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"Bin komplett gegen den Krieg" Russischer Radprofi fährt jetzt als Franzose

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Siwakow als Führender der Polen-Rundfahrt im Jahr 2019.

(Foto: picture alliance/dpa/PAP)

Auch im Radsport ist der Krieg gegen die Ukraine längst angekommen. Der Weltverband UCI hat russische und belarussische Teams ausgeschlossen. Einzelne Profis sind nicht betroffen. Trotzdem zieht der russische Profi Pawel Siwakow seine Konsequenzen und fährt ab sofort unter anderer Flagge.

Der russische Radprofi Pawel Siwakow hat aufgrund des Angriffskrieges gegen die Ukraine die Nation gewechselt. Da der 24-Jährige auch einen französischen Pass besitzt, fährt er künftig unter anderer Flagge. Das teilte sein Team Ineos-Grenadiers nach der Genehmigung durch den Weltverband UCI mit. "Ich wollte schon länger als Franzose fahren und hatte den Antrag bei der UCI gestellt. Angesichts dessen, was gerade in der Ukraine passiert, wollte ich die Sache beschleunigen", sagte Siwakow.

Der Rundfahrt-Spezialist wurde in Italien geboren, seine Eltern zogen nach Frankreich, als er ein Jahr alt war. "Wie ich schon einmal gesagt habe, bin ich komplett gegen diesen Krieg und meine Gedanken sind bei der ukrainischen Bevölkerung", sagte Siwakow. Er hoffe auf Frieden und ein schnelles Ende des Leidens in der Ukraine.

Die UCI hatte russische und belarussische Teams von allen Rennen und Rundfahrten ausgeschlossen, darunter das Team Gazprom-Rusvelo. Einzelne Profis aus betreffenden Ländern in nicht-russischen oder -belarussischen Teams sind nicht betroffen. Dazu zählen Siwakow und der für das deutsche Team Bora-hansgrohe fahrende Alexander Wlassow.

Degenkolb gegen Sippenhaft

Der deutsche Radprofi John Degenkolb hat sich derweil gegen eine allgemeine Sperre russischer und belarussischer Radsportler ausgesprochen. "Man muss zwischen einzelnen Fahrern und Sponsoren wie Gazprom differenzieren", sagte Degenkolb der "Frankfurter Rundschau" und verwies noch vor dem Nationenwechsel auf den Fall Siwako. Der habe sich "ganz klar distanziert von diesem Regime" und eine Sperre wäre daher nicht der richtige Weg.

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Auch Siwakows Landsmann Alexander Wlassow hatte sich am Donnerstag deutlich vom Handeln des russischen Präsidenten Wladimir Putins distanziert. "Wie viele andere Russen möchte ich nur Frieden. Ich bin keine politische Person, und normale Menschen wie ich wurden nicht gefragt, ob wir Krieg wollen. Es war für jeden ein Schock, und ich hoffe, es hört bald auf", schrieb Wlassow auf Instagram.

Degenkolb gelinge es im Training, die Gedanken an den Krieg auszublenden. "Aber gerade als älterer Fahrer und Familienvater hinterfragt man schon, was machen wir jetzt hier eigentlich? Mitten in Europa herrscht Krieg und wir sollen jetzt hier Radrennen fahren?", sagte der Sieger von Paris-Roubaix und Mailand-Sanremo 2015: "Ich hoffe inständig, dass die Friedensverhandlungen so schnell wie möglich zu einem positiven Ergebnis führen und dieser Krieg endlich beendet wird."

Quelle: ntv.de, sue/dpa

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