Sport

Gislason geht in die Offensive Ausländerfeind bedroht den Bundestrainer

229075554.jpg

Alfred Gislason bekam schlimme Post.

(Foto: picture alliance/dpa)

Handball-Bundestrainer Alfred Gislason führt die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich zu den Olympischen Spielen, nur zwei Tage später erhält der Isländer schockierende Post: Ein anonymer Absender mit rassistischen Motiven bedroht Gislason. Der geht in die Offensive.

Handball-Bundestrainer Alfred Gislason hat einen Drohbrief mit rassistischem Inhalt bekommen. Der Isländer veröffentlichte auf seinem Instagram-Account Ausschnitte eines an ihn adressierten Briefes. "Wir sind alle deutsch und wünschen uns auch einen deutschen Trainer für die Handballmannschaft", heißt es darin. Für den Fall, dass er sein Amt nicht niederlege, werde man ihn auf seinem Grundstück aufsuchen - "mal sehen was aus ihren Anwesen dann wird", hieß es weiter.

Der 61-Jährige reagierte entsetzt auf den Brief mit zahlreichen Rechtschreibfehlern in wenigen Zeilen. "Schöner Brief in dem Briefkasten heute!!! Nach insgesamt knappen 30 Jahren in Deutschland, das erste mal das ich in diesem großartigen Land bedroht wurde", schrieb Gislason in einem Kommentar dazu. Bei der Suche nach dem Absender rief Gislason auch seine Follower zur Mithilfe auf, indem er den Briefumschlag veröffentlichte und daneben schrieb: "Vielleicht erkennt jemand die Handschrift meines 'Fans'..?"

Gislason, der am Wochenende die deutsche Handball-Nationalmannschaft erfolgreich durch die Qualifikation für die Olympischen Spiele im Sommer geführt hatte, war dazu um Einordnung des Vorfalls bemüht: "Für mich ist klar, dass es ein Einzelfall ist", sagte der 61-Jährige, der mit seiner Frau auf einem Hof bei Magdeburg wohnt. Es sei "sehr eigenartig", so Gislason, "dass jemand dieses Bedürfnis hat, dem Handball und auch mir persönlich zu schaden. Ich habe nie jemandem etwas getan."

Der Isländer lebt seit seiner Zeit als Trainer des Bundesligisten SC Magdeburg unweit der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. Der Deutsche Handballbund (DHB) reagierte umgehend auf den rassistischen Vorfall. "Wir sind entsetzt und verurteilen diese Attacke aufs Schärfste. Wir sichern Alfred jede Unterstützung zu. Er ist sportlich unser Fels in der Brandung, jetzt sind wir menschlich sein Fels in der Brandung", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann der Deutschen Presse-Agentur. "Wer ihn angreift, greift den gesamten deutschen Handball an", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning dem Sport-Informationsdienst und kündigte an, mit aller Vehemenz gegen den oder die Täter vorzugehen: "Wir werden auf jeden Fall rechtliche Schritte einleiten."

Unterstützung erhielt Gislason aus der Handballwelt, unter anderem von seinem Ex-Klub THW Kiel. "Leider nehmen diese Subjekte immer mehr Raum ein - lass Dich nicht unterkriegen, Alfred!", schrieb der THW. Zuvor hatte der Verband bereits via Twitter keinen Zweifel an der Unterstützung für Gislason gelassen. "Alfred Gislason ist unser Bundestrainer - das Herz unseres Teams, mit Leidenschaft & absoluter Identifikation für unsere deutsche Nationalmannschaft. Wir sind dankbar, ihn bei uns zu haben, & wehren uns gegen jede Form von Rassismus & Fremdenfeindlichkeit!", hieß es in der Mitteilung.

Quelle: ntv.de, ter/dpa/sid

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.