Politik

Interview mit Angela Merkel "Wir dürfen keine falschen Hoffnungen wecken"

Im Exklusiv-Interview mit ntv und RTL warnt Bundeskanzlerin Merkel vor übereilten Lockerungen der Corona-Maßnahmen. "Ein schnelles Öffnen, um schnell wieder zuzumachen, das haben leider viele unserer Nachbarn gemacht, hilft uns auch nicht."

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eindringlich um Verständnis für ihre Corona-Politik geworben. Sie müsse immer wieder "harte Entscheidungen treffen", sagte sie im Interview mit ntv und RTL. "Und wie gerne würde ich auch was Gutes verkünden. Aber es hat ja keinen Sinn, wir dürfen ja auch keine falschen Hoffnungen wecken, und deshalb versuche ich, immer realistisch zu sein."

Merkel räumte ein, dass dies eine "harte Zeit" sei. "Da ist etwas über uns gekommen, zu uns gekommen, was hundert Jahre so schlimm nicht war - die Spanische Grippe war die letzte Pandemie - und das verändert die Welt."

Exklusiv um 20.15 Uhr bei ntv und RTL: Kanzlerin Merkel im Interview

ntv und RTL strahlen am heutigen Donnerstagabend (20.15 Uhr) ein Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel aus. In der Sendung "Corona-Krise - Deutschland braucht Antworten" stellt sich die Kanzlerin den Fragen von Moderatorin Frauke Ludowig und RTL-Politikchef Nikolaus Blome zur Impfplanung und den Auswirkungen des Lockdowns. Das Interview können Sie auch hier auf ntv.de im Livestream verfolgen.

Auf die Frage, was bei ihrer Konferenz mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten am 10. Februar herauskommen werde, sagte Merkel: "Ich kann's Ihnen noch nicht sagen, was wir Mittwoch machen werden, weil ich noch fünf Tage die Entwicklung abwarten muss. Weil ich mir angucken muss, wie weit ist das britische Virus schon vorgedrungen."

Merkel betonte, es solle am Mittwoch eine Entscheidung geben, "die insgesamt für die Wirtschaft gut ist". Und weiter: "Wenig Infektionszahlen bedeuten auch eine bessere Situation für die Wirtschaft, das haben alle Untersuchungen gezeigt." Die Alternativen seien nicht "Gesundheit oder Wirtschaft" beziehungsweise "Gesundheit oder Bildung", sondern beides gemeinsam. "Die meisten Freiheiten, da wird jeder sich erinnern, hatten wir im Sommer." Damals hätten die Inzidenzen im niedrigen einstelligen Bereich gelegen. "Da war das Maximum an Freiheit, was wir uns leisten können. Und das ist immer das, was man im Hinterkopf haben muss: Ein schnelles Öffnen, um schnell wieder zuzumachen, das haben leider viele unserer Nachbarn gemacht, hilft uns auch nicht."

Mit Blick auf mögliche Lockerungen in einzelnen Bereichen, etwa bei den Frisören, sagte die Bundeskanzlerin: "Jeder einzelne hat sich ja Mühe gegeben. Die Restaurants haben sich Mühe gegeben, die Konzerteinrichtungen haben sich Mühe gegeben, die Frisöre haben sich Mühe gegeben, die Schulen haben sich Mühe gegeben. Aber wir sehen doch: Wenn sie alle zu haben, gehen die Zahlen runter." Deutschland könne sich nicht leisten, in eine Situation zu geraten, wie es etwa Portugal passiert sei: "große Öffnungen um die Weihnachtszeit, die britische Version des Virus, und dann ein überlastetes Gesundheitssystem".

Quelle: ntv.de, hvo