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"Unfähig, die Krise zu meistern" Harte Kritik an IOC-Präsident Bach

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IOC-Präsident Thomas Bach erlebt derzeit die wohl kompliziertesten Tage seiner Amtszeit.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Die Olympischen Spiele 2020 finden erst 2021 statt. Nach einer langen Hängepartie entscheidet sich das IOC zur Verschiebung. Der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach erntet herbe Kritik für sein Krisenmanagement.

Der frühere Leichtathletik-Präsident Clemens Prokop hat IOC-Präsident Thomas Bach im Zuge der Verlegung der Olympischen Spiele in Tokio wegen der Corona-Pandemie Versagen vorgeworfen. "Letzten Endes hat sich Thomas Bach aus meiner Sicht als unfähig erwiesen, diese Krise zu meistern", sagte Prokop, der am Donnerstag 63 Jahre alt wird, im Interview der "Mittelbayerischen Zeitung" (Mittwoch).

Das Internationale Olympischen Komitee (IOC) und sein deutscher Präsident hätten in der weltweiten Debatte, die am Dienstag zur Verlegung der in diesem Sommer geplanten Sommerspiele führte, ein "Misstrauensvotum" seitens der Sportorganisatoren und Athleten erfahren. Noch am Sonntag hatte Bach erklärt, sich vier Wochen Zeit mit einer Entscheidung über eine Verlegung nehmen zu wollen, zwei Tage später war das Makulatur. Bach erkannte die "beispiellose Krise für die Menschheit" an und erklärte die überfällige Entscheidung mit der Entwicklung der letzten Tage und Stunden.

"Einfach nur dumm"

"Die Verbände und Sportler nahmen das Geschehen selbst in die Hand", sagte Prokop. Das IOC habe unter Bachs Führung versucht, "die Problematik mit einer unglaublichen Ignoranz wegzudrücken". Schon in der vergangenen Woche hatte Prokop der "Stuttgarter Zeitung" gesagt, er "halte die derzeitige Handlungsweise des IOC unter Aspekten der Vernunft für nicht nachvollziehbar. Es ist nicht nur naiv, sondern einfach nur dumm, so zu tun, als ob sich die Coronakrise in den nächsten vier Monaten weltweit erledigt haben könnte."

Nun legte er nach: "Aus meiner Sicht hat sich Thomas Bach an den Interessen der Athleten versündigt", kritisierte Prokop: "Solange am Termin dieser Olympischen Spiele festgehalten wurde, nötigte das IOC ihnen eine weitere intensive Vorbereitung ab, die auf Tokio ausgerichtet war." Die Sportler seien dabei "enormen gesundheitlichen Risiken" ausgesetzt worden. Mittlerweile ist aber auch Bach klar geworden: "Hier geht es darum, Menschenleben zu schützen, finanzielle Fragen haben da keine Priorität", sagte der IOC-Präsident.

Der Jurist aus Regensburg war von 2001 bis 2017 Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Die Corona-Pandemie wird laut Prokop "fundamentale" Folgen für den Sport haben, "und dabei am augenscheinlichsten im Profisport". Der DLV-Ehrenpräsident erwartet aber auch "gravierende Herausforderungen" für den Breitensport. "Man wird sicherlich über ein staatliches Förderprogramm für den Breitensport nachdenken müssen", sagte Prokop.

Quelle: ntv.de, ter/dpa/sid