"Enttäuschend wie empörend"Aussicht auf russische Flaggen bei Paralympics empört Ukraine

Zuletzt gab es das bei den Paralympischen Winterspielen 2014 in Sotschi: Russische Athleten treten an, in ihre Nationalfarben gehüllt, die russische Flagge wird geschwenkt, die Hymne gespielt. Dass Russland in Italien auf die große Bühne zurückkehrt, irritiert nicht nur die Ukraine.
Der ukrainische Sportminister Matwiy Bidny hat die Zulassung sechs russischer und vier belarussischer Athleten unter eigener Flagge für die Paralympischen Winterspiele aufs Schärfste verurteilt. "Die Entscheidung der Organisatoren der Paralympics, Mördern und ihren Komplizen die Teilnahme an den Paralympischen Spielen unter nationaler Flagge zu gestatten, ist sowohl enttäuschend als auch empörend", schrieb Bidny am Morgen in den sozialen Medien.
Aus seiner Sicht hätten die Flaggen von Russland und Belarus "keinen Platz bei internationalen Sportveranstaltungen, die für Fairness, Integrität und Respekt stehen", führte der 46-Jährige aus. Denn dies seien "Flaggen von Regimen, die den Sport zu einem Instrument des Krieges, der Lügen und der Verachtung gemacht haben". In Russland sei "der paralympische Sport zu einer Stütze für diejenigen geworden, die Putin in die Ukraine geschickt hat, um zu töten – und die mit Verletzungen und Behinderungen aus der Ukraine zurückgekehrt sind".
Das Nationale Paralympische Komitee Russlands (RPC) erhielt bei der Vergabe sogenannter Bipartite-Plätze Wildcards in den Bereichen Alpin, Langlauf und Snowboard für die Spiele (6. bis 15. März). Bei den Wettbewerben werden unter anderem der dreifache Paralympics-Sieger Alexei Bugajew, die zweifache Weltmeisterin Warwara Woronchichina oder der mehrfache Weltmeister Iwan Golubkow antreten.
"So heftig den Ukrainerinnen gegenüber"
Sowohl die Visa als auch die Kleidung in Nationalfarben seien bereits offiziell genehmigt, erklärte der RPC-Vorsitzende Pawel Roschkow. Er erwarte eine "würdige" Vertretung des Landes. Die Zahl der Startplätze sei allerdings "katastrophal" niedrig, sagte Langlauf-Trainerin Irina Gromowa: "Natürlich ist es toll, dass es eine Flagge und eine Hymne geben wird, aber die Tatsache, dass wir so wenige sind, erschwert die Aufgabe."
Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) kritisierte die Zulassung zum wiederholten Male, auch die Athletinnen und Athleten sehen dies kritisch. "Ich finde es so heftig den Ukrainerinnen gegenüber", sagte Johanna Recktenwald. Es habe sich "nichts geändert", führte Deutschlands Parasportlerin des Jahres aus: "Deshalb verstehen wir nicht, wieso sie jetzt wieder starten dürfen mit Flagge, Hymne und allem."
Es sei schon bei den Weltcups zuletzt "ganz schwierig" gewesen, wie man sich gegenüber den russischen Konkurrenten verhalte, sagte Langläufer Marco Maier. Er finde es "nicht fair gegenüber allen anderen und vor allem der Ukraine". Bidny sagte, es sei "noch nicht zu spät, zur Vernunft zu kommen und die Staatssymbole von Mördern bei internationalen Wettkämpfen zu verbieten". Er rief den Entscheidern zu: "Zeigen Sie Mut!"