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SVW-Großmeister in der Ukraine Er verteidigt sein Leben, nicht mehr den König

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Shevchenko nach dem Gewinn des Titels der Schach-Mannschafts-EM im November 2021.

(Foto: picture alliance/dpa/Photoshot)

Die Schach-Bundesliga beginnt nach langer Pause. Aber während die Corona-Pandemie langsam abklingt, beginnt Russland in der Ukraine einen Krieg. Statt seinem König verteidigt der erst 19-jährige Großmeister Kirill Shevchenko nun sein Leben. Sein Verein, Werder Bremen, hat Angst um ihn.

Sein Schachbrett hat Kirill Shevchenko mit auf die Flucht aus Kiew genommen. Doch statt zum Bundesliga-Start am Wochenende für den SV Werder Bremen zu spielen, sitzt der 19 Jahre alte Großmeister im Westen der Ukraine mit seiner Familie inmitten von russischen Raketen-Angriffen fest und muss um sein Leben fürchten. "Gestern haben wir Waffen gekauft", sagte der Ukrainer.

In der Nähe der ukrainischen Stadt Winnyzja trainiert Shevchenko nun weiterhin täglich so gut es eben geht, auch wenn um ihn herum der Krieg wütet und immer wieder Sirenen heulen. "Wir wissen nicht, was morgen kommt", sagte Shevchenko. Er sei ein bisschen traurig, dass er zum Bundesliga-Start nicht antreten könne. Doch jetzt gelte es, sein Land zu verteidigen, versicherte der 19-Jährige.

Der Internationale Schachverband Fide listet Shevchenko auf Platz 91 der 100 weltbesten Spieler. Er habe hohes Potenzial und sei in Deutschland einer der Top-Bundesliga-Spieler, sagt ein Liga-Sprecher. Der SV Werder Bremen hatte zum Saisonstart große Hoffnung in den jungen Großmeister gesetzt. Nach langer Corona-Pause sei die Vorfreude auf die Spiele groß gewesen, teilte Oliver Höpfner, Schach-Abteilungsleiter in Bremen, mit.

"Wir haben uns gefreut, dass es wieder so ein bisschen in Richtung Normalität geht", sagte der 51-Jährige. Die Freude sei nun vollkommen der Angst um die ukrainischen Spieler und der Sorge wegen der aktuellen Ereignisse in der Ukraine gewichen. "Das Sportliche ist jetzt absolut nachrangig."

Neue Siegregelung in der Liga

Neben Shevchenko wären auch die Ukrainer Sachar Jefimenko und Oleksandr Areschtschenko für den Verein angetreten. Doch die Regierung in Kiew hat ukrainischen Männern im Alter zwischen 18 und 60 Jahren die Ausreise untersagt, sie unterliegen der Wehrpflicht und dürfen das Land nicht verlassen. Als Zeichen gegen Russlands Krieg und für die Solidarität mit der Ukraine will der SV Werder am Wochenende zwei Bretter freilassen.

Die Gegner am Wochenende, Meister OSG Baden-Baden und Vizemeister Schachfreunde Deizisau, schließen sich an, indem sie am zweiten und dritten Brett ebenfalls niemanden aufstellen, statt kampflos Punkte zu kassieren. Das könnte nach dem herkömmlichen Regelwerk dazu führen, dass beide Teams am Ende als Verlierer gewertet werden. Um dies zu verhindern, kündigte die Schach-Bundesliga am Freitag eine abgeänderte Siegregelung an.

Insgesamt gibt es nach Angaben der Schach-Bundesliga mindestens neun ukrainische Spieler in den deutschen Teams. Der Schachclub Viernheim hat allein fünf ukrainische Spieler. Drei davon sitzen in der Ukraine fest und können zunächst nicht an den Bundesliga-Spielen teilnehmen. "Kurz bevor die Ausreisesperre für Männer kam, haben wir den Spielern und später auch deren ganzen Familien Asyl hier in Viernheim angeboten", sagte der Kapitän des südhessischen Vereins, Stefan Martin. Doch dazu kam es nicht mehr.

Russen müssen Position beziehen

Mit davon betroffen ist der Viernheim-Spieler Igor Kowalenko, seit Jahren einer der Top-Scorer der Bundesliga. Er sorgt in Kiew für ältere Mitbürger, die zum Flüchten zu gebrechlich sind. Der Klub kann zwar alle acht Bretter besetzen, wird aber während der Spiele am Wochenende Kontakt mit Kowalenko aufnehmen, um den Zuschauern im Bürgerhaus Viernheim und im Internet nahezubringen, was der Krieg bedeutet.

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In einer Resolution, die am Sonntag vor Spielbeginn verlesen werden soll, verurteilt der Klub den russischen Angriffskrieg. "Beim Schach soll der Stärkere gewinnen. Im wirklichen Leben wollen wir nicht, dass der Stärkere dem Schwächeren mit Gewalt seinen Willen aufzwingt", heißt es darin. Der Bundesliga-Vorstand empfahl allen Mitgliedsvereinen, bis auf Weiteres keine russischen oder belarussischen Spieler einzusetzen, die den russischen Angriff nicht aktiv ablehnten.

In naher Zukunft könnten ukrainische Spieler sogar per elektronischem Schachbrett aus ihrer Heimat zugeschaltet werden. "Das ist eigentlich nicht in der Bundesliga vorgesehen", sagte ein Liga-Sprecher. Die in der Ukraine festsitzenden Bundesligaprofis könnten nun einen kurzfristigen Wandel bewirken. "Das werden wir wahrscheinlich dieses Wochenende noch nicht sehen, aber ich will nicht ausschließen, dass das am dritten oder vierten Spieltag zum ersten Mal in der Bundesliga auftaucht", sagte der Liga-Sprecher. Ein aus der Ferne elektronisch zugeschalteter Spieler wäre in der Schach-Bundesliga ein Novum.

Quelle: ntv.de, Mia Bucher und Jann Philip Gronenberg, dpa

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