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Klimakleber auf dem Flughafen Wo soll der Irrsinn hinführen?

Die "Letzte Generation" schwächt mit ihrem Aktivismus den Staat, dessen Stärke sie gleichzeitig fordert. Das ist widersinnig und kann nicht gut gehen.

Die Klima-Aktivisten der "Letzten Generation" verschärfen ihre zivile Sabotage: Was gestern Kartoffelbrei gegen ein Gemälde war oder ein kurzzeitig blockierter Autobahnzubringer, das ist seit Donnerstag ein ganzer Flughafen, der zusperren muss. Mal abgesehen davon, dass der Berliner Hauptstadtairport viele Probleme hatte und hat und offenkundig nicht gut genug geschützt ist - was nimmt sich die "Letzte Generation" als Nächstes vor? Die Bahn? Das Handynetz? Die Stromversorgung?

In der Logik der Aktivisten sind das alles gleichermaßen legitime Ziele des "zivilen Widerstands", wie sie ihn stolz nennen. Wenn nichts für die Menschheit wichtiger ist, als den Planeten vor dem Verglühen zu retten, dann ist jedes Mittel recht. In den Augen der Aktivisten ist der Sprung vom Gemälde zum Rollfeld darum kein qualitativer, sondern vor allem taktisch notwendig, damit das Publikum sich nicht gewöhnt und die Aufmerksamkeit nicht erlahmt. Aber genau das führt immer tiefer in die Sackgasse.

Die "Letzte Generation" hat ein strategisches Problem, aber blind vor Mission und Selbstergriffenheit sieht sie es nicht: Sie führt zusehends drastischer genau jenen Staat vor, von dem sie sich ein äußerst entschlossenes Durchgreifen wünscht. Die Aktionen stellen den Staat als schwach und angreifbar bloß, denn er kann seine zentrale Infrastruktur gegen die Aktionen nicht schützen. Im Nachgang wirkt der Staat ein weiteres Mal schwach und schlaff, weil die Strafen selbstverständlich im Rahmen der Gesetze und darum niedrig bleiben.

Das kann nicht gutgehen.

Die große Mehrheit der Leute im Land will, dass ihr Staat funktioniert und die Grundbedürfnisse garantiert. Zu dieser sogenannten Daseinsvorsorge, für die Steuern gezahlt werden, gehört möglichst störungsfreie Mobilität in einer extrem arbeitsteiligen Wirtschaft und im privaten Alltag, der oft genug genauso eng getaktet ist.

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Kurzum: Die "Letzte Generation" ist zur Umsetzung ihrer Forderungen auf einen starken Staat angewiesen. Aber sie schwächt den Staat mit jeder Aktion, die ihren Forderungen Nachdruck verleihen sollen. Schon melden sich die ersten Politiker, die eine drastische Verschärfung der möglichen Strafen fordern und zu diesem Zwecke die Aktivisten "Terroristen" nennen. Das ist weit überzogen und komplett geschichtsvergessen. Aber wahr ist auch: In Gang gesetzt wurde die Eskalation von der "Letzten Generation". Wo soll der Irrsinn enden?

Quelle: ntv.de

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