Es ist heiß bei der Tour de France. Es scheint nicht ein bisschen nett die Sonne, sondern so heftig, dass es gefährdend für die Radsportler werden kann. "Gesund ist anders", stöhnte der deutsche Red-Bull-Profi Nico Denz nach der Dienstags-Etappe nach Foix, mit im Schatten gemessenen 41 Grad der heißeste Renntag der Tour-Geschichte. Da Schatten im Rennen eher selten ist, litten die Fahrer wie die Hunde. Von einem "Kriegsgebiet" sprach Olympiasieger Tom Pidcock.
Fachleute fordern bereits ein Umdenken: "Aus klimatischer Sicht wäre eine Austragung im Frühjahr die beste Option, um die Risiken für Radfahrer, Mitarbeiter und Zuschauer zu reduzieren", sagt Benjamin Sultan, Klimaforscher am Pariser Institut für Entwicklung. Sultan ist Co-Autor einer Studie, die Klimadaten aus 50 Tour-Jahren ausgewertet hat. Ergebnis: Gerade an zentralen Tour-Orten im Süden hat die Hitzebelastung in diesem Zeitraum deutlich zugenommen. In den vergangenen Jahren fielen neuralgische Etappen zwar nicht auf die heißesten Juli-Tage, dies sei aber Zufall gewesen.
Eiswürfel, Eiswesten, Hektoliter Wasser, über den Kopf und in den Körper: Die Betreuer leisteten Schwerstarbeit, um ihre Profis notdürftig runterzukühlen. "Für die Teams ist es ein logistischer Albtraum", sagt Topstar Tadej Pogacar. "Wir müssen das überdenken", fordert der Italiener Matteo Trentin: "Vielleicht ist es keine schlaue Idee, die Etappen um 12 Uhr unter praller Sonne zu starten." Zumal dann beim Etappenende zu späterer Nachmittagsstunde die Höchsttemperaturen erreicht werden.
Eissocken sind verboten
Ex-Radprofi Jerome Coppel kritisierte als Experte des französischen Senders RMC den Weltverband UCI: "Die Maßnahmen der UCI bringen nichts. Die haben doch die Frechheit, Eiswürfel in den Socken zu verbieten, weil sie Angst haben, dass das die Körperform des Fahrers verändert und die Aerodynamik verbessert." Genau diese Maßnahme war den Teams zum Auftakt beim Mannschaftszeitfahren untersagt worden.
Coppel erklärte deutlich: "Wir reden hier von einem Eiswürfel, der in zwei Minuten schmilzt! Die Gesundheit des Fahrers hingegen ist ihnen egal. Ich verstehe das nicht: Bei der Fußball-WM ist es derzeit weniger heiß, und trotzdem gibt es dort Erfrischungspausen, oder?" Und weil er schon dabei war, holte der ehemalige Tour-Fahrer zum Rundumschlag aus: "Wenn es so heiß ist, sollten die Fahrer sich verpflegen können, wann sie wollen, wo sie wollen und wie sie wollen. Aber über ihnen stehen diese Leute, die sich selten auf ein Fahrrad gesetzt haben. Die sollen doch mal einen Tag lang in ihrem Auto sitzen, ohne die Klimaanlage einzuschalten!"
Coppel wetterte über die UCI als "Zirkus": "Stellen wir uns vor: Morgen bekommt ein Fahrer einen Hitzeschlag, ihm wird schwindelig und er wird ohnmächtig, während er mit 80 km/h eine Abfahrt hinunterfährt. Was wird man dann sagen? Tut mir leid, aber das sind Clowns."
Also bleibt für die Zukunft nur die Verlegung der Tour? In einer idealen Welt gäbe es noch "Drittens". "Wir sollten nicht nur aktiv werden, um den Körper herunterzukühlen", sagt Emilio Magni, Chefarzt des Astana-Teams, "sondern auch den Planeten".


