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Nur Impfung gibt Freiheit zurück Ungeimpfte müssen Einschränkungen hinnehmen

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Ungeimpften drohen neue Einschränkungen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Jeder hat das Recht, sich nicht impfen zu lassen. Wer sich so entscheidet, muss es aber akzeptieren, wenn Geimpfte mehr Freiheiten genießen. Eine indirekte Impfpflicht ist das nicht.

Wir sind privilegiert. Während der Großteil der Menschen weltweit sehnsüchtig auf Covid-Impfstoff wartet, die Delta-Variante sich global rasend schnell ausbreitet, gibt es in Deutschland inzwischen ausreichend Impfstoff. Jeder, der sich impfen lassen will, kann das jetzt tun - sofern keinerlei medizinische Gründe dagegensprechen. Dennoch hat eine Minderheit hierzulande nicht vor, sich impfen zu lassen.

Laut Robert-Koch-Institut sind 88 Prozent der Erwachsenen bereits geimpft oder wollen sich impfen lassen. Deshalb können und müssen Beschränkungen so schnell wie möglich und so weitreichend wie möglich fallen - und zwar für diejenigen, die voll geimpft oder genesen sind. Es wird Zeit, dass sie Freiheit und Grundrechte zurückbekommen. Sie sind nicht nur weitgehend vor einem schweren Verlauf geschützt - sie sind auch viel weniger ansteckend und damit eine geringe Gefahr für andere.

Doch das Impftempo nimmt ab, während sich die vierte Corona-Welle auftürmt. Das heißt: Wer sich nicht impfen lassen will, muss sich - im Gegensatz zu Geimpften - im Herbst angesichts kräftig steigender Infektionszahlen wieder auf Einschränkungen einstellen. Das ist zumutbar und wäre die Konsequenz des eigenen Handelns. Selbstverständlich muss Impfen freiwillig bleiben. Doch wer sich dagegen entscheidet, gefährdet sich und andere und muss deshalb Einschränkungen akzeptieren.

Impfung muss freiwillig bleiben

Es wäre absolut richtig, wenn Ungeimpfte - je nach Stärke der neuen Welle - etwa nicht mehr ins Restaurant, ins Kino oder ins Stadion dürfen, also Orten fernbleiben müssen, an denen viele Menschen auf engem Raum versammelt sind. Sie werden hinnehmen müssen, dass sie ihre Kontakte stärker einschränken müssen als Geimpfte. Das ist nicht ungerecht, das ist fair - allein schon deshalb, weil die Zahl der falsch-negativen Tests zu hoch ist. Von Ungeimpften geht schlicht ein viel zu hohes Ansteckungsrisiko aus.

Nein, das ist keine Impfpflicht durch die Hintertür. Es bleibt weiterhin jedem selbst überlassen, ob er sich impfen lässt oder nicht. Wer sich gegen eine Impfung entscheidet, stellt aber die Bewegungsfreiheit und die körperliche Unversehrtheit anderer infrage. Deshalb muss es die ungeimpfte Minderheit akzeptieren, wenn ihre persönliche Freiheit eingeschränkt wird.

Ja, der Druck auf Ungeimpfte wird so zunehmen. Das ist in Ordnung, schließlich befinden wir uns in einer Pandemie. Niemand muss sich impfen lassen. Und niemand sollte für diese Entscheidung an den Pranger gestellt werden. Ungeimpfte dürfen aber nicht erwarten, dass die Mehrheit bei wieder steigenden Infektionszahlen auf ihre Freiheit verzichtet und in den nächsten Lockdown geht.

Quelle: ntv.de

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