeben. Die Dokumente enthielten demnach Angaben zur Nowitschok-Formel sowie zum Giftanschlag auf Skripal im März 2018 im britischen Salisbury. "Die internationale Zusammenarbeit im Geheimdienstbereich wurde gefährdet", zitierte "Die Presse" die Ermittler.

Marsaleks Rolle noch unklar

Ins Rollen gebracht wurden die Ermittlungen demnach im Zuge der Untersuchungen des Wirecard-Skandals: So habe der untergetauchte Wirecard-Manager Jan Marsalek - ein Österreicher - wenige Wochen später in London mit den geheimen OPCW-Dokumenten geprahlt, deren österreichische Herkunft mit einem Barcode habe belegt werden können. Wie Marsalek seinerseits an die Dokumente kam, sei offenbar bislang unklar.

Der ehemalige Wirecard-Chef Markus Braun und zwei weitere Ex-Vorstände wurden im Juli 2020 festgenommen. Marsalek flüchtete, er wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Braun äußerte sich im Mai über seinen Kommunikationsberater in der "Zeit". Er will von dem milliardenschweren Betrug erst aus den Akten der Ermittler erfahren haben. Die Verantwortung schob er auf seinen früheren Geschäftspartner Marsalek.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.