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Regel-Chaos im HandballBundesligist spielt Champions League, wenn er verliert

01.06.2026, 13:06 Uhr Bild-AnjaVon Anja Rau
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Die MT Melsungen feiert den ersten Titel der Vereinsgeschichte. (Foto: IMAGO/DeFodi Images)

Die MT Melsungen gewinnt zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte einen Titel. Der Sieg in der European League soll laut Torhüter Nebojsa Simic anständig gefeiert werden. Dabei steht die Bundesliga vor ihrem Finale - doch da ist es für den Klub tatsächlich besser, wenn er verliert.

"Bei allem, was heute Abend passiert, gibt es eine gute Chance, dass ich mich nicht erinnere." Nebojsa Simic hatte gerade mit der MT Melsungen den ersten Titel der Vereinsgeschichte gewonnen, als der Torhüter im Sieger-Interview mit Dyn Prioritäten setzte. Der Gewinn der European League im Finale gegen Bundesliga-Konkurrent THW Kiel (24:23) soll und muss gefeiert werden. Er beendete das Gespräch mit den Worten: "Ich bin der Champion und das war's, Baby. Simic out."

Aber Moment mal, die Bundesliga ist noch nicht beendet, zwei Spiele stehen noch aus. Trotzdem sagt Simic bereits: "Für mich ist diese Saison fertig." Schließlich hat der Torhüter, der im Finalkrimi den letzten Wurf der Kieler entscheidend hielt, "neun Jahre gewartet, das mit Melsungen zu schaffen". Der Keeper, der im vergangenen Jahr beim Final Four mit einem Kreuzbandriss verletzt zuschauen musste, wurde sogar zum MVP des Wochenendes gekürt.

Champions League wird aufgestockt

Nun sei den Melsungern die Feierei gegönnt, aber die Regeländerungen des europäischen Handball-Verbands EHF sorgen dafür, dass Melsungen argwöhnisch von der Konkurrenz beäugt werden könnte. Denn erstmals berechtigt der Gewinn der European League, in der kommenden Saison in der Champions League anzutreten. Die Königsklasse wird von 16 auf 24 Teams erweitert. Mit einem großen, komplexen Aber.

Melsungen darf nur in der Champions League spielen, wenn es eine bestimmte Konstellation in der Bundesliga gibt. Der SC Magdeburg steht bereits als neuer Deutscher Meister fest. Der Titel garantiert den Champions-League-Startplatz, zwei weitere deutsche Klubs können ein Upgrade beantragen. Und so wird es hinter den Magdeburgern kompliziert. Denn die Bundesliga hat nur drei Startplätze für die Königsklasse - und auch der Sieg in der European League erlaubt keinem vierten deutschen Team den Zutritt.

Und so ist der Titel in der European League für einen Bundesligisten dann doch nicht auf alle Fälle das Ticket für die Champions League. Kommen die Sieger der Champions League und der European League aus demselben Land und haben sich beide nicht über die Liga qualifiziert, gibt es nur für den Königsklassen-Gewinner einen Startplatz. Der Sieger der European League darf nur nachrücken, wenn der Champions-League-Sieger Platz eins oder zwei belegt.

Tabellenplatz der Füchse Berlin entscheidend

Das klingt sehr verworren, das konkrete Beispiel in der Bundesliga hängt sich am Vorjahresmeister Füchse Berlin auf. Das Team um den dreimaligen Welthandballer Mathias Gidsel ist aktuell Zweiter in der Tabelle und steht zusätzlich im Final Four der Champions League. Stand jetzt wäre also alles gut für die MT Melsungen, sie dürfte in der Königsklasse antreten.

Sollten die Berliner in den letzten beiden Saisonspielen der Bundesliga aber noch von der SG Flensburg-Handewitt von Platz zwei verdrängt werden, wird es brenzlig. Weil das Champions-League-Finalturnier erst am Wochenende nach dem Bundesliga-Finale stattfindet, stünde eine Champions-League-Teilnahme der Melsunger wieder auf der Kippe.

Die einfache Lösung - für die Rechenspiele und für Melsungen: Die Füchse gewinnen ihr anstehendes Spiel und können dann nicht mehr von Flensburg überholt werden. Obwohl die beiden Spitzenteams am letzten Spieltag in Berlin aufeinandertreffen. Eine Niederlage der Füchse würde Flensburg zwar die Punktgleichheit bringen, die Berliner haben aber das deutlich bessere Torverhältnis (+175 zu +116). Nun will es der Bundesliga-Spielplan, dass die Melsunger dabei selbst nachhelfen können. Denn gegen wen treten die Füchse am Donnerstag (20 Uhr/Dyn) an? Genau, gegen Melsungen.

Eine Pleite - zwei Gewinner

Heißt: Die Hessen müssen "nur" gegen die Füchse verlieren und schon haben sie die Champions League sicher. Eine unglückliche Situation, für die die Melsunger gar nichts können.

Berlin ist der Favorit im Duell, der Tabellen-Zweite reist zum Siebten, der 13 Punkte weniger gesammelt hat. Während die Füchse zuletzt acht Liga-Spiele in Folge nicht verloren, kassierte Melsungen in dieser Zeit zwei Niederlagen. Das Hinspiel endete mit 30:24 für die Füchse, es war der erste Ligasieg unter dem neuen Trainer Nicolej Krickau nach dem Knall in der Führungsetage und den Entlassungen von Trainer Jaron Siewert sowie Sportvorstand Stefan Kretzschmar.

Die Vorzeichen sind klar - und doch sorgen die Regeländerungen der EHF dafür, dass ein Geschmäckle bleibt. Denn bei einer Niederlage der Melsunger gibt es mit der Schlusssirene trotzdem zwei Gewinner.

Quelle: ntv.de

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