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Rezos CDU-Video Dauerwerbesendung zur Europawahl

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Youtuber Rezo warnt davor, die CDU zu wählen.

(Foto: Screenshot)

Union und SPD zerstören "unser Leben und unsere Zukunft"? Wer mag, kann das so sehen. Aber Rezo ignoriert geflissentlich, wie glänzend es dem Lande geht. Für sein Video hätte der Youtuber einen anderen Titel wählen sollen.

55 Minuten wütet der Youtuber Rezo gegen CDU/CSU und SPD. 55 Minuten Dauerattacke gegen die Parteien, die Deutschland seit 1949 geprägt haben. Kernkritik: "Unser Leben und unsere Zukunft" würden mutwillig zerstört, wegen Untätigkeit beim Klimawandel, einer Politik nur für Reiche und Inkompetenz beim Urheberrecht und in der Drogenpolitik. Ein Fest der freien Meinungsäußerung!

All das kann man machen. Nur leider blendet Rezo lässig aus, was nicht in sein Argumentationsmuster passt. Die Bundesrepublik steht international blendend da, es herrscht nahezu Vollbeschäftigung, die Steuereinnahmen sprudeln. Die Klimaziele werden auch deshalb verpasst, weil Deutschland beides will: Ausstieg aus der Kohle und aus der Atomkraft. Dennoch kann man sagen, CDU/CSU und SPD haben in den zurückliegenden 70 Jahren vielleicht nicht alles falsch gemacht. Es ist kein Zufall, dass fast alle Migranten nach Deutschland reisen wollen - und nicht etwa nach Spanien oder Rumänien.

Eine differenzierte Betrachtung ist bei Rezo allerdings nicht zu entdecken. Er hat sichtlich Spaß daran, die Politiker vorzuführen und bloßzustellen. Was auch nicht besonders schwer fällt, zumal die Angegriffenen zunächst offenbar nichts von diesem Dauerfeuer ahnten und fünf Tage brauchten, um ihre Sprachlosigkeit zu überwinden. Eine Ewigkeit in Zeiten des Internets, und eine Kapitulation vor Leuten wie Rezo, der seinen vollständigen Namen nicht preisgeben mag und sich hinter vier Buchstaben verschanzt.

Aus dieser Deckung heraus ziert er sich nicht, am Ende eine Wahlempfehlung auszusprechen. Im Sinne des Verbrauchers wäre es gewesen, wenn Rezo sein Video als das betitelt hätte, was es letztlich ist: Eine Dauerwerbesendung zur Europawahl für Linke und Grüne.

Quelle: n-tv.de

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